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Protest gegen Flüchtlingsunterkunft? Flugblätter rufen zum "Teeren und Federn" auf

Eine Flugblattaktion sorgt in Immenreuth (Lkr. Tirschenreuth) für Aufregung. Auf den Plakaten wird unter anderem gefordert, den ehemaligen Bürgermeister Peter Merkl (SPD) zu "Teeren und Federn". Vermutet wird ein Zusammenhang zu einer geplanten Unterkunft für Asylbewerber.

Stand: 26.01.2016

Ortsschild von Immenreuth | Bild: pa/dpa/Marcus Führer

Bisher gebe es noch keine Hinweise auf den Verfasser der im ganzen Ort verteilten Handzettel, so ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion in Kemnath. Zeugen hätten sich bisher nicht gemeldet.

Bürgermeister geht von Einzeltäter aus

Ausschnitte der Flugblätter

Auf den Plakaten, die mit "Wanted alive!" überschrieben sind, werden Ex- Bürgermeister Peter Merkl und der ehemalige Leiter des SOS-Kinderdorfes, Alfred Schuster, angegriffen und beleidigt. Beide sollen durch "Teeren und Federn" bestraft werden, steht auf dem Flugblatt. Bürgermeister Heinz Lorenz (CSU) sagte im BR-Interview, er gehe von einem Einzeltäter aus, der mit der Aktion womöglich gegen die Pläne für eine Asylunterkunft protestiert.

Widerstand gegen Asylunterkunft

Merkl und Schuster hatten als Geschäftsführer einer Familienferienstätte das Gebäude zum Verkauf angeboten und als Unterkunft für etwa 200 Asylsuchende ins Gespräch gebracht. Dagegen formierte sich Widerstand in der 1.800-Einwohner-Gemeinde. Allerdings sei dieses Thema derzeit vom Tisch, so Lorenz. Aktuell seien hier lediglich 25 unbegleitete junge Flüchtlinge untergebracht. Die Immobiliengesellschaft, die das Gebäude kaufen wollte, habe sich - auch wegen des Widerstands in der Gemeinde - zunächst zurückgezogen.

Auch andere Motive denkbar

Vielleicht hätten aber auch andere Gründe den Unbekannten veranlasst, die Schmähplakate zu schreiben, mutmaßt Bürgermeister Lorenz. Schuster und Merkl waren in den vergangenen Monaten immer wieder in den Schlagzeilen. Ex-Bürgermeister Merkl zum Beispiel deshalb, weil er von der Gemeinde Ausgleich für mehr als 450 Tage Resturlaub gefordert hatte. Und Schuster hatte jungen Flüchtlingen kostenlos einige Betten aus dem SOS-Kinderdorf geliehen. Mit den beleidigenden Plakaten sei eine Grenze überschritten worden, erklärt Gemeindechef Lorenz. Zum einen würden die Familien der beiden Betroffenen damit belastet. Zum anderen leide das Image der Gemeinde Immenreuth.


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