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GSG9-Razzia in Pfatter Der Schleuser in der Nachbarschaft

In sechs Bundesländern hat die Bundespolizei am Mittwoch eine Großrazzia durchgeführt. Ziel waren Schleuser von syrischen Flüchtlingen. Eines der drei in Bayern durchsuchten Objekte liegt in der beschaulichen Gemeinde Pfatter im Landkreis Regensburg.

Stand: 21.01.2016

Einsatz der Spezialeinheit GSG9 | Bild: picture-alliance/dpa/Hannibal

Am frühen Mittwochmorgen (20.01.16) stürmte die Spezialeinheit GSG9 der Bundespolizei die Flüchtlingsunterkunft gegenüber einer kleinen Bäckerei in Pfatter. Dort leben rund 40 Flüchtlinge, darunter vier Kinder.

Schleuser in Dorf-Idylle?

Bei der Razzia wurde ein Verdächtiger festgenommen. Der Mann lebt schon seit Mai letzten Jahres in einem Einzelzimmer des Gasthauses, sein Asylantrag war bereits genehmigt worden. Vor der Ankunft in Pfatter soll er allerdings Mitglied eines Schleuserrings gewesen sein. Er wurde mit Kabelbindern gefesselt von den Beamten abgeführt. Auch die Kinder in der Unterkunft bekamen den Zugriff durch die Polizei live mit.

Die Aktion gegen den Schleuserring war schon lange geplant worden, teilte Bürgermeister Jürgen Koch (CSU) mit, der bei der Festnahme auf Einladung der Bundespolizei als Zeuge vor Ort war. Bereits vor einer Woche war er von den Beamten über den bevorstehenden Zugriff informiert worden.

Unauffälliger Mitbewohner

Flüchtlingsunterkunft in Pfatter

Der Besitzerin des Landgasthofes, Gabi Stehr, ist der junge Mann nie negativ aufgefallen. Im Gegenteil, er galt als Vorzeigemitbewohner, war hilfsbereit und besuchte jeden Deutschkurs. Seit seiner Ankunft habe er sich ausschließlich in der Gemeinde aufgehalten, sagt Stehr. Die anderen Flüchtlinge in der Unterkunft hätten die Aufregung gut überstanden. Viele seien allerdings entsetzt, dass sie so lange Tür an Tür mit jemandem gewohnt haben, der seine eigenen Landsleute unbarmherzig ausnutzt haben soll.

Flüchtlinge in Frachtschiffen transportiert

Insgesamt sind bei den Durchsuchungen in sechs Bundesländern am Mittwoch fünf mutmaßliche Schleuser verhaftet worden. Auch in der Türkei gab es zehn Festnahmen. Wie die Bundespolizei mitteilte, sollen die Schlepper Ende 2014 dreimal Migranten gegen Zahlung von 4.500 bis 6.000 US-Dollar in Frachtschiffen transportiert haben. Dabei gingen die Schleuser jedes Mal auf See von Bord und ließen das Schiff führungslos. Inwiefern der in Pfatter verhaftete Mann involviert war, ist noch nicht bekannt.


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