Oberpfalz

Der Fall Bruckmandl Was passiert mit dem Wahrzeichen?

War es ein tragisches Unglück? Oder mutwillige Zerstörung? Seit dem 27. Dezember fehlt dem Regensburger Bruckmandl auf der Steinernen Brücke der rechte Arm. Eine Spurensuche mit Humor.

Stand: 29.01.2013

Die Möwen und die Regensburger haben etwas gemeinsam: Beide vermissen den Arm des Bruckmandls. Den Vögeln fehlt der Arm als Sitzgelegenheit, den Regensburgern fehlt mit der zerstörten Figur ein liebgewonnenes Wahrzeichen ihrer Stadt.

Was mit dem Arm passiert ist, weiß niemand. Taucher hatten vergeblich in der Donau danach gesucht. Zeugen gibt es offenbar auch keine, obwohl täglich tausende Menschen am Bruckmandl vorbeilaufen.

Auch erstes Mandl verschwunden

Die Figur auf der Brücke ist das dritte Mandl der Stadtgeschichte. Vom ersten Bruckmandl fehlt jede Spur. Das zweite steht im historischen Museum in Regensburg.

Wie ist jetzt dem dritten, beschädigten Mandl zu helfen? Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks bieten das Staatliche Bauamt und die Dombauhütte an, dem Bruckmandl einen neuen Arm zu gestalten. Kulturreferent Unger plant anders.

"Der Teil der Steinernen Brücke, auf dem das Bruckmandl steht, wird ab 2015 bearbeitet. Im Rahmen der Baustelle wird auch eine Lösung für das Bruckmandl angegangen. Es gibt keinen Grund, da jetzt schon eine Entscheidung zu fällen."

Kulturreferent Klemens Unger

Frühestens 2015 also soll der Invalide durch eine neue Figur auf der Steinernen Brücke ersetzt werden.

Recherche gleicht Agentenfilm

BR-Reporter Matthias Kernstock hat sich auf die Suche nach dem Bruckmandl-Arm gemacht. Im Nachhinein hat er ein Protokoll über seine Recherche geschrieben. In seiner - im Rückblick etwas verblassten und beschönigenden - Erinnerung fühlt er sich wie ein Geheimagent.

Ein unglaubliches Rechercheprotokoll

Attacke auf Wahrzeichen

Bruckmandl Regensburg nur ein Arm | Bild: BR/Pontus Bauknecht

27.12.2012: Das Piepsen des Weckers ist heute so angenehm wie das Geräusch eines Presslufthammers. Guten Morgen, Welt. Ich wanke durch den Flur in Richtung Küchenfenster, trinke erst mal einen Kaffee und rauche eine Zigarette. Während sich die letzte Brotscheibe im Toaster goldgelb verfärbt, schalte ich Bayern 1 an: "... geht die Polizei von einer mutwilligen Attacke auf das Regensburger Wahrzeichen aus..." Wahrzeichen? Attacke? Bestürzt rufe ich die Polizei an. Die teilt mir mit: Das Regensburger Bruckmandl ist kaputt - der Arm ist ab.

Wo ist der Arm?

Bruckmandl Regensburg nur ein Arm | Bild: BR/Pontus Bauknecht

28.12.2012: Ich spreche mit einem Regensburger Denkmalpfleger. Er vermutet das verlorene Körperteil ein paar Meter tiefer, unterhalb der Steinernen Brücke auf dem Grund der Donau. Er glaubt an eine mutwillige Attacke auf das sandsteinerne Mandl und nicht an Materialermüdung. Ich finde Beweise für seine Theorie: Am Mandl fehlen Bruchstücke, auch andere Stellen sind leicht beschädigt. Wie nach einer Attacke mit einem Stein oder einer Flasche. Ich suche die Brücke ab, finde aber keine Flaschenreste oder größeren Steine.

Keine Spur vom Täter

Tasse mit Cappuccino | Bild: picture-alliance/dpa

2.1.2013: Mit meiner Nachbarin, einer waschechten Regensburgerin, beratschlage ich bei einer Tasse Cappuccino das weitere Vorgehen. Sie glaubt nicht, dass der Arm von alleine abgefallen ist. Einen Täter hat sie nicht gesehen, obwohl sie täglich über die Brücke Spazieren geht.
Auch die Polizei geht von einer mutwilligen Zerstörung aus. Ihre Kurzinfo: Sachschaden im höheren, vierstelligen Bereich. Vom Täter keine Spur. Jetzt werden Zeugen gesucht.

