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Missbrauch bei Domspatzen Regensburger Bischof lobt Arbeit des Sonderermittlers

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat dem Sonderermittler im Missbrauchs- und Misshandlungsskandal bei den Domspatzen gedankt. Er sei froh, "dass etliche Opfer Vertrauen in ihn gefasst und sich gemeldet haben". Zugleich appelliert er an Opfer, sich weiter zu melden.

Stand: 25.01.2016

Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer (Archivbild) | Bild: picture-alliance/dpa/Erwin Elsner

Das sagte Voderholzer am Sonntagnachmittag (24.01.16) bei einem Gottesdienst anlässlich des dritten Jahrestags seiner Bischofsweihe im Regensburger Dom. Das Bistum habe Rechtsanwalt Ulrich Weber bestellt, damit es eine unparteiische Anlaufstelle für die Opfer gebe.

Amt bringt "Last und Schrecken" mit sich

Dazu zähle besonders das "schwere Erbe" körperlicher und sexueller Gewalt bei den Domspatzen. Diese sei zum Großteil von Priestern und anderen Mitarbeitern schon vor mehreren Jahrzehnten verschuldet worden, "aber die Wunden sind tief eingegraben und brechen noch immer auf". Inzwischen habe sich gezeigt, dass diese Übergriffe "doch zahlreicher und vor allem auch schwerer waren als bisher angenommen".

Der Bischof bedauerte, dass die immer wieder unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur "zu wenig wirksam" gewesen seien. Zugleich bekräftigte er erneut, dass ihm jeder einzelne Fall "in der Seele weh" tue. Er könne die Qualen nicht ungeschehen machen "und die Betroffenen nur um Vergebung bitten". Dies wolle er weiterhin auch in persönlichen Gesprächen tun, sofern dies die Opfer wünschten.

Betroffene sollen in Kuratorium vertreten sein

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Das Gymnasium der Domspatzen | Bild: pa/dpa zum Artikel Missbrauch bei den Domspatzen Immer mehr Opfer melden sich

Am 8. Januar hat der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber seinen Zwischenbericht über Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vorgelegt - mit dem Ergebnis, dass sich seitdem 60 weitere Opfer bei ihm gemeldet haben. Ein ehemaliger Domspatz sagt außerdem, dass viele prügelnde Lehrer NS-belastet waren. [mehr]

Voderholzer wies relativierende Interpretationen der Übergriffe zurück. "Die Zeitbedingtheit der Pädagogik, die hin und wieder verteidigend ins Feld geführt wird, rechtfertigt in keiner Weise die Exzesse körperlicher Züchtigung, wie wir sie beklagen müssen, und erst recht nicht die Fälle sexueller Gewalt, die zutage getreten sind." In dieser "menschlich so herausfordernden und sensiblen Problematik" sollten alle Versuche einer Rechtfertigung wie auch der Instrumentalisierung unterbleiben.

Im nächsten Schritt werde sich ein Kuratorium konstituieren, in dem auch die Betroffenen vertreten seien, kündigte der Bischof an. Dort werde der weitere Weg einer "konsequenten Aufklärung" breit diskutiert. Oberstes Ziel sei, den Opfern Anerkennung, Genugtuung und so "vielleicht auch ein wenig Heilung ihrer schweren Wunden zu verschaffen". In diesem Sinne seien auch Geldzahlungen zu verstehen, "die niemals eine Entschädigung sein können, sondern allenfalls ein Zeichen unserer Zerknirschung und der Ehrlichkeit unserer Bemühungen".

Domspatzen-Verantwortliche bestürzt

Abschließend versuchte Voderholzer etwaige Bedenken auf Seiten von Eltern zu zerstreuen, die nun zögerten, ihre Söhne in die Schulen der Domspatzen zu schicken. Die heutigen Verantwortlichen seien bestürzt über die Vorgänge und täten alles für eine bestmögliche Ausbildung der Schüler. "Die Domspatzen stehen heute für eine Pädagogik der Freiheit, der Persönlichkeitsbildung und der fördernden Ermutigung." So müsse die gegenwärtige und künftige Generation nicht unter dem leiden, "was den früheren angetan worden ist".

