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Domspatzen-Skandal Bundesbeauftragter: Aufarbeitung braucht viel Zeit

Die Aufarbeitung der Missbrauchs- und Misshandlungsfälle bei den Regensburger Domspatzen wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Das ist die Einschätzung des Bundesbeauftragten für Fragen des Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig.

Stand: 29.01.2016

Schüler gehen an dem Gymnasium und Internat der Regensburger Domspatzen vorbei | Bild: pa/dpa

"Aufarbeitung ist ein langer Prozess", sagte Rörig der "Mittelbayerischen Zeitung". Der Missbrauchsbeauftragte begrüßt die Entscheidung des Bistums Regensburg, einen unabhängigen Ermittler einzusetzen. Die betroffenen Opfer hätten ihr Vertrauen in die Institutionen verloren.

Kuratorium tritt am Montag zusammen

Es sei deshalb nicht überraschend, dass sich viele Opfer erst jetzt gemeldet hätten. Am kommenden Montag (01.02.16) konstituiert sich in Regensburg unter Leitung des Domspatzen-Sonderermittlers Ulrich Weber ein Kuratorium, das die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals weiter vorantreiben soll. Bereits am Samstag laden die Domspatzen zum Tag der offenen Tür für Familien, die überlegen, ob sie ihren Sohn bei den Domspatzen einschulen.


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aucheinehemaliger, Samstag, 30.Januar, 22:22 Uhr

2. Der Bundesbeauftragte für Fragen des Kindesmissbrauchs

Aufarbeitung sagt er, nicht Aufklärung. Tja, das kann schon ein wenig länger dauern. Er rügt nicht, wie wenig bisher geschehen ist, er lobt das Bistum für seinen "unabhängigen" Ermittler. Und das vom obersten Kinderschützer. Hat das ganze womöglich Dutroux-Ausmaße? Staatliche Ermittlungen sind ja bisher nicht in Sicht. Politiker hört man auch nicht. Regional liest man nur noch Positives. Und vom sogenannten Kuratorium braucht man nun wirklich keine Aufklärung zu erwarten.

  • Antwort von Angelika Oetken, Sonntag, 31.Januar, 22:58 Uhr


    Ich bin auch der Meinung, dass umfassende Aufklärung die Grundlage für echte Aufarbeitung ist. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission ist mit erfahrenen ExpertInnen besetzt. Der UBSKM und zwei Mitglieder seines Betroffenenrates sind ständige Gäste. Ich nehme mal stark an, dass die UAK bei näherer Betrachtung dessen, was das Bistum Regensburg produziert, auf entscheidende Mängel hinweisen wird. Es gibt bislang zwar keinen Goldstandard für institutionelle Untersuchungen, aber genug Beispiele, wie es eigentlich laufen müsste. Dazu gehört die vom irischen Staat eingesetzte Ryan-Kommission. So etwas, nur bezogen auf die Katholische Kirche brauchen wir in Deutschland auch.
    Es kann aber auch sein, dass die Aufklärung von unerwarteter Stelle befördert wird. Und zwar weil die Domspatzen zwangsläufig in wirtschaftliche Nöte geraten werden. Sollten nicht "Wunderwerke" geschehen.... und ich weiß nicht, ob das Kuratorium die wirklich initiieren will. Der Klüngel ist jedenfalls angeknackst.

Angelika Oetken, Freitag, 29.Januar, 11:13 Uhr

1. Fehlende Standards


Der Verlauf der Aufklärung der Missbrauchskriminalität, der in den Einrichtungen der Regensburger Domspatzen eine bislang ungeklärte Zahl von Schülern zum Opfer fielen, ist geradezu ein Paradefall. An dem sich gut ablesen lässt, wie Aufklärung, als DER Voraussetzung für Aufarbeitung und Prävention aussehen sollte. Was bisher fehlt: der offizielle Auftrag, den das Bistum an Rechtsanwalt Weber gestellt hat (im Originalwortlaut), Webers Erklärung im Hinblick auf etwaige Interessenkonflikte, die Sicherstellung des Datenschutzes (inkl. der Veröffentlichung der dafür genutzten Dokumente, bzw. Vereinbarungen), ein externes Monitoring durch eine souveräne, d.h. vom Bistum unabhängige Instanz.
Unnötig ist das einberufene Kuratorium, da es zur Hälfte aus Angehörigen des Bistums Regensburg besteht. Und die müssen sich nicht selbst beraten. Sondern sollten sich dringend Rat von außen holen.