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Oberpfälzer Schatzjäger Ist das Bernsteinzimmer in Tschechien versteckt?

Verschlüsselte Botschaften, geheimnisvolle Katakomben und die Hoffnung auf einen millionenschweren Schatz: Was nach Abenteuerfilm klingt, ist für zwei Oberpfälzer Realität: Sie sind sich sicher, das legendäre Bernsteinzimmer lokalisiert zu haben.

Von: Martin Gruber

Stand: 11.02.2016

Die beiden Oberpfälzer Erich Stenz und Georg Mederer sind felsenfest überzeugt: Das Bernsteinzimmer ist nicht, wie viele Experten glauben, zerstört worden. Es existiert angeblich im Schloss Friedland in Böhmen. Dort, da sind sie sich zu 100 Prozent sicher, ist der Schatz in den Kellerräumen eingemauert.

Das Bernsteinzimmer

Das Bernsteinzimmer hatten die Preußen 1716 dem russischen Zaren Peter dem Großen geschenkt. Fast zwei Jahrhunderte lang befand es sich im Katharinenpalast in Zarskoje Selo (heute Puschkin) bei Sankt Petersburg. Das Bernsteinzimmer wurde im Herbst 1941 von der Wehrmacht demontiert und ins Deutsche Reich nach Königsberg gebracht. Dort wurde es 1944 wegen erwarteter Kampfhandlungen verpackt und in den Gewölben des Schlosses eingelagert. Das Königsberger Schloss wurde bei britischen Luftangriffen und der Eroberung durch die Rote Armee zerstört. Seitdem gilt das Bernsteinzimmer als verschollen.

Die Suche nach einem der wohl wertvollsten Schätze der Welt beginnt für Erich Stenz, der beim Bundesnachrichtendienst (BND) gearbeitet hat, vor einigen Jahren. Er erfährt von einer Frau, die Köchin auf dem Schloss war und beobachtet haben will, wie Militärkolonnen Kisten mit Schmuck, Gold und Gemälden herangeschafft, ausgeladen und in den Schlosskeller gebracht haben. Stenz selbst hat mit der Zeugin, die mittlerweile verstorben ist, gesprochen.

"Die Aussage dieser Zeitzeugin ist für meine Begriffe absolut glaubwürdig."

Erich Stenz vermutet das Bernsteinzimmer in Böhmen

Recherche inkognito vor Ort

Stenz und Mederer fahren nach Schloss Friedland. Dort geben sie sich als Touristen aus, setzen sich bei einer Führung ab und finden in den Katakomben eine merkwürdig aussehende Wand. Ihnen sei sofort aufgefallen, dass die Wand nachträglich eingemauert wurde.

Dann bekommt Stenz Kenntnis von einem Funkspruch, den ein Neffe des Schlossherren damals abgesetzt haben soll - mit brisantem Inhalt.

"Dass die Operation Sonnenuntergang mit dem Bernsteinzimmer in Richtung Friedland geht."

Erich Stenz

Auf dem Notenblatt soll eine verschlüsselte Botschaft sein.

Hitlers Privatsekretär Martin Bormann soll der Auftraggeber dieses Funkspruchs gewesen sein. Er, so die Theorie der beiden Oberpfälzer, habe den Abtransport des Bernsteinzimmers nach Böhmen befohlen. Stenz sortiert Unterlagen, die er über die Jahre angesammelt hat. Darunter ist auch ein Notenblatt - angeblich von Bormann geschrieben. Es sei eine verschlüsselte Botschaft mit Hinweisen darauf, wo genau das Bernsteinzimmer versteckt ist.

"Es sind hier verschiedene Stufen, die ganz klar Hinweis geben, hier muss gegraben werden, hier ist Vorsicht geboten, hier könnte sogar Sprengstoff installiert sein."

Erich Stenz

Behörden verbieten weitere Nachforschungen

Die beiden Oberpfälzer werden im Schloss vorstellig. Sie dürfen zwar erste Untersuchungen und Messarbeiten durchführen, stoßen aber bei ihren Recherchen auf erbitterte Widerstände - bei der Schlossherrin und bei der tschechischen Denkmalbehörde (NPU). Die beiden Schatzsucher wollten die konkreten Pläne des Schlosses einsehen. Der NPU-Direktor erteilte ihnen aber eine Anfuhr. Weitere Untersuchungen werden nicht mehr erlaubt. Behörden und Regierung in Tschechien haben Angst vor einem Skandal, da ist sich Stenz sicher.

So soll das Bernsteinzimmer aussehen. 2003 wurde es im Katharinenpalast im russischen Petersburg originalgetreu nachgebildet.

Stenz und Mederer sind felsenfest überzeugt, dass das Bernsteinzimmer - das nach Experten mindestens eine halbe Milliarde Euro wert sein soll - irgendwann aus den Kellern von Schloss Friedland geborgen wird. Warum die beiden so dahinter sind? Es würde zwar einen Finderlohn geben, aber es ist auch der Reiz des Geheimnisvollen, der ihn bei der Suche nach dem Bernsteinzimmer antreibt, sagt Stenz.

"Hier kommt der persönliche Ehrgeiz zum tragen. Eine Sache aufzuklären, die weltweit sicherlich für Aufregung sorgen wird."

Erich Stenz

Spurensuche: Wo befindet sich der legendäre Schatz?


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Skandal?, Donnerstag, 11.Februar, 12:33 Uhr

2.

Angst vor einem Skandal? What? Are you kidding?

Becherovka, Donnerstag, 11.Februar, 10:16 Uhr

1. Die Schatzinsel

Ach ja, gab es nicht auch mal einen "Panzer"zug mit Gold und Edelsteinen in schlesischen Tunneln?
Was ist daraus geworden?