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Beleidigungen und nächtlicher Besuch Landrat lässt Dampf ab: "Ich bin nicht euer Depp!"

Anonyme Schreiben mit Beleidigungen sind für Andreas Meier (CSU), Landrat in Neustadt an der Waldnaab, nichts Ungewöhnliches mehr. Doch als ihn in der Nacht ein ungebetener Gast zu Hause besucht, reicht es Meier. Auf Facebook macht er seinem Ärger Luft.

Von: Bastian Girg

Stand: 23.09.2016

Screenshot eines Facebook-Posts von Andreas Meier mit seinem Foto daneben | Bild: Andreas Meier, Facebook, colourbox.com; Montage: BR

"Ja sag mal, bin ich denn hier eigentlich für jeden nur der Depp?" Mit diesem Satz beginnt Meier seinen Facebook-Post. Darin beklagt er den immer rauer werdenden Umgangston und die zunehmenden Beleidigungen, denen er sich in seiner Arbeit ausgesetzt sieht. An die anonymen Briefeschreiber gerichtet schreibt er: "Ich bin nicht euer Depp!"

Ungebetener Gast um 5 Uhr

Im Gespräch mit dem BR erklärt Meier, was ihn zu dem Eintrag bewogen hat, für den er im Netz viel Zuspruch erfährt. Beleidigende Briefe seien für ihn nichts Besonderes mehr, doch ein Ereignis brachte das Fass zum überlaufen.

"Ich hatte letzte Woche ein sehr negatives Erlebnis. Morgens um 5 Uhr hat es bei mir privat an der Tür geklingelt. Davon ist auch meine kleine Tochter wach geworden. Es stand dann jemand draußen, der mir einen Bescheid unter die Nase halten wollte. Also für mich ist irgendwann eine rote Linie überschritten und dann darf man auch mal seine Stimme erheben."

Andreas Meier (CSU), Landrat Neustadt an der Waldnaab

Den aggressiver werdenden Umgang erklärt sich Meier unter anderem mit einem allgemeinen Respektverlust vor Personen, die öffentliche Ämter übernehmen. Auch die Flüchtlingskrise habe die Problematik weiter befeuert. Meier betont aber auch, dass es in den anonymen Schreiben nicht nur um Flüchtlinge geht.

Zuspruch von Christian Bernreiter

Meiers Diagnose teilt auch Christian Bernreiter (CSU), Landrat von Deggendorf und Präsident des Landkreistages.

"Generell ist es so, dass staatliche Autoritäten bei weitem nicht mehr so viel zählen wie früher. Man ist sofort heftiger Kritik und Beleidigungen ausgesetzt."

Christian Bernreiter (CSU), Präsident des Landkreistages

Meier will sich nicht unterkriegen lassen

Man ertrage ja viel, aber wenn eine Grenze überschritten sei, müsse man als Landrat oder Bürgermeister reagieren, sagte Bernreiter dem BR. Meiers öffentliche Stellungnahme auf Facebook unterstützt Bernreiter: "Der Kollege Meier hat das geschickt gemacht."

Meier selbst will seinen Optimismus behalten. "Ich lasse mich nicht kleinkriegen." In Gesprächen mit Kollegen und auch in den Kommentaren bei Facebook habe er viel Zuspruch erfahren.

  • Bastian Girg | Bild: BR Bastian Girg

    Arbeitet in Regensburg im Studio Ostbayern des Bayerischen Rundfunks. Dort kümmert er sich vor allem um die Online-Berichterstattung.


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Kommentare

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Bürger, Samstag, 24.September, 14:28 Uhr

14.

Es sollte sich der BR doch bitte die Mühe machen und denn Grund für den Kommtentar von Landrat Meier mit ins Netz stellen. Den dann könnte sich der eine oder andere Kommmentator sein dämliches hirnloses Geschriebsel sparren!!

Für alle anderen Oberpfalznetz vom Donnerstag den 22.09.2016.

Else G., Samstag, 24.September, 11:21 Uhr

13. Landrat lässt Dampf ab

Das ist schlechter Stil, wenn Politiker auf facebook - noch dazu mit unangebrachter Sprache - reagieren. Wieso fordern sie, als "Autoritäten" respektiert zu werden, wenn sie sich nicht so verhalten - und ihre Partei in verbalen Aggressionen ordentlichmithilft, dass man sie nicht als Autorität sieht? Eine Autorität ist in der Lage, zu deeskalieren!

