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Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg Was bleibt vom "stählernen Gedächtnis"?

Das einstige Stahlwerk Maxhütte ist ein schwieriges Erbe für die Stadt Sulzbach-Rosenberg. Fast 150 Jahre wurde hier Stahl hergestellt, 2002 kam das Aus. Die Brache abzureißen ist keine Option, da die Maxhütte unter Denkmalschutz steht. Jetzt soll ein Kompromiss her.

Von: Marcel Kehrer

Stand: 02.12.2016

Die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg war eine wichtige Keimzelle der Industrialisierung Bayerns. In ihrer Hochzeit in den 1960er-Jahren waren dort mehr als 9.000 Menschen beschäftigt. Seit dem Aus 2002 ist die Brache ein Problem: denkmalgeschützt, erhaltenswert, aber auch schadstoffbelastet, zunehmend verfallen und ausgeschlachtet. Damit endlich was vorangeht, nimmt die Stadt Sulzbach-Rosenberg nun in Kauf, einen Großteil der Anlagen zu verlieren - und damit auch ein beliebtes Motiv für Fotografen.

Beliebtes Fotomotiv

"Die Maxhütte ist natürlich ein sehr faszinierender Ort. Zum Beispiel die alte Konverterhalle war besonders beeindruckend und sehr majestätisch. Gerade im Sommer, wenn der Staub durch die Luft flirrt und oben durch die Luken die Sonne reingescheint ist - das war wie Eintauchen in eine andere Welt."

Fotograf Roland Eichler

Fotograf Roland Eichler aus Steinach hat jahrelang mit seiner Werbeagentur Fototouren durch das Industriedenkmal organisiert und Filmdrehs auf dem Gelände betreut. In dieser Zeit musste er auch beobachten, wie die Industrieanlage zunehmend zerfiel, und der Eigentümer Teile abbauen ließ, um sie zu verwerten.

"Stählernes Gedächtnis"

"Es ist natürlich schade. Und man sollte versuchen, zumindest über einen Teilerhalt, dieses stählerne Gedächtnis der Region am Leben zu erhalten, bevor es komplett weg ist."

Fotograf Roland Eichler

Die Maxhütte sei insbesondere auch ein Stützpfeiler für die Industrialisierung in Bayern gewesen, so Eichler. Dort wurden die Eisenbahnschienen gemacht, die eigentlich die Grundlage gebildet haben, dass Bayern zum Industriestaat gewachsen sei. Das seien laut Eichler Dinge, die nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Pragmatismus im Rathaus

So sieht es auch die Stadt Sulzbach-Rosenberg. Allerdings ist man im Rathaus über die Jahre pragmatisch geworden. Statt nach der Maximallösung zu streben - dem Erhalt der gesamten Maxhütte - konzentriert sich der Stadtrat in seiner jüngsten Entscheidung auf den Hochofen. Dieser soll als Erinnerungsstück erhalten bleiben. Die übrigen Hallen, Maschinen und Kräne sollen abgebaut werden können, erklärt Bürgermeister Michael Göth (SPD).

"Jetzt sind so viele Jahre verstrichen, irgendwann muss was funktionieren auf dem Gelände. Aber der Beschluss beinhaltet auch ganz klar, dass wir einzelne Anlagenteile erhalten wollen, nämlich den Hochofen samt Umgriff. Und dass wir danach auch eine Folgenutzung auf dem Gelände wollen mit dieser sogenannten Hochofenplaza, vielleicht auch mit einem Dokumentationszentrum."

Michael Göth (SPD), Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg

Eigentümer will kein Museum

Die Stadt will die Brache endlich weghaben, das Gelände neu nutzen, die Bodensanierung voranbringen. Der Eigentümer der Maxhütte, die Max Aicher Unternehmensgruppe, erklärt, sie wolle kein Museum daraus machen. Der Konzern, der unter anderem Stahl herstellt und Metallabfälle recycelt, will möglichst zügig Anlagen und Gebäude abbauen, nur so könne das Gelände saniert werden.

Maxhütte steht unter Denkmalschutz

Allerdings steht die Maxhütte unter Denkmalschutz. Und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege äußert sich eindeutig:

"Die Denkmaleigenschaft der Maxhütte wurde zuletzt nochmals 2012 bestätigt. Die Denkmaleigenschaft ist kein Status, der verliehen oder entzogen wird. Ein Eigentümer kann sein Gebäude nicht für den Denkmalschutz 'anmelden' oder 'abmelden'."

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Die Behörde räumt aber auch ein, dass sie nicht das letzte Wort hat, wenn ein Denkmal verändert oder abgebrochen werden soll. Das Verfahren sehe auch vor, das Landesamt Denkmalpflege anzuhören, teilt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit. Die Abwägung der verschiedenen öffentlichen Belange sei aber Aufgabe der Unteren Denkmalschutzbehörde, sie treffe die Entscheidung über die Genehmigung eines Abbruchs.

Stadt hofft auf Fortschritt - und Fördermittel

Die Untere Denkmalschutzbehörde ist die Stadt Sulzbach-Rosenberg. 2004 hatte der Stadtrat schon einmal zugestimmt, dass Anlagen der Maxhütte abgebaut werden können. Die gesamte Produktionskette vom Eisenerz bis zum fertigen Stahl kann man seitdem ohnehin nicht mehr zeigen, wichtige Maschinen fehlen. Nun hofft die Stadt, dass mit dem klaren Fokus auf den Hochofen endlich etwas vorangeht in Sachen Erhalt und Nachnutzung.