Missbrauch in der katholischen Kirche


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Angelika Oetken , Sonntag, 31.Januar, 09:49 Uhr

16. Fehlende Standards


Formal gibt es bisher noch keinen Standard für die Aufklärung und Aufarbeitung institutioneller Missbrauchskriminalität. In weitgehend gelungenen Projekten stellten die Auftraggeber (Institution) und -nehmer (Untersucher) folgendes öffentlich:

- den offiziellen Auftrag im Originalwortlaut)
- eine Erklärung der mit der Untersuchung Beauftragten im Hinblick auf etwaige Interessenkonflikte
- eine Datenschutzerklärung, inkl. der Veröffentlichung der dafür genutzten Dokumente, bzw. Vereinbarungen

Als hilfreich hat sich auch ein externes Monitoring durch eine souveräne, d.h. von der beauftragenden Institution UND den UntersucherInnen unabhängige Instanz erwiesen.

Ehemaliger, Donnerstag, 28.Januar, 18:50 Uhr

15. Persönlichkeitsrechte und Datenschutz

@Angelika Oetken
Da müssen sich dann auch alle Opfer von Gewalt und oder Missbrauch auch heute Fragen Fragen, wo dann eben in Regensburg auch die Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz bleibt! Ich habe dazu auch schon einiges gehört. Auch sollen gewisse Verfahrensweisen auch so sein, dass eben alle Anträge, von Missbrauch und oder Gewalt, alle zuerst über Generalvikar Fuchs seinem Büro gehen , (Thema Kirchenrecht) bevor sie dann an die Rechtsanwälte weter gehen. WO BLEIBT DENN DA BITTESCHOEN DER DATENSCHUTZ.

  • Antwort von aucheinehemaliger, Donnerstag, 28.Januar, 22:58 Uhr

    Persönlichkeitsrechte? Datenschutz? Wofür? Gott ist doch sowieso allwissend. So neumodisches Zeugs ist was für Atheisten. Die Kirche hat einfach das Recht alles über ihre Schafe zu wissen und dieses Wissen an diejenigen weiterzugeben, die sie für würdig hält. Du schreibst jetzt hundert mal.....

  • Antwort von Angelika Oetken , Sonntag, 31.Januar, 23:03 Uhr


    Klärung ist in Arbeit... so lange: bitte den Verantwortlichen in Bezug auf Datenschutz und Aufklärungswillen keinerlei unangemessenen Vertrauensvorschuss gewähren. Ich an deren Stelle würde vermutlich auch so handeln. Für das Bistum und sein Umfeld ist die Aufklärung der Missbrauchsfälle ein sehr großes Risiko.

Angelika Oetken, Mittwoch, 27.Januar, 21:39 Uhr

14. Personalmangel?


Auf der Pressekonferenz am 8.1. wurde angekündigt, dass das Bistum ein Beraterkuratorium einberufen will. Es soll nächste Woche seine Arbeit aufnehmen. Dieser Gruppe werden sechs Opfervertreter, zwei Mediatoren, Mitglieder des Stiftungsvorstandes, Generalvikar Michael Fuchs und Bischof Rudolf Voderholzer angehören. Vielleicht habe ich da was Wesentliches nicht verstanden, aber so wie es aussieht, setzt sich der Beraterstab zur Hälfte aus den Personen zusammen, die eigentlich beraten werden sollen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass sich irgendwer um den Job reißt. Aber hätte man nicht doch ein paar Leute gefunden, die unabhängig genug sind, um wirklich Rat geben können? Muss das Bistum so eine Art "freiwillige Selbstkontrolle" betreiben? Steht es so schlimm, dass man niemanden in seine Karten gucken lassen darf?

  • Antwort von MA, Freitag, 29.Januar, 13:33 Uhr

    Man kann nur hoffen, daß das Kuratorium nicht vom Bistum sondern von RA Weber einberufen wird und Opfer wie auch Bistum dort keinesfalls "das Sagen" haben. Sonst wäre schnell Schluss mit unabhängigen Ermittlungen. So hatte ich die Ankündigung auch verstanden.
    Da wird also ein Bischof einmal Laien zuhören und auf sie eingehen müssen, vielleicht ja zum ersten Mal in seiner Amtszeit: sonst ist das sinnlos.
    Üblich ist das in der katholischen Kirche keinesfalls: Die Herren mit den Kalkleisten bleiben gern unter sich und wollen ganz besonders von Laien nicht belehrt werden. Das ist meine 61 jährige Lebenserfahrung.

