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Archäologische Funde in Amberg zerstört Nun ermittelt die Kriminalpolizei

An der Amberger Spitalkirche wurde eine wichtige archäologische Ausgrabung teilweise zerstört. Unbekannte haben ein Pestgrab geschändet, der Schaden ist laut Experten nicht zu beziffern. Nun ermittelt die Kripo.

Von: Carol Lupu, Sebastian Grosser

Stand: 18.05.2017

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums der Oberpfalz bestätigte dem BR, dass die Kripo Amberg die Ermittlungen aufgenommen hat. Es gehe um einen besonders schweren Fall des Diebstahls, Hausfriedensbruch sowie um Störung der Totenruhe. Wobei letzterer Tatbestand rechtlich bei einem so alten Grab offenbar nicht ganz unumstritten ist, da unter anderem kein Pietätsgefühl von Angehörigen verletzt wird. Hinweise auf die Täter liegen bislang nicht vor. Allerdings könnte laut Polizei ein Zusammenhang mit einem Einbruch in die nahegelegene Wirtschaftsschule im selben Tatzeitraum bestehen.

Pestgrab geschändet

Dem Bayerischen Rundfunk sagte der leitende Archäologe Mathias Hensch, dass ein Grab aus der Zeit der Großen Pest, Mitte des 14. Jahrhunderts, geschändet wurde. In dem Grab lagen insgesamt neun Skelette mit außergewöhnlich gut erhaltenen Schädeln und Knochen, darunter waren auch Kinderskelette.

"Ein Kinderschädel ist weg und auch Knochenteile sowie Gefäße, die auch außerordentlich wichtig sind."

Mathias Hensch, Archäologe

Weitere Gefäße sind zertreten worden. Vermutlich hatten die Tätern sie in der Dunkelheit übersehen und zertrampelt.

Monatelange Ausgrabung

Seit drei Monaten haben die Archäologen mit Kleinstwerkzeugen, wie Kellen, Pinsel und Skalpellen die Skelette freigelegt.

"Diese Arbeit ist nun umsonst gewesen und kostet den Aufraggeber, die Stadt Amberg, noch einmal einen ganzen Batzen Geld."

Mathias Hensch, Archäologe

Die Funde in dem Pestgrab gehörten der Allgemeinheit und keiner Privatperson, so Hensch. Es sollten in einigen Tagen internationale Archäologen Amberg besuchen, um diesen Fund zu begutachten.

Fundstätte abgesperrt

Die archäologische Fundstätte liegt innerhalb einer Baustelle, die rund 3.000 Quadratmeter groß ist. Auf diese Baustelle könne man nur schwer gelangen, weil dort auch tiefe Löcher vorhanden seien, und dementsprechend mit Bauzäunen gesichert sei. Die archäologische Stelle sei mit zwei zusätzlichen Bauzäunen abgesichert gewesen, so das jedem klar sei, dass er hier etwas Verbotenes macht, wenn er diesen Bereich betritt, sagte Hensch.


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