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Erkundungslizenz läuft aus Fracking in der Oberpfalz vom Tisch

Erleichterung in der Oberpfalz: Im Weidener Becken wird es auf absehbare Zeit keine Probebohrungen für Fracking geben. Ein umstrittenes Verfahren zur Gewinnung von Erdöl und Erdgas aus schwierigen Gesteinsschichten ist damit vom Tisch.

Von: Margit Ringer

Stand: 17.01.2017

Stop Fracking! | Bild: mauritius-images

Die Erkundungslizenz für die Firma "Rose Petroleum" läuft Ende des Monats aus. Das britische Unternehmen habe auch keine Verlängerung beantragt. Das teilte das bayerische Wirtschaftsministerium auf BR-Anfrage mit. Auch kein anderes Unternehmen zeige derzeit Interesse, im sogenannten Weidener Becken nach Öl- und Gasvorkommen zu suchen.

Drei Jahre lang wurden Bohrdaten ausgewertet

Was ist "Fracking"?

Fracking ist ein Kurzbegriff für Hydraulic Fractioning. Es bezeichnet ein umstrittenes Verfahren, bei dem mit Wasser und chemischen Zusätzen Öl oder Gas aus dem Boden gelöst werden.

In den vergangenen drei Jahren hatte das Unternehmen "Rose Petroleum" bestehende Bohrdaten neu ausgewertet und weitere Laboruntersuchungen gemacht. Neue seismische Messungen oder Bohrungen hatte es laut Ministerium nicht gegeben.

Sonja Schuhmacher vom Bündnis "Abgefrackt" aus Weiden ist erleichtert. Sie geht davon aus, dass ihre Bemühungen gefruchtet haben, und die Politiker und auch die Firma gespürt hätten, dass ein breiter öffentlicher Widerstand gegen Fracking bestehe.

Großer Protest nach Erkundungslizenz

Das Bekanntwerden der Erkundungslizenz im Januar 2014 hatte einen Aufschrei und eine große Diskussion in Bayern ausgelöst. Sämtliche politischen Gremien in der nördlichen Oberpfalz sprachen sich in Resolutionen gegen Fracking im sogenannten Weidener Becken aus. Es ist etwa 4.200 Quadratkilometer groß und erstreckt sich über weite Teile der mittleren und nördlichen Oberpfalz sowie Gebiete in Oberfranken.

Beantragt hatte die Lizenz ein Ableger der Firma "Rose Petroleum" in Freiburg mit dem Namen "Naab Energy". Eine Briefkastenfirma, so Sonja Schumacher, die darauf aus sei, Geld von Anlegern einzutreiben.

Keinerlei Anzeichen für Öl oder Gas

Mit dem Auslaufen der Lizenz ist eingetreten, was Geologen längst erwartet haben. Denn im sogenannten Weidener Becken gebe es keine Öl- oder Gasvorkommen, sagte Dr. Frank Holzförster vom Geozentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) in Windischeschenbach bereits 2014. Damit Öl oder Gas im Untergrund entstehe, dafür hätte es in Urzeiten ein Meer in der Region geben müssen, was es aber nicht gab. Zwar sei man im Zuge von Bohrungen nach Thermalwasser Ender 80er Jahre in Weiden auf ein paar Tropfen Öl gestoßen, größere Vorkommen, die sich mit der Methode Fracking gewinnbringend abbauen lassen würden gebe es aber nicht.

Kampf der Gegner geht weiter

Der Kampf des Bündnisses "Abgefrackt" geht unterdessen weiter. Im Februar tritt das umstrittene Bundes-Fracking-Gesetz in Kraft. Es biete nur unzureichend Schutz und auch nur für die nächsten Jahre. Andere Unternehmen anderswo würden bereits in den Startlöchern sitzen, um auch in Deutschland die Methode Fracking anzuwenden. Das Bündnis setzt sich nach wie vor für ein umfassendes Fracking-Verbot in Deutschland ein.