Angelika Oetken , Mittwoch, 27.Januar, 19:50 Uhr

13. Unheilige Traditionen



Ich bin der Ansicht, dass Homosexualität wie Heterosexualität auch, eine sexuelle Orientierung darstellt, die im jeweiligen Menschen angelegt wurde. Und weder erlerntes (Fehl-)Verhalten darstellt, noch Ausdruck einer Erkrankung ist. Aber ich vertrete in der Hinsicht keine traditionelle Überzeugung und lebe im 21.Jahrhundert in einer für ihre Weltoffenheit und Toleranz berühmten Stadt. Wäre ich dagegen als Junge kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges geboren, in einer streng katholischen Umgebung aufgewachsen und hätte sexuelles Interesse für mein eigenes Geschlecht entwickelt, wären meine Eltern und ich womöglich Anfang der 50er Jahre mit einem großen Problem konfrontiert gewesen: "Oh du lieber Gott, der Junge ist schwul". Was nun? Ein Weg, Probleme zu vermeiden und dem Kind eine gute Position zu gewähren, hätte sein können, ihn bei den Regensburger Domspatzen unterzubringen.

  • Antwort von Angelika Oetken , Mittwoch, 27.Januar, 20:26 Uhr


    Vorlieben und Verhaltensweisen, die als "weiblich" gelten könnten, dazu gehören Interesse für Musik, Dekoration, emotionale Geschichtchen, wie sie die katholische Tradition viele kennt, das Achten auf den eigenen Körper usw. würden bei den "Domspatzen" nicht weiter negativ auffallen. Allerdings hätte mir dort große Gefahr gedroht, wie auch an vielen anderen damals von Priestern geführten Einrichtungen für Jungen. Es gibt leider die Vorstellung, dass schwule Jungen selbst schuld sind, wenn sie von älteren Homosexuellen missbraucht werden. Nicht nur dass, viele Menschen sind der Ansicht, die sexuellen Aktivitäten der Erwachsenen müssten den gleichgeschlechtlich empfindenden Knaben Freude machen. Das ist natürlich eine gefährliche Fehlannahme. Ein Mädchen gewinnt auch keine Freude daran missbraucht zu werden, nur weil der Täter ein Mann ist.

  • Antwort von Angelika Oetken , Mittwoch, 27.Januar, 20:32 Uhr


    Der Junge, weil er Angst hat, dass sein schwul-sein auffliegt, das Mädchen, weil es befürchten muss, als "Flittchen" zu gelten. In traditionell-reaktionären Milieus haben Jungen hetero zu sein und für Mädchen ist es verboten, Interesse an Sexualität zu haben. Männer "nehmen" und "besitzen" Frauen, Frauen "geben sich hin" bzw. "werden genommen". Die einen praktizieren Sex, die anderen halten ihn aus. Im Porno- und im Prostitutionsmilieu finden wir solche Vorstellungen genauso wie in Liebesromanen, Serien und in der Gossensprache. Über "Schwule" werden allenfalls Witze gemacht, genauso wie man über missbrauchte Jungen lacht und missbrauchte Mädchen verachtet. Wir mögen der Meinung sein, solche menschenverachtenden Vorstellungen überwunden zu haben, aber lang gepflegten Ansichten hängen wir oft länger nach, als uns gewahr ist.

  • Antwort von aucheinehemaliger, Mittwoch, 27.Januar, 21:27 Uhr

    Man ist tatsächlich von Geburt an homo, hetero oder bi. Bei 8-10jährigen Kindern kann man allerdings noch nicht sagen, was sie sind.
    Ich wurde Domspatz, weil ich die Aufnahmekriterien erfüllte: eine gute und entwicklungsfähige Stimme und die passenden Noten für ein Gymnasium. Und die Domspatzen hatten einen guten Ruf, da wäre es doch unverantwortlich gewesen, mein Talent nicht zu fördern. So einfach war das.

  • Antwort von Angelika Oetken , Donnerstag, 28.Januar, 09:39 Uhr

    @aucheinehemaliger,

    ich behaupte nicht, dass die Regensburger Domspatzen in erster Linie Jungen aufnehmen, bei denen deren Eltern unsicher in Bezug auf deren heterosexuelle Identität sind. Sondern wollte nur die Frage aufwerfen, ob die Einrichtung für dieses Klientel vielleicht besonders attraktiv war bzw. das immer noch ist. Falls ich richtig liege, wäre das nämlich eine Erklärung mit für das Vertuschungs- und Verteilsystem, was den Missbrauch an den Domspatzeneinrichtungen kennzeichnet.

