12

DEZ in Regensburg Bayerns erste "Mall" wird 50 Jahre alt

Einkaufszentren wirken in der Regel neu und modern. Doch das Donau-Einkaufszentrum (DEZ) in Regensburg gab es schon in der Schwarz-Weiß-Zeit: Das DEZ ist am Donnerstag 50 Jahre alt geworden, es war eines der ersten Einkaufszentren in Deutschland.

Von: Katharina Häringer

Stand: 14.09.2017

Die Regensburger geraten ins Schwelgen, wenn sie an die Entstehungszeit des Donau-Einkaufszentrums denken. Ihr DEZ, das war damals eine Revolution: das erste Shopping-Center in Bayern. Nach Regensburg brachte es Johann Vielberth. Ein damals junger Unternehmer, der in den USA studiert hatte und mit Visionen in seine Heimatstadt zurückkam.

"Ich habe keine Sekunde gezweifelt oder gezögert. Es war klar, dass die Leute in den 60er-Jahren bereit waren, Geld auszugeben. Und dass es dafür Verkaufsflächen braucht", erzählt er. Eineinhalb Jahre hat er, der studierte Volks- und Literaturwissenschaftler, damit verbracht, Bücher zu wälzen, Kaufverhalten zu studieren, Marktanalysen durchzuführen, mit Ingenieuren zu sprechen. Er reiste wieder in die USA, besichtigte Malls und ließ sich Tipps von dem US-Architekt Victor Gruen geben, der gerade in Philadelphia ein Shopping-Center plante. Vielberth kam zurück mit größeren Plänen als er selbst gedacht hätte und fand in Regensburg Architekten, die bereit waren, diese Pläne umzusetzen.

Das große Überzeugen geht los

37 Grundstückeigentümer, darunter viele Radi-Bauern, musste Vielberth überzeugen, um an den Grund nördlich der Donau zu kommen.

"Wir haben in Weichs Grundstücke aufgekauft und haben den Leuten ein Haus drauf gebaut und gesagt: Tauschst du dieses Haus mit Grundstück gegen dein Grundstück, auf dem wir das Einkaufszentrum bauen wollen. Andere haben wieder gesagt: Wir geben unser Grundstück nicht her. Wir haben auch Erbbaurechte abgeschlossen. Und eine ganze Reihe Weichser sind auf diese Weise mit dem Einkaufszentrum verbunden."

Johann Vielberth

Verkaufsflächen inseriert

Auch danach muss Vielberth wieder Überzeugungsarbeit leisten. Die Verkaufsflächen brauchen Pächter. Johanna Kruschwitz erinnert sich:

"Er war ja damals auch erst 35 Jahre. Aber er hat meine Eltern so überzeugt. Mein Vater kannte damals Einkaufszentren schon aus Amerika, er war dort in Gefangenschaft. Und hat das für gut befunden und hat gesagt: Naja, mehr als schief gehen kann's ja nicht."

Johanna Kruschwitz

Johanna Kruschwitz ist damals neun Jahre alt. Sie sieht das übersichtliche Sortiment ihrer Eltern noch vor sich: Eier, Suppenhühner, Masthähnchen, Wildbret, Wurst und Brot.

Feinkost Kruschwitz: Diesen Lebensmittelladen gibt es im DEZ seit der ersten Stunde.

"Brot und Wurst zusammen gab's damals noch überhaupt nicht. Produkte vom Bauern, der direkt verkauft hat in einem Geschäft, gab's auch noch nicht. Also das war in jeder Hinsicht Neuland", erzählt Kruschwitz. Aus dem Pavillon ihrer Eltern wurde in 50 Jahren ein fest installierter Stand. Die Grund-Produkte gibt es immer noch. Das Sortiment wurde aber erweitert - vor allem um Spezialitäten aus der Region.

Künstler und Vereine stellen regelmäßig aus

Neben dem Kruschwitz-Stand reihen sich Geschäfte, Gastronomie und Arztpraxen. In den Gängen sind immer wieder Ausstellungen aufgebaut. Mit knapp 80.000 Quadratmetern Fläche und täglich bis zu 40.000 Besuchern gehört das DEZ zu den größten Einkaufszentren in Deutschland. Heute ist es dreimal so groß wie 1967. Das Erfolgsrezept? Der heute 85 Jahre alte Johann Vielberth glaubt es zu kennen.

