6

Erste Verhandlung in Regensburg Schwandorfer ist Bayerns erster blinder Laienrichter

Am Freitag ist Florian Schürbesmann aus Schwandorf am Regensburger Sozialgericht vereidigt worden. Er ist der erste blinde ehrenamtliche Richter in Bayern. Und mit seinen 27 Jahren ist er auch noch der jüngste.

Von: Katharina Häringer

Stand: 13.10.2017

Seit seiner Kindheit will Florian Schürbesmann nur eins werden: Richter. Mit seiner Vereidigung als ehrenamtlicher Richter am Regensburger Sozialgericht kommt er seinem Berufstraum einen Schritt näher.

"Ich würde zum Beispiel nicht Staatsanwalt oder Rechtsanwalt werden wollen, sondern unbedingt Richter. Ganz einfach aus dem Grund, weil wenn ich nicht Richter wäre, dann würde ich ja nicht die erste Geige spielen im Gerichtssaal."

Florian Schürbesmann

Von Barbara Salesch fasziniert

Angesteckt haben ihn Gerichtsshows im Fernsehen wie Richterin Barbara Salesch. Mit etwa zehn Jahren fing er an, mit seiner Mutter in Verhandlungen zu gehen: zuerst am Amtsgericht Schwandorf, später auch am Landgericht in Regensburg. Heute lernt der 27-Jährige von zuhause aus auf das Abitur. Danach will er studieren - Jura natürlich. Schon jetzt bereitet er sich darauf vor, und das nicht nur als ehrenamtlicher Richter. Er klagt auch gerne selbst - zum Beispiel wenn es um die Aufnahme in der Familienversicherung geht.

Der Traum: Berufsrichter

Blinde Berufsrichter gibt es tatsächlich in Deutschland. Nur in einem Bereich werden sie ausgeschlossen: Sie können keine Vorsitzenden Richter in Strafgerichtsprozessen werden. Denn dafür müssten sie den Angeklagten in Augenschein nehmen können, urteilte das Bundesverfassungsgericht. In anderen Rechtsbereichen sind blinde Richter etabliert. Sie gelten als unvoreingenommen. Ihnen fallen Feinheiten im Tonfall auf, was für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit eine wichtige Rolle spielen kann.

Schürbesmann ist überzeugt, dass er als Blinder keinen Nachteil hat. Seine anderen Sinne seien geschärft, denn er kenne es nicht anders. Der 27-Jährige ist wegen eines seltenen Gendefekts schon seit seiner Geburt blind.

"Mein Hörvermögen ist nicht gut, es ist hervorragend, muss ich sagen. Und oft fällt bei Menschen dann schon auf, wie sie sich verhalten, in welcher Lage sie sich gerade befinden, das fällt einem Blinden durchaus besser auf als einem Vollsehenden."

Florian Schürbesmann


6

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Jannes, Sonntag, 15.Oktober, 08:39 Uhr

2. Etwas abgehoben, der Gute

(...) Ich hoffe, ihm ist klar, dass eine Behinderung und die derzeit überall einforderbare Inklusion automatisch eine Sonderstellung bedeuten. Ohne ginge es nämlich gar nicht, da würden bestimmte Tätigkeiten oder Orte für ihn einfach flach fallen, so wie es noch vor 30 Jahren für Leute seines Alters war.
Auch bei der Findung von Planstellen, wohnortnahen Arbeitsplätzen, Einstellungsnoten und Kündigungsschutz ist das eher hilfreich, und ich glaube, das weiß er auch. (...)
Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

Renate E., Freitag, 13.Oktober, 15:57 Uhr

1. Justitias wahrer Sohn.

Das ist ja wirklich mal ein Richter, der nicht nach Äußerlichkeiten urteilen wird!

  • Antwort von Nur keine Vorschusslorbeeren, Samstag, 14.Oktober, 12:01 Uhr

    Zumindest fehlt es ihm schon mal nicht an Selbstvertrauen.
    Er möchte Richter werden, um die erste Geige zu spielen, dafür lernt er mit 27 erst mal aufs Abi (mir sei die Frage erlaubt, was er denn bis jetzt im Moment macht, außer sich im Klagen zu üben), dann folgt noch ein Studium. Das kriegt man auch nicht in drei Jahren gebacken. Und dann muss er noch zu den allerbesten seines Staatsexamensjahrgangs gehören, dann kann er Richter werden.
    Also nur mal keine voreilige Begeisterung.

  • Antwort von Annika, Samstag, 14.Oktober, 13:12 Uhr

    Stimmt! Das Helfersyndrom oder den Idealismus "Ich will Anwalt werden, um mich für die Opfer oder die Entrechteten einzusetzen", kann man ihm schon mal nicht unterstellen.
    Aber vermutlich wird es unter seiner Rechtsprechung auch mal keine Opfer oder Entrechteten geben.
    Was er im Moment macht? Vermutlich nicht viel außer seiner Abivorbereitung, denn wer erwerbstätig ist, braucht sich nicht in die Familienversicherung zu klagen. Im Fall einer hier vorliegenden Behinderung kann man eh länger drin bleiben, wenn man sich nicht selbst unterhalten kann. Wenn man dafür klagen muss, liegt die Bedingung "Unterhalt" wohl nicht vor. Da ist es gut und sinnvoll, ein ordentlich bezahltes Richteramt mit mitte/ende 30 anzustreben.

  • Antwort von Oberpfälzer, Samstag, 14.Oktober, 14:23 Uhr

    Nun ja - was wird er machen...?
    Alles, was ihm keine "erste Geige" einbringt, scheint unter seiner Würde zu sein und ohne Abi, das er ja wohl nicht hat, sind Erste-Geige-Jobs noch viel dünner gesät als ohnehin schon, da handwerkliche Selbständigkeit für ihn ja leider auch in weiten Bereichen flach fällt.