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Bezirksklinikum Parsberg Flüchtige Forensik-Patienten gefasst

Die aus dem Bezirkskrankenhaus Parsberg (Lkr. Neumarkt) geflohenen Patienten sind gefasst. Das hat das Polizeipräsidium der Oberpfalz mitgeteilt. Die beiden Männer wurden im schwäbischen Gersthofen entdeckt.

Stand: 28.01.2016

Fachklinikum für junge Drogenabhängige und Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Parsberg | Bild: pa/dpa/Armin Weigel

Am Mittwochmittag (27.01.16) wurde das Duo in Gersthofen (Lkr. Augsburg) festgenommen. Die Männer leisteten dabei keinen Widerstand. Die beiden Männer befinden sich nun in Polizeigewahrsam.

Laut Marco Müller, Sprecher im Polizeipräsidium Regensburg, führten die bayernweit ausgelöste Fahndung und wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung zur Festnahme. Die Spur habe nach Gersthofen geführt, weil hier "alte Bekannte" von einem der beiden Festgenommen wohnten. Jetzt beginnen die Ermittlungsarbeiten. Bereits gestern hatte ein Richter Haftbefehl gegen die beiden wegen schweren Raubes, Freizeitsentziehung und Nötigung erlassen. Ein Ermittlungsrichter müsse jetzt entscheiden, ob dieser Haftbefehl weiter besteht.

Unterdessen wurde der Fluchtwagen, der eigentlich einer Klinikangestellten gehört, nach Auskunft des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Ingolstadt gefunden.

Auf Facebook zur Flucht geäußert

Einer der Männer hatte sich zuvor auf der Facebookseite der Nürnberger Zeitung zur Flucht geäußert. Dort schrieb er, dass die beiden "null gefährlich" seien. Außerdem seien die Umstände der Flucht in den Medien dramatisiert worden. Die Pflegerin habe selber vorgeschlagen, "mit uns runterzugehen und aufzumachen."

"Wir tun niemanden weh"

Sie seien aus Verzweiflung geflohen, weil sie mit der Therapie in Parsberg nicht einverstanden seien. Das Klinikpersonal habe ihre Hauptprobleme als nicht wichtig empfunden, schreibt der Mann. Am Ende des Facebook-Eintrags schrieb er: "Wir tun auf alle Fälle niemanden weh (...) Ich weiß, dass ich das Herz am richtigen Fleck habe. Und das wissen auch alle, die mir nahe stehen."

Flucht in der Nacht

Es ist kurz nach 3 Uhr in der Nacht auf Dienstag (26.01.16), als die beiden Männer und ein weiterer Patient zwei Angestellte des Krankenhauses fesseln und sie im Toilettenbereich einsperren. Danach, so die Polizei, klauen sie Geld und den Autoschlüssel einer Angestellten und wollen aus dem Klinikum flüchten.
Doch der Versuch bleibt an einer Sperreinrichtungen hängen. Daraufhin zwingen die Männer eine Angestellte, ihnen die Flucht zu ermöglichen. An der Pforte, so die Polizei, habe die Angestellte den Pförtner angewiesen, die Patienten passieren zu lassen.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Männer noch zu dritt unterwegs. Zwei der Männer flüchten mit dem Auto einer Angestellten. Der dritte Mittäter bleibt nach Angaben der Beamten freiwillig im Bezirksklinikum zurück. Er gab später an, von den beiden Geflüchteten zum Mitmachen gezwungen worden zu sein.

Polizei: "Betäubungsmittelhintergrund"

Die Flüchtigen waren wegen Eigentumsdelikten in der Forensik untergebracht. Laut einem Polizeisprecher haben beide Patienten einen "Betäubungsmittelhintergrund". Waffen seien bei dem spektakulären Ausbruch nicht im Spiel gewesen. Die Art des Ausbruchs und das Vorgehen gegen die Angestellten zeige aber, dass die Männer eine gewisse Gefährlichkeit an den Tag legen können, so der Polizeisprecher.

Eine Sprecherin der Forensik in Parsberg bestätigte am Mittwoch dem BR, dass die beiden Angestellten nicht verletzt worden seien. Die Klinik habe ihnen therapeutische Hilfe angeboten. Wie nach solchen Fällen üblich, werde ein externer Gutachter jetzt die Sicherheit der Klinik überprüfen. Genaueres gab die Sprecherin dazu nicht bekannt.


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