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Auszeichnung nach Israel-Kritik Entsetzen über Preis für "Code Pink"

Nach langer Diskussion soll die US-Bürgerrechtsbewegung "Code Pink" den Bayreuther Toleranzpreis bekommen. Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, reagiert entsetzt auf die Entscheidung der Stadt.

Stand: 25.02.2016

Bewegung "Code Pink" bei einer Demo in den USA | Bild: picture-alliance/dpa

"Code Pink" war in einem Medienbericht eine israelfeindliche Haltung vorgeworfen worden. Die Aktivisten der Organisation sollen außerdem mit Holocaust-Leugnern an einer Konferenz im Iran teilgenommen haben. Deshalb wollte Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG) die Preisverleihung verhindern. Nicht aber die Mehrheit des Stadtrates.

"Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet in Deutschland im Namen von Toleranz und Humanität die Organisation Code Pink ausgezeichnet werden soll. Die Definition von Toleranz und Humanität in Bayreuth ist scheinbar: mit Holocaustleugnern in Iran zusammenzuarbeiten, Juden zu boykottieren und Israel das Existenzrecht abzusprechen."

Yakov Hadas-Handelsman, israelischer Botschafter in Deutschland

Auch der Zentralrat der Juden äußerte sich kritisch zu der Entscheidung. "Vorurteile, wie die Behauptung, Israel sei ein Apartheidstaat, werden auch von Code Pink verbreitet", teilte Präsident Josef Schuster mit.

Lange Debatte im Stadtrat

Nach etwa einstündiger, öffentlicher Debatte hatte die Bayreuther Stadtratsmehrheit am Mittwoch (24.02.16) beschlossen, den mit 10.000 Euro dotierten Toleranz-Preis wie ursprünglich geplant in diesem Frühjahr an "Code Pink" zu verleihen, erklärte ein Sprecher der Stadt. Zuletzt hatten sich auch Bundestagsabgeordnete der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe eingeschaltet und gefordert, die Auszeichnung keinesfalls zu übergeben. Code Pink" selbst hatte die israelfeindlichen Vorwürfe zurückgewiesen.

Code Pink rechtfertigt Kritik

"Code Pink" kritisiert nach eigenen Angaben die Politik vieler Regierungen, darunter auch die der USA und des Staates Israel. Man glaube aber nicht, dass eine kritische Stellungnahme zur Politik des Staates Israel als antisemitisch zu bezeichnen ist. Außerdem seien viele Mitglieder der Organisation, darunter die Mitbegründerinnen Medea Benjamin und Jodie Evans, jüdischer Herkunft, so "Code Pink".

"Nicht durch Ideologien motiviert"

Im Sommer hatte die Stadt bekanntgegeben, der vor allem von Frauen getragenen Bewegung aus den USA den "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis" für Toleranz und Humanität zuzusprechen. "Code Pink" wurde 2002 gegründet und setzt sich nach eigenen Angaben vor allem dafür ein, Kriege zu beenden und neue militärische Auseinandersetzungen zu verhindern. Die Organisation sei "nicht durch Ideologien motiviert, sondern durch den Wunsch, das Töten und Leiden, den Krieg und die Ungerechtigkeit auf dieser Welt nicht als gegeben hinzunehmen", heißt es in einer Stellungnahme.

Stichwort: "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis"

Der von der Stadt Bayreuth gestiftete "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt" wird seit 2008 im jährlichen Rhythmus auf Vorschlag der Universität verliehen. Ausgezeichnet werden Akteurinnen und Akteure eines offenen interkulturellen Dialogs, international engagierte Kulturschaffende, die sich für die Verbindung unterschiedlicher Kunst- und Kulturformen einsetzen, Personen oder Gruppen, die sich auf internationaler Ebene für Humanität und Toleranz engagieren sowie visionäre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus an Zukunftsfragen arbeiten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Frühere Preisträger sind unter anderem der Dirigent Daniel Barenboim, die senegalesische Frauenrechtlerin Madjiguène Cissé, der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer und der Begründer der Leipziger Friedensgebete, Christian Führer.

