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"Pupils´ Dance Project" Regensburger Schüler tanzen zu Beethoven

Dass sich zur 9. Sinfonie ganz wunderbar tanzen lässt, beweisen gerade Jugendliche im Landkreis Regensburg. 150 Kinder aus sieben Mittelschulen nehmen teil am "Pupils' Dance Project" und tanzen zu Beethovens 9. Sinfonie. Die Proben laufen seit einem halben Jahr.

Von: Katharina Häringer

Stand: 05.04.2017

Schülerinnen bei den Proben zum "Pupils´ Dance Project" | Bild: BR/Katharina Häringer

Tanzpädagogin Heidi Huber macht eine Bewegung vor und 16 Mädchen machen sie nach. Die Schülerinnen bilden mit ihren Fingern eine Brille, halten sie vor die Augen und bewegen dann den Kopf ruckelig hin und her - abgehakt, wie kleine Roboter. Die 16 Mädchen der Konrad Mittelschule machen mit beim Regensburger "Pupils´ Dance Project". Seit Monaten studieren sie eine Choreografie zu Beethovens 9. Sinfonie ein. Das Ziel: gemeinsam mit über 100 anderen Mittelschülern, professionellen Musikern und Sängern auf der Bühne zu stehen. Anmelden konnte sich für das Mittelschulprojekt jedes Kind, das Lust hatte. So wie die zwölf Jahre alte Aleyna.

"Ich mag es zu tanzen, und dann hab ich mich angemeldet, geguckt und dachte so: Beethoven ist zwar nicht so unser Musikstil, aber dann hab ich trotzdem mitgemacht und jetzt gefällt mir die Musik. Man ist frei sozusagen, die Harmonie. Man spürt es."

Aleyna

Die Schülerinnen bei den Proben.

Die Idee zu diesem Projekt hatte Horst Frohn, Dirigent der Regensburger Chorphilharmonie. Inspiriert hat ihn der Film "Rythm is it". Die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle arbeiten darin mit Schülern zusammen, die überwiegend aus Berliner Problemschulen kommen. Sie tanzen zu Strawinskys "Le sacre du printemps".

"Das fand ich faszinierend, wie Schüler mit so einer Musik umgehen, die sie normalerweise nicht so in ihrem privaten Bereich hören."

Horst Frohn, Dirigent der Regensburger Chorphilharmonie

Musik voller Spannungen und Gegensätze

Beethovens 9. Sinfonie ist eine Steilvorlage für so ein Projekt, findet Choreografin Heidi Huber. Die Musik ist ausdrucksstark, voller Spannungen und Gegensätze. "Beethovens Musik ist so einfach, wenn man eine Bewegung drauf macht", sagt Huber.

An der Konrad Mittelschule haben sich die Mädchen im Alter von zehn bis 13 Jahren freiwillig verpflichtet, einmal in der Woche und in der heißen Endproben-Phase auch am Wochenende zu trainieren. Die größte Herausforderung ist die Disziplin, gibt auch die 13-jährige Jessi zu. "Manchmal hören wir nicht zu", sagt sie.

Wie kriegt man die Kinder konzentriert? Und wie motiviert man sie zum Weitermachen, obwohl sie keine Lust mehr haben? Das ist laut Heidi Huber die große pädagogische Herausforderung an dem Projekt.

"Am Anfang hab ich immer mindestens eine halbe Stunde Warm-Up gemacht, eher mit Hip-Hop-Elementen, einfach, weil das die Musik der Jugendlichen ist und auch das, was sie lernen wollen. Damit ich diese Disziplin reingekriegt hab. Wir haben auch Bauchmuskeln gemacht. Einfach, damit man sich durch was durchbeißt."

Tanzpädagogin Heidi Huber

Kinder nehmen die Sache ernst

Auch wenn die Mädchen während der Probe immer wieder ratschen und herumblödeln, die Kinder nehmen ihre Aufgabe extrem ernst und reagieren einfühlsam auf die Musik. "Ich freu mich auf den Auftritt. Das ist was Großes für mich, ich war noch nie auf einer Bühne", sagt eine Teilnehmerin.

"Mir gefällt, dass wir beim Tanzen schöne Sachen machen, Beethoven ist auch nicht mein Lieblingslied. Aber man muss das halt aushalten."

Dina (13 Jahre)

Die Aufführungen finden am 5. und 6. April statt, zusammen mit dem Chor der Chorphilharmonie Regensburg, professionellen Solisten und dem Deutschen Radio Kammerorchester im Regensburger Velodrom.


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