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Bayreuth diskutiert weiter Kein Preis für "Code Pink" – vorerst

Der "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis" soll vorerst nicht an die US-Bürgerrechtsbewegung "Code Pink" vergeben werden. Die Bewegung soll israelfeindlich sein. Ganz abgesagt ist die Preisvergabe aber noch nicht.

Stand: 16.02.2016

Code Pink protestiert gegen Israels Iran-Politik | Bild: picture-alliance/dpa

Der Bayreuther Stadtrat hat in seiner Sitzung am Montag (15.02.16) keine abschließende Entscheidung über die Vergabe an die US-Bürgerrechtsbewegung "Code Pink" getroffen. Nach langer Debatte wurde aber beschlossen, die Preisverleihung bis auf weiteres auszusetzen. "Es besteht im Gremium weitergehender Diskussions- und Informationsbedarf in der Sache", erklärte ein Sprecher der Stadt dem Bayerischen Rundfunk. Über das weitere Vorgehen will der Ältestenausschuss der Stadt nun in einer seiner nächsten Sitzungen beraten.

Feindlich gegen Israel?

Proteste gegen Israels Iran-Politik

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG) hatte die Aberkennung des Toleranz-Preises vergangene Woche ins Spiel gebracht, als Reaktion auf einen Bericht der Zeitung "Jerusalem Post". Demnach sei "Code Pink" feindlich gegenüber Israel eingestellt und habe im Iran an einer Konferenz mit Holocaust-Leugnern teilgenommen.

Historische Verantwortung der Stadt

Im Sommer hatte die Stadt bekanntgegeben, der vor allem von Frauen getragenen Bewegung aus den USA den "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis" für Toleranz und Humanität zuzusprechen. Diese Entscheidung sei noch vor der fraglichen Konferenz im Iran gefallen, so Merk-Erbe. Im Frühjahr 2016 sollte die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung übergeben werden. Davon will die Oberbürgermeisterin nun Abstand nehmen. Die Stadt sei sich ihrer historischen Verantwortung im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus bewusst.

"Bereits begründete Zweifel an der Eignung eines möglichen Preisträgers reichen meiner Meinung nach aus, um den Preis nicht zu verleihen."

Brigitte Merk-Erbe, Oberbürgermeisterin Bayreuth

"Code Pink" wurde 2002 gegründet und setzt sich nach eigenen Angaben vor allem dafür ein, Kriege zu beenden und neue militärische Auseinandersetzungen zu verhindern. Die Organisation sei "nicht durch Ideologien motiviert, sondern durch den Wunsch, das Töten und Leiden, den Krieg und die Ungerechtigkeit auf dieser Welt nicht als gegeben hinzunehmen", heißt es in einer Stellungnahme.

Jüdische Mitbegründer

"Code Pink" kritisiert nach eigenen Angaben die Politik vieler Regierungen, darunter auch die der USA und des Staates Israel. Man glaube aber nicht, dass eine kritische Stellungnahme zur Politik des Staates Israel als antisemitisch zu bezeichnen ist. Außerdem seien viele Mitglieder der Organisation, darunter die Mitbegründerinnen Medea Benjamin und Jodie Evans, jüdischer Herkunft, so "Code Pink".

Stichwort: "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis"

Der von der Stadt Bayreuth gestiftete "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt" wird seit 2008 im jährlichen Rhythmus auf Vorschlag der Universität verliehen. Ausgezeichnet werden Akteurinnen und Akteure eines offenen interkulturellen Dialogs, international engagierte Kulturschaffende, die sich für die Verbindung unterschiedlicher Kunst- und Kulturformen einsetzen, Personen oder Gruppen, die sich auf internationaler Ebene für Humanität und Toleranz engagieren sowie visionäre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus an Zukunftsfragen arbeiten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Frühere Preisträger sind unter anderem der Dirigent Daniel Barenboim, die senegalesische Frauenrechtlerin Madjiguène Cissé, der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer und der Begründer der Leipziger Friedensgebete, Christian Führer.

Sendungsinfo

  • zur Sendungshomepage Regionalnachrichten Franken von 6.00 bis 18.00 Uhr, jeweils zur halben und zur vollen Stunde, Bayern 1

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