"Wir wollen natürlich auch den Freistaat überzeugen. Alleine die Stadt Sulzbach-Rosenberg wird dies nicht schultern können. Da müssen wir natürlich auch schauen, ob es Denkmalmittel, Landesmittel oder auch Bundesmittel gibt. Es muss auf mehreren Schultern verlagert sein."

Michael Göth (SPD), Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg

50 Millionen Euro für Schlackenberg

Auch der Grundstückseigentümer setzt auf Geld vom Freistaat bei der Entsorgung giftiger Abfälle. Man sei zuversichtlich, dass auch die weitere Sanierung gemeinsam gestemmt wird, so die Max Aicher Unternehmensgruppe. Über 50 Millionen Euro hat allein die Sanierung des Schlackenbergs mit den Produktionsrückständen gekostet. Der Freistaat, einstiger Teilhaber der Maxhütte, hat kräftigt mitgezahlt.

Virtuelles Museum

Eine vergleichsweis kleine Summe braucht Fotograf Roland Eichler. Er und seine Mitstreiter möchten die Maxhütte zumindest im Internet erhalten:

"Wir planen momentan ein virtuelles Maxhütte-Museum. Wir haben auch einen Antrag auf Förderung aus dem bayerischen Kulturfonds eingereicht. Wir haben von der Politik schon die Zusage, dass eine entsprechende Unterstützung stattfindet. Da wird es dann aus dem Material, das wir haben, 360-Grad-Panoramen geben, historisches Bildmaterial, es wird Filmmaterial mit rein kommen. Das sind Dinge, die wir in diesem virtuellen Museum gerne zusammenfassen möchten."

Fotograf Roland Eichler


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Kommentare

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Helmut, Sonntag, 04.Dezember, 13:23 Uhr

4. Erhalt der Heimat

Die Industrielandschaft verändert sich, was wir nicht aufhalten können. Aber die Maxhütte erinnert an eine Tradition der Stahlherstellung in der Oberpfalz, die mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Hier einen zentralen Teil, wie den Hochofen zumindest äußerlich zu erhalten und so an die Vergangenheit zu erinnern halte ich für das mindeste , was zu tun ist.
Das ist schließlich auch ein Teil der Heimat, die so viel beschworen wird.

Bernhard Pirner, Samstag, 03.Dezember, 16:58 Uhr

3. Ein Industriedenkmal verrottet, was wird aus der Maxhütte

Warum überhaupt noch was erhalten. Es ist Geschichte und kann für die Nachwelt bildlich dokumentiert werden. Die Altlastensanierung des Maxhüttengeländes, der Boden- und Gewässerschutz in dieser Industriebrache, dass alles ist dringlicher und kostet bereits viel, viel Steuergelder. Nennt doch den Steuerzahlern bitte die voraussichtlichen Summen, die derzeit die Instandsetzung für den Erhalt des Hochofens und der Plaza mit Gießhallen kosten wird. Was fällt für den Sulzbach-Rosenberg Bürger diesbezüglich an Kosten an?Nennt den Steuerzahlern und den Sulzbach-Rosenberger Bürgern die wiederkehrenden Kosten, die es bedarf um einen Hochofen nach Jahren wieder instand zusetzen. Kirchengebäude werden seit Jahren profaniert, weil sie finanziell nicht mehr zu erhalten sind. Warum der nächsten Generation, die nichts mit der Hütte zu tun hatte, Lasten auferlegen? Die Altlasten im Schlackenberg und der Schlackenberg selbst ist bereits Erinnerung an die Maxhütte genug.

Erika Rauh, Freitag, 02.Dezember, 19:47 Uhr

2. Abbau der Maximilianshütte Sulzbach-Rosenberg

Ich verbrachte meine Kindheit in der Nähe der Hochöfen in einer alten Mühle, die ebenso verfällt wie das Eisenwerk. In den letzten Jahren konnte ich mit einer Fotogruppe einige Male durch das Werksgelände gehen und mit allen Sinnen erhaltenswerte Industriekultur erleben und fotografieren. Ich hörte noch einmal die lauten Geräusche des stampfenden Werkes und sah den roten Rauch und die Funken aus den Schornsteinen sprühen. Ehrfürchtig standen wir nun vor den dahinrostenden Anlagen, den Hallen, Maschinen, Kränen, Motoren und fanden alles wunderschön. 2015 schrieb ich eine Mail mit Fotos an das Stadtarchiv, Sulzbach-Rosenberg - ohne Antwort, ebenso an die Bayerische Staatsregierung - auch ohne Resonanz. Wie ist das in Bochum geglückt ?- man hat aus der alten stillgelegten Zeche ein Kulturzentrum gemacht. Ein Teil der Maxhütte sollte erhalten und zugänglich gemacht werden. Auch aus Respekt vor den Menschen, die dieses geschaffen und ein Lebenlang schwer dafür gearbeitet haben.

RobertH, Freitag, 02.Dezember, 10:48 Uhr

1. scheinheilige Diskussion

Es ist doch alles nach China verkauft worden. Die Gebäude sind leer und verfallen. Abreißen und fertig. Ein Dokumentationszentrum...das ich nicht gleich einen Lachkrampf bekomme. Erst wurde alles dafür getan seitens der Politik durch übertriebene Gängelung damit man nicht mehr konkurrenzfähig ist auf dem Weltmarkt, denn wird sind ja kein Industriestandort in Deutschland sondern ein Wissensstandort. Dann hat man die Heilsbringung für die eigens gemachten Probleme im fernen Osten gesucht, nur das die Chinesen gar nicht so dumm waren als angenommen ist dann zu einem Problem geworden. Und wie wird es ausgehen? Na klar der Steuerzahler bezahlt die Beseitigung und die Verantwortlichen haben die Kohle eingesackt.