"Wir haben das Einkaufszentrum ja nicht als eine Verkaufsmaschine geplant, sondern wir wollten es zu einem Zentrum machen, in dem man sich trifft. Kaufmännisch hätte es wahrscheinlich auch so funktioniert, aber die Bedeutung des Einkaufszentrums als gesellschaftliche Einrichtung in Regensburg, mit der man sich identifizieren kann, das hat wesentlich dazu beigetragen. Und zu mir haben oft schon Leute gesagt: Wissens was, ich hab eingekauft und dann hab ich mir ein paar Bilder angeschaut und das hat mich wieder beruhigt und dann ist die ganze Hetze weg."

Johann Vielberth

Wie geht's weiter?

Das DEZ - eine Erfolgsgeschichte. Doch wie wird sie weitergehen? Vor 50 Jahren kamen die Leute aus dem Bayerischen Wald und aus der nördlichen Oberpfalz ins DEZ. Heute bringt der Online-Händler das Paket auch dort bis an die Tür. Die Zeit der Erweiterung ist erstmal vorbei, sagt Geschäftsführer Thomas Zink.

"Es wird in der heutigen Zeit auch nicht einfacher, Flächen zu füllen. Wir sind noch in der glücklichen Lage, dass wir sehr gut vermietet sind. Der stationäre Handel wächst nicht in den Himmel, es gibt Verlagerungen in den Online-Bereich, wir können unsere Umsätze noch halten im Haus, das sehen wir auch als Erfolg."

Geschäftsführer Thomas Zink

Veranstaltungen zum Jubiläum

Mit dem Tortenanstich der Staatsministerin Emilia Müller am Donnerstag beginnen die offiziellen Feierlichkeiten. Die ersten Tage der Eröffnungswoche bieten dann Attraktionen wie Hochseilacts und Hochmast-Motorradshows sowie Auftritte von Nena (15. September), Bonnie Tyler (25. September) oder der Spider Murphy Gang (28. September). Die zweite Woche soll vor allem Kinder durch verschiedene Sport und Erlebnisveranstaltungen ansprechen. Kochshows und Workshops gibt es in der anschließende "Genusswoche". Die erste Oktoberwoche bildet den Abschluss des Programms, bei der Läden des Einkaufszentrums aktuelle Trends präsentieren.


12

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Josef, Donnerstag, 14.September, 13:00 Uhr

3. Es gibt nichts besseres

wie das DEZ, einmalig und gemütlich immer ein Tagesbessuch wert. Regensburg hat Herrn Vielberth viel zu verdanken. Auf die nächsten 50 Jahre.

möchtegernkundin, Donnerstag, 14.September, 11:33 Uhr

2. "Vor 50 Jahren kamen die Leute aus dem Bayerischen Wald..."

... sind wir auch letzten Samstag noch. Leider hatten wir unseren Hund dabei und mussten sehr überrascht feststellen, dass Hunde im kompletten Center keinen Zutritt haben. Dann sind wir ziemlich entäuscht die 100 km eben wieder heimgefahren - ohne einzukaufen, da wir den Hund nicht über Stunden im Auto lassen.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 14.September, 14:47 Uhr

    Aber über Stunden im Auto spazierenfahren........ Find ich übrigens super daß es tatsächlich noch Bereiche gibt die Hundefrei sind!

  • Antwort von möchtegernkundin, Donnerstag, 14.September, 18:56 Uhr

    ... zu Fuß sind mir 200 km zu viel für einen Tag ;-)

  • Antwort von Wolf, Samstag, 16.September, 17:21 Uhr

    Den HUND meinte ich.....mein Gott....habt ihr daheim keine Läden?

  • Antwort von Regensburger, Sonntag, 17.September, 14:02 Uhr

    Da gibt man ihn zuhause bei Bekannten oder Freunden mal ab.

STOLZ, Donnerstag, 14.September, 11:27 Uhr

1. Jubiläum

Ich wohne seit 45 Jahren in Weichs und war leitender Mitarbeiter der Fa. Quelle. Ich habe somit die Entwicklung des DEZ in den Jahren bis heute miterlebt. Es hat mir Freude gemacht in so einem Centrum zu arbeiten und Mitglied des Gesamten zu sein. Das Centrum wurde nicht nur zu einem Einkaufsmagnet, sondern der Höhepunkt
war das Quelle- Festzelt, das tausende Menschen nach Regensburg lockte. Es war ein einmaliges Erlebnis, und ich bin froh ein Mitglied dieses Unternehmens gewesen
zu sein. Da ich von Ihnen eine Einladung erhalten habe, freue ich mich auf dieses Fest um alte Erinnerungen auffrischen zu können.
Es war die beste Idee von Herrn Vielberth so etwas ins Leben zu rufen. Ich wünsche diesem Centrum weiterhin noch viel Erfolg.