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Ein Bewerber - 50 Ausbildungsplätze Lehrlinge in Ostbayern haben die freie Wahl

Für viele Betriebe in der Region ist es immer schwieriger, Lehrlinge zu finden. In Niederbayern und der Oberpfalz sind fast 2.500 Lehrstellen unbesetzt. Demgegenüber stehen nur 70 Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen.

Stand: 13.01.2016

Bäcker (Symbolfoto) | Bild: pa/dpa

In der nördlichen Oberpfalz und in den Regionen an der tschechischen Grenze ist die Situation besonders angespannt. Wie viele Branchen, hat das Metzgerhandwerk mit dem Lehrlingsmangel zu kämpfen. Viele Stellen in Ostbayern bleiben unbesetzt. Egal ob Metzger oder Verkäufer: Für Metzgermeister Markus Resch aus Langquaid (Lkr. Kelheim) und seine Kollegen ist es immer schwieriger, Lehrlinge zu bekommen.

"Es ist durch die Bank in der ganzen Innung so, dass diese Ausbildungsproblematik besteht. Jeder würde Leute suchen. Ich sehe unser Handwerk in der Pflicht bei der Ausbildung."

Metzgermeister Markus Resch

Woher sollen die Lehrlinge kommen?

Immer mehr junge Menschen studieren. Dazu kommt der demografische Wandel, es gibt einfach immer weniger Jugendliche. Metzgermeister Resch: "Wer glaubt, die jungen Leute kommen wir früher von alleine, hat schon verloren". Er geht deshalb aktiv auf die Jugendlichen zu und stellt in der Schule sein Handwerk vor. Andere Kollegen seien weit weniger erfolgreich.

"Ich weiß von einem Kollegen in Regensburg, der hat eine Filiale schon ein Dreivierteljahr geschlossen, weil ihm das Personal für den Verkauf fehlt."

Metzgermeister Markus Resch

Ein Azubi auf 50 freie Stellen

Ausbildungsmarkt in der Oberpfalz

Fast jede dritte Azubistelle für Metzgereifachverkäufer ist unbesetzt. Bei den Bäckern sieht es nicht besser aus. Aber nicht nur die Lebensmittelbranche ist betroffen. In Niederbayern kommen auf einen freien Bewerber 27 freie Ausbildungsplätze. In der Oberpfalz kann sich ein Azubi seinen Ausbildungsplatz theoretisch sogar aus 50 freien Stellen aussuchen, so die Agentur für Arbeit in Nürnberg. Negative Spitzenwerte innerhalb Bayerns.

Im Handwerk, aber auch in den kaufmännischen Berufen, wird sich die Situation kurzfristig nicht ändern, glaubt Ralf Kohl von der Industrie und Handelskammer Oberpfalz.

"Wir gehen derzeit davon aus, dass sich das Problem verstärken wird. Aufgrund der Demografie und dem Trend zur höheren Schulbildung ist es unabdingbar, dass man sich auch über andere Zielgruppen Gedanken macht."

Ralf Kohl von der Industrie und Handelskammer Oberpfalz

Zu diesen Zielgruppen könnten Studienabbrecher, junge Eltern, aber auch EU-Ausländer und Flüchtlinge zählen. Flüchtlinge alleine werden die Situation aber nicht verbessern können, glaubt Kohl. Ein Teil von ihnen will keine Ausbildung machen, sondern sofort arbeiten. Auch Ausbildungsstand und Sprachbarriere stehen anfangs oft noch im Weg, sagt Kohl. So müssen Betriebe weiter um jeden Azubi kämpfen und die Vorteile der Lehre bekannt machen, so wie es Metzgermeister Markus Resch macht.

"Es gibt keine Branche, die so sicher ist, wie Bäcker, Metzger, Maurer oder Koch, wenn man seine Ausbildung fundiert und richtig gemacht hat. Ich wüsste keinen, der in dem Beruf gut ist und keinen Job hat."

Metzgermeister Markus Resch


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