16

Donaustaufs Traum vom Fußballglück Hauptsponsor mit zweifelhafter Historie

Der kleine Fußballverein SV Donaustauf hat große Pläne: Mit dem Ex-Fußballweltmeister Klaus Augenthaler als Trainer will man durch die Landesliga marschieren. Doch wer finanziert das Donaustaufer Fußballmärchen? Hinter dem Verein steht seit Kurzem unter anderem ein norddeutscher Stromanbieter mit zweifelhafter Historie. Das zeigen Recherchen des Bayerischen Rundfunks, die die Unternehmenszusammenhänge beleuchten.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 17.06.2016

Auftakttraining beim SV Donaustauf mit dem früheren Fußball-Weltmeister Klaus Augenthaler | Bild: pa/dpa

Der kleine Fußballverein SV Donaustauf (SVD) hat mit seinen großen Zielen zuletzt immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Anfang der Woche stand erstmals Klaus Augenthaler, der Fußballweltmeister von 1990, als Trainer auf dem Platz unweit der Walhalla. Auch eine neue Tribüne hat sich der Verein gegönnt. Fans sollen künftig beste Sicht auf "Auge" und sein Team haben. Bezahlt wird dieser Fußballtraum maßgeblich von den neuen Hauptsponsoren des SV Donaustauf. Darunter ist auch die Neckermann Strom GmbH, ein Ökostrom-Anbieter.

Doch so unscheinbar der Firmenname wirkt: Die Hintergründe der Neckermann Strom GmbH, mit ihrem Sitz im Hamburger Speckgürtel, und das Gebaren ihres langjährigen Mehrheitsgesellschafters werfen ein zweifelhaftes Licht auf die Historie des Unternehmens. Denn hinter Neckermann Strom stand bis vor Kurzem eine Firma, mit Hilfe derer laut MDR-Berichten und mehrerer Anwaltskanzleien bundesweit Anleger um ihr Erspartes gebracht worden sein sollen. Konkret geht es um die Neckermann Neue Energien AG (NEE).

Bundesweit fordern Anleger Geld zurück

Diese soll als Teil eines größeren Unternehmenskomplexes unter anderem so genannte Nachrangdarlehen vertrieben haben. Nachrangdarlehen werden bei einer Insolvenz als letztes bedient. Dieses hohe Risiko gehen Anleger häufig nur deshalb ein, weil ihnen relativ hohe Zinszahlungen in Aussicht gestellt werden.

Auch sollen die NEE und die mit ihr verknüpften Unternehmen Anlegern hohe Renditen für Investitionen in erneuerbare Energien - etwa in Solaranlagen - versprochen haben. Renditen, die dann aber nicht in der zugesicherten Form ausbezahlt wurden.

Zahlreiche Klagen

Aktuell klagen deshalb zahlreiche Anleger gegen die NNE und weitere Unternehmen aus dem Firmengeflecht. Angaben eines Anwalts zufolge, der fast 200 Geschädigte, haben einige Anleger ihre gesamten Ersparnisse in die lukrativ wirkenden Anlagen gesteckt.

Die Schäden setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen: Fällige Zahlungen, nicht fristgerecht geleistet werden, Zinszahlungen, die ausfallen, schließlich Zahlungen, die aufgrund bereits rechtskräftiger Urteile zu leisten sind, ausbleiben und folglich eingetrieben werden müssen.

Die Zusammenhänge mit dem Donaustaufer Sponsor

Geführt wird die NEE von einem gewissen Andreas B. B. steht heute nicht nur im Zentrum der Vorhaltungen - die durch Dokumente untermauert werden, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegen - B. ist auch Gründer des Donaustaufer Sponsors Neckermann Strom GmbH und hielt bis vor Kurzem dessen Mehrheitsanteile über die NEE. Mehrere telefonische und postalische Anfragen bei dem zwischenzeitlich nach Würzburg umgezogenen Unternehmen blieben bisher unbeantwortet.

