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Jugendlicher in Schwandorf abgeschoben Vorwürfe gegen Behörden werden laut

Die Abschiebung eines albanischen Jugendlichen aus einer Schwandorfer Einrichtung ruft Unterstützerkreise auf den Plan. Der Bayerische Flüchtlingsrat wirft den Behörden vor, den 16-Jährigen widerrechtlich abgeschoben zu haben.

Von: Kilian Neuwert, Sebastian Grosser

Stand: 30.11.2016

Protestschild gegen Abschiebung (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa

Am vergangenen Mittwoch, um 6 Uhr rückte die Polizei Schwandorf an, weckte den Jungen und brachte ihn zum Flughafen. Der 16-Jährige sei mittellos am Flughafen von Tirana gestrandet, ohne dort von Angehörigen in Empfang genommen worden zu sein, heißt es in einer Mitteilung des Bayerischen Flüchtlingsrates.

Als Nacht-und-Nebelaktion beschreibt Otto Storbeck, Leiter des Haus des Guten Hirten, das Vorgehen. Dass er in Tirana seinem Schicksal überlassen wurde, schockiert Storbeck am meisten.

"Dass man jemanden, der schutzbefohlen ist, einfach abholen kann, das stört mich ganz massiv. Wir haben ja eine Verpflichtung gegenüber dem jungen Mann, die wir eingegangen sind. Ich sehe hier das Kindeswohl gefährdet. Und ich stelle mir jetzt die Frage, ob wir die Herausgabe nicht hätten verweigern können."

Otto Storbeck, Leiter Haus des Guten Hirten

Behörde habe korrekt gehandelt

Ein Sprecher der Regierung der Oberpfalz bestritt diese Schilderung des Vorgangs auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Die Behörde habe korrekt gehandelt, nachdem sie mit dem Vollzug der Abschiebung beauftragt worden sei, so der Sprecher. Der Jugendliche hätte es zuvor abgelehnt, freiwillig auszureisen. In einer umfassenden Stellungnahme schreibt die Regierung, sie habe sich vor der Abschiebung in der vergangenen Woche vergewissert, dass der 16-Jährige nach seiner Rückkehr nach Albanien in die Obhut seines Vaters übergeben wird. Die deutsche Botschaft in Tirana habe zudem im Nachgang mitgeteilt, dass der Jugendliche bereits am Rückkehrtag zu Hause bei seinem Vater geschlafen habe.

Vater erschoss Mutter

In Albanien, wo der Jugendliche bis zu seinem 14. Lebensjahr aufwuchs, musste er mit ansehen, wie sein Vater die Mutter erschoss. Daraufhin erschoss der Bruder der Mutter den Onkel des Vaters. Der Jugendliche wurde so nicht nur Halbwaise, sondern war mitten in einer Familienfehde gelandet. Daher floh er nach Deutschland.

BAMF: Asylantrag unbegründet

Doch die Gefahr der "Blutrache" sah das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht als Bleibegrund an. Der Asylantrag des Jugendlichen war Anfang Juli vom BAMF abgelehnt worden. Ein hiergegen beim Verwaltungsgericht Regensburg eingereichter Eilantrag wurde Ende Juli ebenfalls abgelehnt. Nun darf der 16-Jährige nach der Abschiebung für mindestens zwei Jahre nicht in Deutschland einreisen.

  • Sebastian Grosser | Bild: Sebastian Grosser Sebastian Grosser

    Trimedialer Korrespondent im Regionalstudio Ostbayern in Regensburg

  • BR-Studio Ostbayern: Kilian Neuwert | Bild: BR Kilian Neuwert

    Kilian Neuwert berichtet für den BR aus Niederbayern und der Oberpfalz.


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Kommentare

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Helmut, Donnerstag, 01.Dezember, 16:24 Uhr

13. Abschieben = Aussetzen ?

Wer ein Haustier irgendwo assetzt wir zu recht wegen Tierquälerei belangt . Wer einen Menschen abschieben lässt und sich nicht weiter um ihn schert, wird als vorbildlicher Beamter gelobt ? Welchen Zynismus leisten wir uns ? Eben wurde der Buchhalter von Auschwitz als Mittäter verurteilt. Der hat eigentlich auch nur seine 'Pflicht' erfüllt.

  • Antwort von Renate E., Donnerstag, 01.Dezember, 16:29 Uhr

    Wie kann man ein Haustier mit einem Asylanten vergleichen? Was für abstruse Auffassungen manche Leute haben...

Anna, Donnerstag, 01.Dezember, 15:53 Uhr

12. Abschiebung

Jetzt soll es noch eine Petition geben. Warum gibt es keine Volksabstimmung, die frägt, ob der Bürger die ganzen Flüchtlinge will? Soll es so wie beim Rauchverbot sein. Wenn genug dagegen sind kommt ein Gesetz gegen Wohlstandsflüchtlinge und ende, oder geht die Macht nicht mehr vom Bürger aus? Hat der Bürger nur in eine Richtung ein Mitbestimmungsrecht?

Notengeber, Donnerstag, 01.Dezember, 07:35 Uhr

11. Abschiebung

Dieser Sachbearbeiter bekommt von mir die Note 1*

Angelika, Mittwoch, 30.November, 22:15 Uhr

10. Die Lösung aller Probleme in der großen Welt kann nicht

immer nur die Flucht nach Deutschland sein. Hast keine Arbeit, geh nach Deutschland. Verdienst Du zu wenig, geh nach Deutschland. Willst Du desertieren, geh nach Deutschlamd. Verfolgt Die die Polizei, geh nach Deutschlamd. Hast Du keine Wohnung, geh nach Deutschland. Ist es bei Dir zu Hause zu heiß und zu trocken, geh nach Deutschland. Hast Du wenig zu Essen, geh nach Feutschlamd. Hast Du kein sauberes Frinkwasser, geh nach Deutschland. Hast Du keine Rente, geh nach Deutschland. .......................

  • Antwort von Hugo Trotz, Donnerstag, 01.Dezember, 16:31 Uhr

    Alle Sätze treffen des "Pudels Kern". Aber trotzdem ist der letzte Satz der, der einen deutschen Rentner nochmals ordentlich schlucken lässt...

Jan, Mittwoch, 30.November, 20:16 Uhr

9. Ja richtig um jeden Flüchtling kämpfen.

Ja um jeden Sozialfall kämpfen, damit die Sozialämter nicht im Geldüberfluß ertrinken.

  • Antwort von Renate E., Donnerstag, 01.Dezember, 16:33 Uhr

    Genau. Denn es wäre doch schlimm, wenn diese Gelder letztendlich noch für die genommen würden, die sie erarbeitet haben.