  • Antwort von aucheinehemaliger, Donnerstag, 28.Januar, 22:40 Uhr

    Die Domspatzen waren für normale Homosexuelle eher nicht interessant, für Kinderschänder und Sadisten um so mehr.
    Offen schwul war keiner, man hätte ihn ob dieser "Sündhaftigkeit" rausgeschmissen. Offen gewalttätig oder "psychoterroristisch" war aber kein Problem. Nur nach außen, da musste der Laden was hermachen. Und das tat er auch. Deshalb sahen es viele Eltern als das Beste an, was sie ihrem begabten Buben ermöglichen konnten. Und so schickten sie ihn guten Gewissens direkt in die Hölle.

Ehemaliger, Mittwoch, 27.Januar, 12:39 Uhr

12. Vater klagt: Die Domspatzen sin heute wieder Opfer

www.wochenblatt.de
Also, wenn sich jetzt nur noch die heutigen Domspatzeneltern sich über diverse Zeitungen zum Thema äußern, dann finde ich das wirklich nicht gut! Damals als der Bischof Müller noch in REG regierte, war anscheinend schon die Presse daran Schuld
weil sie von diesen Domspatzenthemen berichteten. Wenn heute diese Vielzahl von Verantwortlichen dieser Institution Domspatzen es nicht.auf die Reihe bringen diese derartige Vergangenheit richtig.aufzuarbeiten, dann stimmt etwas nicht. Seit Jahren gab es diese Aufarbeitung immer stückchenweise vom Bistum REG. Auch sind die heutigen Mittarbeiter der.Reichsstrasse gefordert. Wenn die heutigen dortigen Domspatzen sich heute als Opfer fühlen, und nicht weiter.wissen, dann sind doch wir ehemalige Domspatzen, oder auch die Presse nicht daran Schuld.Das alles muss das Bistum von Regensburg und der heutige Domkapellmeister ausführlich regeln und klären!

  • Antwort von aucheinehemaliger, Mittwoch, 27.Januar, 18:34 Uhr

    Also wenn ich es mir aussuchen könnte, dann wäre ich lieber heute "Opfer" des Medienrummels, als damals der Psychopathen in Chor, Schule und Internat.

  • Antwort von Angelika Oetken, Mittwoch, 27.Januar, 19:34 Uhr


    "Umkehr von Ursache und Wirkung", "Victim-blaming" und "Emotionale Erpressung"... durchschaubare Strategien, wie sie an anderen institutionellen Tatorten auch schon genutzt wurden. Auf der Homepage des Opfervereins "Glasbrechen e.V." in dem sich Betroffene der Odenwaldschule zusammen gefunden haben, ist das dokumentiert.

  • Antwort von MA, Samstag, 30.Januar, 03:38 Uhr

    Der Domspatzenchor steht nicht ausserhalb der Kirche, sondern ist ein Teil davon.
    Die Herrschaften, die das Thema Jahrelang verniedlicht haben, die Journalisten verteufelten und den bedauernswerten Opfern Serienbriefe mit "nicht nachvollziehbar" geschickt haben: Die sind verantwortlich und nicht die, die sich um Aufklärung bemüht haben.
    Deren Pflicht wäre es gewesen, die Dinge zeitnah aufzuklären und sicherzustellen, daß so etwas nicht wieder vorkommt. Dann wäre alles längst vom Tisch.
    Wie sich aber gezeigt hat (und da sind ja nicht nur die Domspatzen betroffen) wollte man das Thema wohl nicht diskutieren.
    Das ist der Führungskader der Kirche und wie das Interview mit Herrn Wachter gezeigt hat, denkt die Kirche eben immer noch so.
    Da muss angesetzt werden, sonst wird es weitergehen.
    Sicher ist es schade, daß heute "Domspatzen" nicht mehr unbedingt ein Gütesiegel ist. Aber die Ursachen dafür liegen nicht bei den Journalisten.
    "Sünden an den Sängerknaben": Einfach mal anscheuen-