Taucher suchen in der Donau

Bruckmandl Tauchaktion | Bild: BR

12.1.2013: Klick, klick: Leute neben mir schießen wie wild Fotos. Unter der Steinernen Brücke schwimmen Taucher. Sie suchen in der Donau nach dem Arm des Bruckmandl. Eine Brauerei hat die Aktion organisiert. Seit einer Stunde tauchen die Jungs schon im kalten Wasser. Gefunden haben sie nichts. Ich verwette meinen Kaffee, den ich mir in weiser Voraussicht mitgenommen habe, dass sie außer ein paar Kronkorken nichts finden werden. Ich behalte meinen Kaffee.

Zwei Flaschen Bier für einen Arm?

Bruckmandl Tauchaktion | Bild: BR

12.1.2013: "Ich halte die Aktion für relativ aussichtslos. Wir wissen ja nicht einmal, ob der Arm dort liegt“, hatte der Einsatztaucher der DLRG noch vor zwei Tagen zu mir gesagt. Ich spekuliere, was ihm die Veranstalter der Brauerei jetzt, nach der erfolglosen Suche, an den Kopf werfen. Vielleicht bieten sie ihm auch erst mal auf die Enttäuschung zwei Halbe Bier an. Ich verlasse die Brücke in Richtung Fischmarkt und entdecke eine Flasche leeres Bruckmandlbier, die in einem Abfalleimer liegt. Hat die Brauerei den Arm am Ende selbst geklaut, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu bekommen? Diesen Gedanken verwerfe ich gleich wieder: Die Kosten für die neuen, einarmigen Bier-Etiketten wären deutlich höher als der Nutzen.

Ein kniffliger Fall

Kolumbianische Karibikküste | Bild: picture-alliance/dpa

16.1.2013: Die Sonne brennt auf meine Haut. Ich trinke einen Schluck von meinem Cuba Libre und entscheide, meiner braungebrannten Urlaubsbekanntschaft ins Meer zu folgen. "Hey! Wie ist der aktuelle Stand ihrer Recherchen im Fall Bruckmandl?" Was? Wie? Ach so. Trauriges Ende meines Tagtraums. Erwartungsvoll blicken die Kollegen mich an. Auch der Chef will Antworten. "Läuft", sage ich. "Das heißt?", fragt der Chef. "Ich bin dran. Nächste Woche ist der Fall gelöst. Ich treffe mich mit dem Kulturreferenten." Damit habe ich mein Pulver verschossen. Seit Tagen gibt es im Fall Bruckmandl nichts Neues. Der Arm bleibt verschollen, die Stadt unternimmt nichts. Ich falle zurück in meinen Traum. Warum kann mein Leben nicht so sein wie das von James Bond?

Schleppende Recherche

Wo ist der Arm vom Bruckmandl? | Bild: BR/Christian Höb

18.1.2013: Endlich Wochenende. Bevor ich mit dem Bus nach Hause fahre, werfe ich noch einen Blick in den Kalender. Termine nächste Woche: keine.
Was passiert, wenn ich nächste Woche noch immer nichts Neues im Fall Bruckmandl habe?
Eisige Angst packt mich und schnürt mir den Brustkorb zu. Vielleicht erfahre ich im Gespräch mit dem Kulturreferenten am Dienstag etwas Neues. Oder besser gesagt: Hoffentlich.

Der Kulturreferent - die letzte Hoffnung

Recherche Bruckmandl | Bild: BR/Christian Höb

21.1.2013: Bevor ich die Suche nach dem verlorenen Arm an "Aktenzeichen XY" abgeben muss, entschließe ich mich zu einem Anruf in der Dombauhütte. Frage: "Wäre es rein theoretisch möglich, einen neuen Arm für das Bruckmandl zu machen?" Die Antwort: "Natürlich." Gleich im Anschluss erreiche ich das Staatliche Bauamt. Dort erfahre ich, dass die Zuständigkeit beim Tiefbauamt Regensburg liegt. Warum hat das Tiefbauamt nichts unternommen? Ich will eine Antwort, treibe aber nur die Telefonrechnung in die Höhe. Meine letzte Hoffnung ist der Termin mit dem städtischen Kulturreferenten. Er vertröstet mich auf das Jahr 2015.

Bruckmandl: Für immer ohne Arm?

Bruckmandl Regensburg nur ein Arm | Bild: BR/Pontus Bauknecht

22.1.2013: Was ist seit dem 27. Dezember passiert? Wochen der verzweifelten Suche nach dem Arm des Regensburger Bruckmandls: Die Polizei stochert vergeblich im Dunkeln, die Taucher stocherten vergeblich in der Donau und ich stocher in meinem Kaffee. Ich gehe weiterhin von einem Verbrechen aus. Heißt es nicht immer, der Täter kehrt zum Tatort zurück? Das würde bedeuten: Nachtschicht auf der Steinernen Brücke, trotz klirrender Kälte... oder können die Regensburger bis 2015 mit einem einarmigen Bruckmandl leben?


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