Die Neckermann Strom GmbH

Im Dezember 2011 gründete B. in Regensburg die Grüne Wärme Oberpfalz Nord GmbH, aus der im April 2013 die Neckermann Strom GmbH werden sollte. Als neuer Geschäftsführer kam damals Florian Wessely an Bord, der sich zuletzt an der Seite Augenthalers zeigte. B. hingegen hielt über die Neckermann Neue Energien AG weiterhin die Mehrheitsanteile an der Neckermann Strom GmbH. Dies war auch noch der Fall, als Neckermann Strom Hauptsponsor des SV Donaustauf wurde. 

Missbrauch des Sponsors?

Werbung von Neckermann Strom

Anders verhält sich das bei der Neckermann Strom GmbH. Unmittelbar nach Eingang einer Liste mit Fragen zu Hintergründen des Sponsors lädt deren Anwalt Robert Hankowetz in sein Büro und distanziert sich im Namen der Neckermann Strom GmbH klar vom Geschäftsgebaren der NEE. Geschäftsführer Wessely sei einst als auf dem Strom-Markt erfahrener Projekt-Manager eingestiegen weil er "Veränderung" gewollte habe. Er stehe in keinerlei Zusammenhang mit den unlauteren Methoden des Unternehmensgründers B. Auch wurde die NEE im April als Mehrheitsgesellschafter der Neckermann Strom GmbH ausgebootet. Ein entsprechende notarielle Urkunde liegt dem BR vor.

"Herr Wessely wurde von Herrn B. und dessen Partner ganz klassisch als Projektmanager von einer anderen Gesellschaft abgeworben. Er wollte sich beruflich verändern und hat das Angebot angenommen, da ein neuer Stromversorger aufgebaut werden sollte. Er sollte gemeinsam mit den anderen damaligen Minderheitsgesellschaftern einsteigen, weil diese das entsprechende Know How hatten, um einen Stromversorger aufzubauen. Dieses Wissen fehlte der NEE. Zum damaligen Zeitpunkt gab es keinerlei Hinweise auf ein unlauteres Geschäftsgebaren der NEE."

Robert Hankowetz, Neckermann Strom-Rechtsanwalt

Die Äußerungen des Anwalts wirken zum derzeitigen Zeitpunkt glaubhaft, denn auch die Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde und Verbraucherzentralen sprechen auf Anfrage davon, dass es keine Auffälligkeiten gebe - das Unternehmen also wirklich jener Ökostromanbieter sei, als der man sich ausgebe. Auch hat sich die Neckermann Strom GmbH bereits im vergangenen Juli auf ihrer Homepage in aller Deutlichkeit von der Geschäftspraxis der NEE distanziert.

Der SV Donaustauf hat auf Anfrage erklärt, dass dem Verein die Historie des Hauptsponsors unbekannt sei. Man habe immer nur mit der aktuellen Unternehmensführung zu tun gehabt, sagte ein Sprecher dem Bayerischen Rundfunk.

Artikel aktualisiert am 12.12.2016

  • BR-Studio Ostbayern: Kilian Neuwert | Bild: BR Kilian Neuwert

    Kilian Neuwert berichtet für den BR aus Niederbayern und der Oberpfalz.


16

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Franz, Freitag, 17.Juni, 18:15 Uhr

3. Gier frisst Hirn

Warum wird hier nur von den Anlegern gesprochen, die angeblich um ihr Erspartes gebraucht wurden ? Man sollte auch über deren Gier sprechen, die zu einem Investment in eine wahrhaft windige Anlage geführt hat.

Kritiker, Freitag, 17.Juni, 14:25 Uhr

2. Hauptsache Geld

"Der SV Donaustauf hat auf Anfrage erklärt, dass dem Verein die Historie des Hauptsponsors unbekannt sei. Man habe immer nur mit der aktuellen Unternehmensführung zu tun gehabt, sagte ein Sprecher dem Bayerischen Rundfunk."

Dann hat man hier aber ganz schön blauäugig agiert, meinen herzlichen Glückwunsch.
Aber sobald einige die Eurozeichen in den Augen haben, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

derBÖSEwolf, Freitag, 17.Juni, 13:10 Uhr

1. Sponsor

egal woher die kohle kommt, hauptsache könig fussball kann aufleben