Erik W., Freitag, 23.September, 22:32 Uhr

12. Die Zeiten sind härter geworden.

Dass die bürgerfeindliche Politik viele Frustrationen hervor ruft, muss ich hier anmerken. Trotzdem gehört es sich nicht, beleidigend zu werden. Schon gar nicht zu unchristlichen Zeiten Privatbesuche zu veranstalten. Außerdem hat man bei einem Wahlamt doch immer die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, indem man kein Kreuz mehr da macht.

Franz, Freitag, 23.September, 18:57 Uhr

11. Recht hat er

Erschreckend finde ich, dass es Zeitgenossen gibt, die auch noch Verständnis für anonyme Briefe, Beleidigungen und nächtliche Besuche haben.

Offenbar ist gerade der rechte politische Rand mittlerweile total durchgeknallt. Die vorherigen Kommentare belegen dies.

  • Antwort von Erich, Freitag, 23.September, 19:43 Uhr

    @Franz,
    hier gehts nicht um ein angebliches Verständnis, sondern darum, daß derartiges, viele aus der Afd aushalten müssen! Deren Sorgen, werden nicht gehört! Dann kann auch keiner verlangen, daß man in Tränen ausbricht, weil morgens um 5 bei dem einer klingelt!

    Afd Mitgliedern, werden die Autos zerkratzt, Farbeutel an die Hauswände geworfen, der Landesvorsitzende aus Rheinland-Pfalz wird von 4 Leuten zusammengeschlagen, Petrys Auto wird abgefackelt, auf Wahlkampfstände wird geschossen und einige werden angegriffen. Regt man sich da in der Öffentlichkeit auf? Was hier entsteht, sind Weimarer Verhältnisse!
    Soweit hat es diese Regierung gebracht!

  • Antwort von Sachsendreier, Freitag, 23.September, 22:36 Uhr

    Es geht hier nicht nur um den rechten Rand - denn derartige unrühmlichen Aktionen gibt es seit Jahren leider beständig von Seiten der Linksextremen. Nur wird darüber weniger berichtet. Warum wohl?

  • Antwort von Renate E., Freitag, 23.September, 22:44 Uhr

    Schließe mich Erich an. Hier herrschen Zustände wie in der Weimarer Republik. In allen Talk-Sendungen, egal welchen Themas, fabulieren ehemals in der linken Szene aktive Journalisten, die nun zu Ansehen gekommen sind bei ARD und ZDF, über eine enorme Bedrohung von Rechten und zunehmender Gefahr für den Rechtsstaat! Dabei ist kaum Gewalt aus dieser Richtung spürbar. Die meisten Schlagzeilen dazu wurden in den vergangenen Monaten von psychisch labilen Muslimen verursacht. Außerdem gab es Unmengen angezündete Autos, bei denen man einen Bezug zu den Linksextremen herleitete. Doch sieht und hört man unsere Prominenz in den öffentlich-rechtlichen Beiträgen, dann stehen wir wohl kurz vor einem neuen Dritten Reich. Kein Wunder, dass mehr und mehr Mediennutzer den Journalisten unterstellen, nicht mehr die Wahrheit zu berichten!

Robert Braas, Freitag, 23.September, 18:32 Uhr

10. Respekt, Authorität und VERTRAUEN

Respekt, Authorität und VERTRAUEN in Politiker und Medien sind dahin. Das stell ich auch bei mir selber fest. Der 'Staat' und ich haben sich entfremdet (Flüchtlingspolitik, Euro, Griechenland, etc). Ich Zahl meine Steuern und nehme den Staat nur noch als 'Service Provider' wahr. Früher war ich Teil vom Staat, es war MEIN Staat. Diese Wahrnehmung habe ich nichtmehr. Staat, Bürger und Politik bilden keine Einheit mehr - sie haben sich entfremdet..

  • Antwort von Hugo Trotz, Freitag, 23.September, 22:50 Uhr

    Das haben Sie mit vielen Mitbürgern gemein. Die Einheit ist verloren gegangen, denn man sieht sich schlichtweg nur noch als AUSGENUTZT, aber nicht mehr vertreten.
    Was kein Wunder ist. Sie haben genau die Gründe genannt, die hauptsächlich diesen Vertrauensverlust begründen. Was ich noch anfügen möchte, ist der Verlust an Zukunftsfreude, den ich, selbst im intensiven Rückblick, noch niemals in diesem Ausmaß hatte.