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Fachtagung in Regensburg Bedrohung Crystal Meth

Die Droge Crystal Meth ist billig, macht schnell abhängig und ist in Ostbayern ein Problem, weil große Mengen aus Tschechien kommen. Auch wenn die Polizei jüngst weniger Leute mit der Dorge erwischt hat, steigen die Konsumentenzahlen laut Beobachtern der Drogenszene an.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 24.02.2016

Crystal Meth | Bild: picture-alliance/dpa

Das Schwerpunktthema auf einer Fachtagung am Mittwoch (24.02.16) in Regensburg lautete "Crystal Meth und Familie". Es ging um aktuelle Forschung, Praxis und um Angebote für Angehörige von Drogenabhängigen. Eine Anlaufstelle ist in Regensburg die "Crystal-Drug-Stop-Hotline". Der Pädagoge Felix Domnick berät hier Suchtkranke und deren Familien. Bei einer großen Gruppe der Anrufer geht es um Crystal Meth, sagt Domnick. Die Droge ist seiner Meinung nach in Ostbayern weiter auf dem Vormarsch und nach wie vor leicht verfügbar.

"Wenn ich mich in der Szene befinde, also schon einmal gekifft habe und jemanden kenne, der mir Gras organisieren kann, dann bringt der mir wahrscheinlich früher oder später auch was anderes mit."

Pädagoge Felix Domnick

Augen auf bei Verhaltensänderungen

Der Pädagoge Felix Domnick von der "Crystal-Drug-Stop-Hotline".

Als besonders gefährdet gelten Jugendliche und junge Erwachsene. Für sie wird Crystal schnell zur Gefahr, weil der Stoff - egal ob geschnupft, geraucht oder gespritzt - sehr schnell abhängig macht. Bekannte oder Angehörige können Crystal-Konsum eigentlich recht schnell bemerken, sagt der Regensburger Psychiatrieprofessor Norbert Wodarz, der sich wissenschaftlich mit der Droge beschäftigt. Denn wer Crystal einnimmt, kann deutlich an Gewicht verlieren und vernachlässigt oft sein Äußeres.

"Leute, die Crystal genommen haben, sind bewegungsfreudiger, unruhiger, können kaum noch ruhig sitzen, reden lang und anhaltend. Außerdem kann ihre Stimmung schnell wechseln."

Norbert Wodarz, Regensburger Psychiatrieprofessor

Der Regensburger Psychiatrieprofessor ermutigt Menschen, Beratungsangebote wie die von Felix Domnick und dessen Kollegen zu nutzen. Ein Ratschlag einer außenstehenden Person könne helfen. Grundsätzlich rät er Eltern und Angehörigen von Konsumenten, diesen immer Hilfe und jegliche Unterstützung anzubieten. Aber nie Hilfe, die dem Konsum behilflich ist.

"Wenn der Abhängige auf einen zukommt und sagt: 'Ich hab Schulden beim Dealer, kannst du mir mal hundert Euro auslegen?' darf man darauf nie eingehen."

Norbert Wodarz, Regensburger Psychiatrieprofessor

Legale Pflanzenmischungen auf dem Vormarsch

Regensburger Forscher befürchten, dass Großproduzenten in den Crystal-Meth-Markt einsteigen und diesen wie in den USA mit noch besserem und billigerem Stoff fluten. Die Folge: Crystal wäre kein regionales Problem mehr, sondern könnte sich schnell bundesweit verbreiten.

Außerdem bekommt Crystal im Moment was Preis und Verfügbarkeit angeht verstärkt Konkurrenz. Im Internet gibt es diverse Pflanzenmischungen zu kaufen, bei denen laut Wodarz nicht klar ist, was genau drin ist. "Da ist man als Konsument immer Versuchskaninchen", sagt er. Gerade Eltern seien solche Stoffe oft unbekannt. "Sie sind aber legal erhältlich und fallen so nicht unter landläufig bekannte Drogen von Haschisch bis hin zu Heroin", erklärt Wodarz. Den Medizinern mache es zu schaffen, wenn Patienten sich mit so etwas vergiftet haben. Denn wenn sie nicht wissen, welche Stoffe enthalten sind, mache das eine Behandlung schwer.

Drogenhilfe Drug-Stop Regensburg

Unter der Telefonnummer 0941/569-582-901 können Drogenabhängige oder deren Angehörige anonym anrufen und sich informieren und beraten lassen. Auch online kann man Kontakt zu Drug-Stop herstellen.

  • BR-Studio Ostbayern: Kilian Neuwert | Bild: BR Kilian Neuwert

    Kilian Neuwert berichtet für den BR aus Niederbayern und der Oberpfalz.


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