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Kreative Aktion in Wunsiedel Spendenlauf gegen Neonazis

250 Neonazis vor allem aus dem süddeutschen Raum sind am Samstag zum alljährlichen Aufmarsch in Wunsiedel zusammengekommen. Diesmal jedoch marschierten sie - unfreiwillig - gegen sich selbst.

Stand: 15.11.2014 | Archiv

Unter dem Motto "Rechts gegen Rechts" haben die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt", die Projektstelle gegen Rechtsextremismus Bad Alexandersbad und die Aussteigerorganisation "Exit" den Nazi-Aufmarsch kurzerhand zu einen Spendenlauf für Aussteiger aus der rechtsradikalen Szene umgemünzt. Zu dem Nazi-Aufmarsch hatte die relativ neue rechtsextremistische Partei "Der Dritte Weg" aufgerufen.

10.000 Euro Spenden für Ausstieg

Der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands steht auf Plakaten entlang der Marschroute der Neonazis. Denn pro Meter erliefen die Neonazis rund zehn Euro für "Exit". Insgesamt 10.000 Euro kamen dadurch am Ende der Veranstaltung zusammen. Gesammelt hatten die Nazi-Gegner das Geld im Vorfeld.

"Endspurt statt Endsieg"

Auf den zahlreichen Transparenten standen zum Teil ironische Kommentare wie "Im Spendenschritt Abmarsch" oder "Endspurt statt Endsieg". Angeboten wurde sogar "Marschverpflegung": Bananen, eingewickelt in eine Banderole mit der Aufschrift "Mein Mampf".

500 Nazi-Gegner

Parallel zum Marsch der Rechten fand auf dem Marktplatz in Wunsiedel eine Kundgebung der Gegendemonstranten statt. In diesem Jahr wollten die Nazi-Gegner vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen vor allem ein Zeichen gegen Fremdenhass und für Toleranz setzen. Im Anschluss daran zogen sie im Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur auf den Todesmarschrouten durch die Stadt. Unter dem Leitwort "Für Willkommen - gegen Ausgrenzung" protestierten rund 500 Neonazi-Gegner im Bündnis "Wunsiedel ist bunt" zusammen mit Kirchen und Gewerkschaften friedlich gegen den Neonazi-Aufmarsch.

Hintergrund

Wunsiedel gilt als eine Art Pilgerstätte für Neonazis. Auf dem Friedhof befand sich bis 2011 die letzte Ruhestätte von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (1894-1987). Nach seinem Tod im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau war Heß im Familiengrab auf dem Friedhof der Fichtelgebirgsstadt beigesetzt worden. Seitdem war die Stadt immer wieder Schauplatz von Neonazi-Aufmärschen.


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