Sendungsinfo

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MeEckhardt, Freitag, 26.Februar, 06:26 Uhr

12. Code Pink hat den Preis nicht verdient.

Das muss nicht sein, alle vorherigen Preisträger hatten den Preis verdient.
Aber die jetzige Entscheidung finde ich nicht richtig und gebe der Oberbürgermeisterin Frau Brigitte Merk-Erbe vollkommen recht. Die Code Pink
Leute wissen nicht was sie tun. Und das ist richtig dumm, dass sie den Preis dennoch
belommen sollen. Da entscheiden Mal wieder die falschen Leute und was machen sie, sie machen es falsch. Wer solche Thesen vertritt, dem gehört kein deutscher
Preis. Sie verbreiten Hetze und Unwahrheiten.

Bayuware, Donnerstag, 25.Februar, 22:07 Uhr

11. Bayreuth's Stadtobere stemmen sich gg. "political correctness"...

M.m. nach schwingt in der Entscheidung des Bayreuther Stadtrats vielleicht eine kleine Trotzreaktion mit, nachdem das Stadtplenum schon im Vorfeld "gewarnt" wurde, nicht diese Organisation auszuzeichnen.
Trotzdem sollte diese Entscheidung ob zu Recht, oder nicht,-auch von den Medien- nicht zu sehr hochgespielt werden, es muss nicht bei jedem Ereignis, das irgendwie in Verbindung mit Israel steht, das spezielle Verhältnis zwischen dem NS-Nachfolgestaat BRD und Israel durchklingen...
Der Vertreter des Staates Israels in der BRD und auch die Vertreter des ZdJ werden auch da letztlich darüber stehen können, ansonsten ist hält der Bayreuther Stadtrat blamiert.
Israel wird weiter ein gutes Verhältnis zwischen sich, den Siedlern und Palästina auch im eigenen Interesse anstreben, und Deutschland wird sich sowohl mit Israel, als auch mit Palästina in gleicher Weise ein gutes Verhältnis bemühen. Also, was soll's...

walter danielis, Donnerstag, 25.Februar, 18:14 Uhr

10. Code Pink

Code Pink wird den Preis nicht bekommen, Alles Andere wäre eine Überraschung.

Da sind schon ganz andere Kaliber umgefallen, als so ein kleiner Stadtrat.

  • Antwort von Claudia, Freitag, 26.Februar, 02:42 Uhr

    Sie werden vermutlich recht behalten, ist doch das Geflecht riesig

Angelika Mensah, Donnerstag, 25.Februar, 18:07 Uhr

9. Preis für Code Pink

Richtig so! Dass die Organisation 'Code Pink' den Preis der Stadt Bayreuth bekommen soll, finde ich gerechtfertigt. Es muss möglich sein, Kritik an der Regierung des Staates Israel zu üben (z. B. dass die Araber dort eben nicht gleichberechtigt sind), ohne gleich in die Antisemiten-Ecke gestellt zu werden!

Willi Brand, Donnerstag, 25.Februar, 17:25 Uhr

8. Code Pink Auszeichnung

Die Reaktionen auf Kritik an israelischer Politik sind immer dieselben: Gewaltige Empörung und Antisemitismus-Vorwürfe. Glaubwürdiger wäre es, wenn die Vertreter Israels zeigen würden, dass ihre arabischen Mitbürger die gleichen Rechte und die gleichen sozialen und ökonomischen Chancen haben. Sollte die Vertreibung von Arabern aus ihren Häusern in den besetzten Gebieten nur antiisraelische (=antisemitische) Propaganda sein? Historische Vergleiche haben immer Defizite, aber hier ist der Vergleich mit der Apartheidspolitik und -ideologie durch Israels Handeln sehr nahe liegend. Nicht der Vergleich ist verwerflich, sondern die diskriminierende Politik.