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Geplante Flüchtlingsunterkunft Aufgeheizte Stimmung in Alteglofsheim

Emotionaler Abend in Alteglofsheim (Lkr. Regensburg). Die evangelische Kirche will dort eine Unterkunft für 150 Flüchtlinge bauen. Für Kritiker ist das zu viel. Eine Bürgerversammlung soll informieren - doch die Stimmung ist aufgeheizt.

Stand: 29.01.2016

Zeitweise drängten am Donnerstagabend (28.01.16) bis zu 300 Zuhörer in den übervollen Wirtshaussaal und mussten die Debatte im Stehen verfolgen. In der aufgeheizten Stimmung fiel es Vertretern von Kirche, Bezirksregierung und Landratsamt schwer, um Verständnis zu werben für die neue Gemeinschaftsunterkunft und für die Schicksale der Flüchtlinge, die von der Erstaufnahmeeinrichtung hierher umziehen sollen.

CSU beruft sich auf Unterschriftenliste

Wolfgang Voigt, der örtliche CSU-Vorsitzende, hatte eine Unterschriftenliste gegen die Unterkunft dabei.

Die Alteglofsheimer interessierten an dem Abend vor allem Zahlen. 150 Flüchtlinge entsprächen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung Alteglofsheims, monierte etwa der örtliche CSU-Vorsitzende Wolfgang Voigt, seine Partei hält das für zu viel. Er hielt eine Unterschriftenliste hoch, die im Ort ausgelegt war und bereits 600 Namen trage.

Regierungspräsident bietet Entgegenkommen an

Man könne die Unterkunft für 150 Personen bauen, um zwei hauptamtliche Mitarbeiter zu bekommen, aber nur zu 80 Prozent auslasten, bot Regierungspräsident Axel Bartelt an. Das Angebot löste Raunen im Saal aus. Er hielt dagegen:

"Es kann keine Gemeinde geben, die sagt, das geht mich nichts an, bringt sie woanders unter. Wenn wir so vorgegangen wären, hätten wir in den letzten 12, 14 Monaten hier in der Oberpfalz, in Bayern und ganz Deutschland keinen einzigen Asylbewerber unterbringen können, weil überall Widerstände sind."

Axel Bartelt, Regierungspräsident der Oberpfalz

Für zehn Jahre will die Bezirksregierung die Unterkunft anmieten, Vertreter der evangelischen Kirche betonten mehrfach, man wolle damit keinen Profit erzielen.

Landrätin hält Unterkunft für unvermeidlich

Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (FW) hält Gemeinschaftsunterkünfte für unvermeidlich, im Landkreis gehe demnächst der Platz für dezentrale Unterbringung in Wohnungen aus.

"Bei dieser Zuweisungszahl geht uns halt einfach in einigen Wochen oder Monaten die Luft aus, vernünftigen Wohnraum und Unterkünfte zu finden."

Tanja Schweiger (FW), Landrätin für Regensburg

An dem Abend erhielten aber auch Fürsprecher der Gemeinschaftsunterkunft Applaus. Eine Frau etwa sagte, dass etwa 3.000 Alteglofsheimer nicht auf der Unterschriftenliste der CSU unterschrieben hätten. Daran schloss sich aber schnell der Einwand an, dass Alteglofsheim gar nicht so viele Wahlberechtigte habe.

Eklat im Saal

Für einen Eklat sorgte Regierungspräsident Bartelt, der den Bürgermeister der Nachbargemeinde Köfering nicht reden ließ, weil nur Alteglofsheimer zu Wort kommen sollten. Daraufhin verließen Gemeinderäte beider Orte unter Protest den Saal. "Ich bin schockiert", "Es gibt doch Meinungsfreiheit", "Eine Frechheit", schimpften sie auf dem Weg nach draußen. Immerhin seien Bahnhof und Supermärkte in Köfering, die Gemeinde betreffe die Unterkunft somit auch.


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