  • Margit Ringer | Bild: BR/Katharina Häringer Margit Ringer

    Margit Ringer berichtet aus Amberg und Weiden sowie den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/Waldnaab, Amberg-Sulzbach und Neumarkt


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Katharina S., Donnerstag, 19.Januar, 12:06 Uhr

8. Fracking

Über das Onlineportal des BR gab es 2014 fundierte Informationen zu Fracking inklusive einer grafischen Darstellung der Methode. Noch einmal vielen dank dafür, denn dadurch wurde ich als Bewohnerin des Weidener Beckens auch aufgerüttelt. Damals hieß es unter anderem, man hoffe auf Lockerung der Bohrkriterien nach Verabschiedung der Freihandelsabkommen und verfeinerte Methoden der Ausbeutung. So konnten und können immer noch Bohrungen beantragt werden und Lizenzen erneuert. Die Freihandelsabkommen sind keineswegs vom Tisch, es ist nur Ruhe eingekehrt. Und ab Februar darf deutschlandweit gefrackt werden. Die Klage vor dem Aarhus Komitee wird aber endlich Klarheit bringen, denn die Fehler im Fracking-Ermöglichungsgesetz sind offensichtlich.

Hilde Lindner-Hausner, Mittwoch, 18.Januar, 11:51 Uhr

7. Möglicher Rückzieher wegen Völkerrechtsklage - Gutachten erstellt -

Wer schmückt sich noch gern mit einem Claim in Deutschland, wenn von hier aus mit einer Völkerrechtsklage (Gutachten ist erstellt - Klage kommt) zu rechnen ist?
Meine mich richtig zu erinnern, dass Herr Dr. Holzförster vom Geozentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) in Windischeschenbach bereits 2014 uns (Bündnis Abgefrackt) gegenüber bei einem Besuch dort auch äußerte, dass man von oben betrachtet immer nur vermuten könne und erst dann genau wisse, welche Bodenschätze vorhanden sind, wenn man nachgeschaut hat.
Wir von Abgefrackt sind froh, dass wir gleich nach Bekanntwerden (reiner Zufall) sofort aktiv wurden. Mit im Dunkeln munkeln war nix. Kritisch begleiten, Widerstand ankündigen - sehr wichtig. Das geltende Umweltrecht der UN Aarhus Konvention einzufordern - unabdingbar. Die Bewohner des Weidener Beckens können nun mal durchatmen - Es geht für mich hier aber um alle Lizenzen/Vorhaben.

Hilde Lindner-Hausner , Dienstag, 17.Januar, 18:55 Uhr

6. Weder hier noch anderswo - Fracking gehört wetlweit geächtet -gfrackt is gfrackt

Achtung, ab 11. Februar tritt das Gesetz in Kraft, das angeblich schärfste Gesetz das Fracking regelt.
Somit ist in Deutschland Fracking von unkonventionellen Vorkommen erlaubt - und zwar als Erprobungsbohrungen. - 4 im Ganzen. Wo werden diese durchgeführt werden - im Weidener Becken allem Anschein nach nun nicht. Mutter Erde unterscheidet nicht, ob sie zur Erprobung oder kommerziell gefrackt wird - Gfrackt is Gfrackt! Das soll jetzt nicht bedeuten, dass wir - ich denke, ich gebe hier die Meinung unserer Bündnismitglieder von Abgefrackt wider - die Hände in den Schoß legen und unsere bisherigen Bemühungen ein gesetzliches Frackingverbot zu erreichen nicht fortführen werden. Im Gegenteil. Fracking gehört geächtet und zwar weltweit. Und außerdem müssen die Fossilen im Boden bleiben, sonst wird das nichts mit dem Klimaschutz. Die Unterstützung einer Klage vor dem UN Aarhus Komitee wird einer der nächsten Schritte sein.

Benny, Dienstag, 17.Januar, 18:41 Uhr

5. Fracking

Ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal mit der Methode näher zu beschäftigen. Der gesunde Menschenverstand sagt: Alleine daran zu denken, auf diese Weise Öl zu gewinnen, ist Irrsinn. Die Politiker, die uns das "Bundes-Fracking-Gesetz" beschert haben, gehören als gemeingefährlich lebenslang in Sicherungsverwahrung. Frack yourself!!

Das Thema unterstreicht wieder einmal, wie wichtig eine Energiewende von fossilen Brenstoffen hin zu erneuerbaren Energien ist. Aber auch hier sind unsere Politiker keine Volksvertreter, sondern Stiefellecker der Wirtschafts-Lobbyisten.

