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Missbrauch bei den Domspatzen "Kardinal Müller soll sich entschuldigen"

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert eine Entschuldigung des früheren Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller: "Müller soll den Opfern gegenüber sein Bedauern zum Ausdruck bringen." Der Abschlussbericht des vom Bistum eingesetzten Sonderermittlers lastet Müller Schwächen bei der Aufarbeitung an.

Stand: 19.07.2017

Kardinal Gerhard Ludwig Müller am 2. Juli 2017 in Mainz | Bild: dpa-Bildfunk

Kardinal Müller solle sich nicht weiter abwehrend rechtfertigen, so Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, zum BR. Der Kardinal müsse von der Ansicht abrücken, es habe sich damals um Einzelfälle gehandelt und erkennen, dass es hier um institutionelle Verantwortung gehe.

"Ich erwarte von Kardinal Müller, dass er sich jetzt, nachdem klar ist, dass ihm auch organisatorisches Versagen vorzuwerfen ist in seiner Rolle als Bischof von Regensburg, dass er sich bei den Betroffenen entschuldigt, dass er sein Bedauern zum Ausdruck bringt und dass er sich nicht weiter abwehrend rechtfertigt."

Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung

Noch vor einem halben Jahr habe sich Müller in einem langen Schreiben an ihn gerechtfertigt, berichtet der Missbrauchsbeauftragte. Rörig hatte damals empfohlen, "dass der Vatikan nach Regensburg schaut, um zu sehen, wie ein positiver Weg der Aufarbeitung eingeschlagen werden kann". Das habe Müller als ehrabschneidend empfunden. Erst Müllers Nachfolger, Bischof Rudolf Voderholzer, hatte den Anwalt Ulrich Weber als unabhängigen Sonderermittler eingesetzt. Das Büro von Müller hüllt sich in Schweigen. Auch auf BR-Anfrage ist aus Rom nichts zu hören.

Domkapellmeister Büchner räumt Versäumnisse ein

Der derzeitige Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen, Roland Büchner, hat nach der Vorlage des Abschlussberichts zum Missbrauchsskandal eigene Versäumnisse eingeräumt. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Zeit" sagte der 63-Jährige, dass er es bereue, nicht offensiv auf die Opfer zugegangen zu sein und nicht noch stärker auf Aufklärung gedrängt zu haben. Zugleich stellte er klar, dass nie einer seiner Schüler sich ihm wegen erlittener Misshandlungen anvertraut habe - dafür seien aber viele Ehemalige gekommen. Büchner fordert, dass nun nach der Aufklärung eine richtige Aufarbeitung folgen muss.

Aufklärungsarbeit geht weiter

Nachdem gestern der Abschlussbericht zum Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen vorgestellt wurde, geht nun die Aufarbeitung weiter, Entschädigungen sollen schnell ausbezahlt werden. Die ersten rund 300 Betroffenen haben bereits Anerkennungszahlungen für ihr erlittenes Leid erhalten. Bisher sind damit bereits rund 450.000 Euro ausbezahlt worden. Insgesamt wird das Bistum Regensburg den Betroffenen bis zu drei Millionen Euro auszahlen.

Über die Zahlungen entscheidet ein Aufarbeitungsgremium, dem neben dem Sonderermittler des Bistums, Ulrich Weber, auch zwei Wissenschaftler angehören. Betroffene können Beträge zwischen 5.000 und 20.000 Euro erhalten. In den nächsten Monaten sollen die meisten Anträge bearbeitet werden, sagt Knud Hein, Sozialpädagoge und Mitglied des Gremiums.

"Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende des Jahres den Großteil der bisher eingegangen Anträge auch abgearbeitet haben."

Knud Hein

Studienergebnisse in den kommenden Monaten erwartet

Für viele Betroffene hat neben Zahlungen aber auch die weitere wissenschaftliche Aufarbeitung Priorität. Die Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen und historischen Studien werden in den kommenden Monaten erwartet. Sie sollen die Hintergründe des Missbrauchssystems in den Einrichtungen der Domspatzen weiter untersuchen. Auch Betroffene können sich weiter an die Gremien wenden.

Die vier Säulen der Anerkennung

Aufklärungsbericht veröffentlicht

Gestern hatte Opfer-Anwalt Ulrich Weber seinen Abschlussbericht zu den Missbrauchsvorfällen bei den Regensburger Domspatzen vorgelegt. Sein Bericht verzeichnet 547 Missbrauchsfälle, die Rechtsanwalt Ulrich Weber und seine Mitarbeiter als hoch plausibel einstufen. Darunter sind 67 Opfer sexueller Gewalt. Manche Opfer mussten bei den Regensburger Domspatzen sexuelle und körperliche Gewalt zugleich erdulden, vor allem in der Vorschule in Etterzhausen und Pielenhofen. Ihre Zeit in dieser Einrichtung beschrieben die Opfer laut Anwalt Weber als "Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager". Der frühere Chorleiter Georg Ratzinger soll von den Fällen sexuellen Missbrauchs nichts gewusst haben. Gegen die körperliche Gewalt sei er nicht eingeschritten.