Geologe, Dienstag, 17.Januar, 12:16 Uhr

4. Populismus pur

Nach dem Studium der Geologischen Karte von Bayern sollte jeder erkennen, daß es im Weidener Becken kein Öl geben kann. Aber statt einfach einmal abzuwarten, wird von vornherein -- auch speziell hier im BR -- das Thema aufgebauscht und den Leuten angst gemacht. Hinterher können die Interessensgruppen (alias Spendensammler) und die einschlägigen Politiker sich wieder einmal als Retter der lokalen Menschheit aufspielen.

@Ulmer: Ganz anders als in der Gegend von Weiden sieht es bei Memmingen aus. Hier wird schon lange Öl gefördert und die Förderung der Ölreserven durch Einpumpen von Lösungsmitteln verbessert, das nennt man dann denglisch »Fracking«. Die Ölgesellschaften machen das in Bayern und Niedersachsen ganz im Einklang mit den deutschen Gesetzen und niemand regt sich darüber auf. Arm ist diese Gegenden durch die Ölförderung jedenfalls nicht geworden. Und der Oberpfalz täte ein bißchen Industrie auch nicht schlecht, dann müßten nicht so viele Einheimische abwandern.

  • Antwort von Earth Spirit, Dienstag, 17.Januar, 12:36 Uhr

    Na, wenn Sie das Einpumpen von Lösungsmitteln für schlau halten, dann ist das ihr gutes recht, zeugt aber meiner Ansicht nach nicht zwingend von Umweltbewusstsein. Ist aber auch nicht verwunderlich, ist heutzutage doch Wirtschaftsdenken das Maß der Dinge, da stört die intakte Natur nur noch. Blöd nur, dass wir selbst Teil des Ökosystems sind und solange wir essen, atmen und uns fortpflanzen, werden wir auch krank, sobald die Umwelt geschädigt wird. Da können Sie die Ölgesellschaften noch so hoch loben - sie zerstören weiterhin unsere Lebensgrundlage und die unserer Kinder und der Tiere und der Pflanzen. Und da lässt sich eine Einstellung wie die Ihre aus meiner Sicht nicht im Geringsten nachvollziehen, bzw. rechtfertigen. Das, was uns massiv schadet, wird nur durch verblendete oder angsterfüllte Menschen befürwortet und gefördert. Denken Sie mal über ihre Ängst nach ;-)

  • Antwort von Geologe, Dienstag, 17.Januar, 13:04 Uhr

    @Erdgeist: Ich habe keine Angst, außer vor der überall grassierenden Dummheit.

    Nochmal: »Gefrackt« wird in Deutschland seit Jahrzehnten. Die Technik ist ausgereift und stabil, und es bestehen keine Sicherheitsrisiken.

    Was glauben Sie eigentlich, was aus dem Öl alles so hergestellt wird? Unter anderem auch die ganzen Medikamente, wegen der man heute eine doppelt so hohe Lebenserwartung hat wie noch vor 100 Jahren. So sauber wie heute war die Umwelt bei uns in den letzten 300 Jahren nicht, dank einer Weiterentwicklung der Industrie, fortschrittlicher Fördermethoden und der Verringerung des Verbrennens von Holz und Braunkohle. Allerdings wird die Luft heute wieder schlechter, weil sogenannte Umweltpolitiker, die keine Ahnung haben, von was sie faseln, sogenannte »nachwachsende Rohstoffe« propagieren. Deren Verbrennung führt zu Fett und Asche in der Luft und erzeugt den Feinstaub.

    »Umweltbewußtsein« an sich ist schön und gut, man sollte aber immer wissen, von was man redet.

  • Antwort von Earth Spirit, Dienstag, 17.Januar, 15:37 Uhr

    Es bestehen keine Sicherheitsrisiken ? Wenn Chemie in die Erde gepumpt wird ? Und dann reden Sie von Dummheit ? Selten so gelacht - ehrlich !

    So sauber wie in den letzen 300 Jahren war die Umwelt lange nicht mehr ? Wissen Sie was ? Mit ihnen schreibe ich gar nicht erst weiter, denn das hat ganz offensichtlich keinen Sinn.... unsere Erde ist so voll mit Dreck, Plastik und Stäuben wie noch nie und sie schreiben so einen Quatsch.... na, wahrscheinlich profitieren sie direkt von der Industrie kann ich mir vorstellen....

    Sie wissen sicherlich, wovon sie reden :-)