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Süddeutscher und gleich weg, Donnerstag, 20.Juli, 11:29 Uhr

53. Das Kreuz um den Hals, den Teufel im Leib

Dieses Vergewaltungszentrum gehört geschlossen, für immer! Rund 550 Vorfälle, ein Irrsinn von Aufarbeiten zu reden und hier noch Steuermittel einfliessen und Parteien mit voranstehenden C diese Anstalt fördern.

Angelika Oetken, Mittwoch, 19.Juli, 21:50 Uhr

52. Reicht ein "Tschuldigung"?


Sühneprozesse sind sinnvoll und haben eine lange Tradition in der Kultur der Menschheit. Sie folgen deshalb einem streng festgelegten Muster. Damit den Opfern Genugtuung widerfährt und die Täter bzw. Verantwortlichen dauerhaft entschuldet werden können. An erster Stelle steht ein aufrichtiges und möglichst vollständiges Schuldeingeständnis und eine entsprechende Übernahme von Verantwortung. Dann wird die Schwere der Schuld und das Ausmaß des Schadens bestimmt. Danach folgen Verhandlungen über die passende Genugtuung. Und sobald die vereinbart und geleistet wurde, können die Opfer den Tätern oder den Verantwortlichen verzeihen.

Für gewöhnlich begleitet ein unabhängiges Gremium von anerkannten Personen diesen Prozess.

An welcher Stelle auf diesem Weg steht Kardinal Gerhard Ludwig Müllers Kirche?

Angelika Oetken , Mittwoch, 19.Juli, 20:41 Uhr

51. Systematische institutionalisierte Kriminalität, wie sie im vorliegenden...

...Bericht beschrieben wird, bedarf einer behördlichen Untersuchung. Unabhängig von der straf- und zivilrechtlichen Verjährung. Das gilt auch für andere Organisationen, an denen über Jahrzehnte genauso gewohnheitsmäßig Kinder und Jugendliche missbraucht , misshandelt und ausgebeutet wurden wie es an den Einrichtungen der Domspatzen geschehen ist. Beispiele: Aloisiuskolleg, Kloster Ettal, Odenwaldschule, Johanneum Homburg, Josephinum Redemptoristen, Jugendwerkhof Torgau, Kinderkrankenhaus Marsberg, Kinderheime der Mallersdorfer Schwestern, Aulhausen...

Nicht zuletzt deshalb, weil der Staat, in Vertretung seiner Bürger all diese Einrichtungen subventioniert hat. Damit sie Kinder und Jugendlichen ein Zuhause und eine Ausbildung schenken. Nicht, damit das Geld veruntreut wird und die Heranwachsenden schlecht behandelt.

JOSI, Mittwoch, 19.Juli, 19:02 Uhr

50. Müller

Pfarrer Gerhard Ludwig Müller sagt heute, die Kirche wird viel schlimmer bei Missbrauchten beurteilt.
Was bildet der sich noch ein? Wenn die Pfarrer den Menschen vom Himmel, Hölle, Fegefeuer und Teufel predigen und wir wegen Sünden verdammt werden. Was haben dann die Kinderschänder zu befürchten wenn
sie solche Schandtaten begehen. Die Kinderschänder sind, egal ob Pfarrer oder anderer Herkunft der Abschaum der Menschheit. Wenn ein Pfarrer zum ersten mal für Kinds Missbrauch verurteilt wird bekommet in der Regel eine Bewährungsstrafe. Die Kirche versetzt so einen in ein anderes Bistum und er kann weiterhin unbehelligt dort ohne obere Aufsicht tun und lassen was er will. Ich kann das behaupten, weil ich im Strafvollzug tätig war.
Erinnern möchte ich an den Fall in Gotteszell, wo ein Strafversetzter Pf. innerhalb kurzer Zeit einer Fam. 285000
DM zum Hausbau gab und er dafür den damals 12 jährigen Sohn zum Missbrauch bekam. (ca. 1978er Jahr)

Non absolvo, Mittwoch, 19.Juli, 18:44 Uhr

49. Peccatur intra muros et extra muros

Leute, die derart von sich eingenommen sind wie Mueller odet Ratzinger, denken doch nicht im Traum daran, eine Verfehlung einzuräumen und um Vergebung zu bitten.
In ihrer eingebildeten Gottgleichheit fehlt denen doch jegliche Einsichtsfaehigkeit .
Das sind aber die gleichen Leute, die im Beichtstuhl andere zu gottgefaelligem Lebenswandel ermahnen.