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Zweiter Tag im Babyleichen-Prozess Ex-Frau und Bruder des Vaters sagen aus

Zweiter Tag im Prozess um die Babyleichen von Wallenfels: Vor dem Landgericht Coburg haben mehrere Zeugen ausgesagt. Unter anderem wurden die Ex-Frau des angeklagten Vaters und sein Bruder befragt.

Von: Carlo Schindhelm

Stand: 13.07.2016

Die Ex-Frau des mitangeklagten 55-Jährigen erklärte, sie habe die Mutter der Babys als "unehrliche" Frau kennengelernt. Sie sei sehr "ichbezogen" und "unzuverlässig" gewesen. Einmal habe es Streit wegen einer Tochter der Ex-Frau gegeben, die im Hause der beiden Angeklagten lebte. Die Eltern hätten ausgemacht, dass das Kindergeld für die Tochter bestimmt sei, um sich selbst zu versorgen. Tatsächlich aber habe die Angeklagte das Geld für sich beantragt, was sie dann aber im Gespräch bestritten hätte.

Mutter "recht lustig, recht locker"

Die Mutter der toten Babys hätte sich auch beklagt, dass sie sich viel um ihre Schwiegermutter kümmern müsste, weil sie krank sei. Die Schwiegermutter habe der Ex-Frau des Vaters dann aber berichtet, dass sie sich gar nicht kümmern würde. Ansonsten berichtete die Zeugin vor Gericht von ihren eigenen Schwangerschaften mit dem Angeklagten. Er habe sich über ihre Schwangerschaft sehr gefreut und habe sich "wirklich gekümmert". Er habe sich auch immer gefreut, wenn sich das Baby im Bauch bewegt habe. Persönlich habe sie die Angeklagte meist nur auf Festen in Wallenfels getroffen. Dann sei sie immer betrunken gewesen und war "recht lustig, recht locker", so die Zeugin.

Bruder ist Schwangerschaft nicht aufgefallen

Auch der Bruder des 55-jährigen angeklagten Ehemanns sagte am Mittwoch (13.07.16) vor Gericht aus. Er habe zu seinem Bruder ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Von seinem Bruder habe er erfahren, dass der Industriearbeiter einmal Probleme mit seinem Arbeitgeber bekam. Seine Frau sollte eine Krankmeldung an den Arbeitgeber weiterleiten. Ihrem Mann habe sie gesagt, dass sie es getan hatte. Tatsächlich ist die Krankmeldung aber wohl nie angekommen und sein Bruder erhielt eine Abmahnung von seinem Arbeitgeber. Eine Schwangerschaft ist dem Bruder nie aufgefallen.

Ex-Freund berichtet

Auch der Ex-Freund der Angeklagten, mit dem sie zum Zeitpunkt des Leichenfunds zusammen war, sagte aus. Er sagte, dass sie "ein ganz liebes Mädel" sei. Sie sei aber immer wieder traurig und zurückgezogen gewesen. "Sie wollte lieber alleine weinen".

Der 56-Jährige erzählte auch, dass die Frau ihm berichtet hatte, von ihrem Mann sexuell benutzt worden zu sein. "Sie hat gesagt, dass er sie nach dem Wirtshaus einfach genommen hat, ob sie wollte oder nicht", sagte der 56-Jährige vor Gericht. Bisher war weder von der Angeklagten selbst noch in der Anklageschrift von sexuellem Missbrauch die Rede gewesen.

Acht tote Babys in Wallenfels

Mitte November 2015 entdeckt eine Anwohnerin in Wallenfels (Lkr. Kronach) die sterblichen Überreste eines Säuglings. Die alarmierte Polizei findet wenig später acht in Plastiktüten und Handtücher gewickelte Babyleichen. Umgehend nimmt die Staatsanwaltschaft Coburg Ermittlungen auf. Verdächtigt wird die Mutter, von der zunächst jede Spur fehlt. Trotzdem wird sie kurz darauf festgenommen. Die Ermittler werfen ihr vor, zwischen 2003 und 2013 insgesamt acht Kinder in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und mindestens vier davon vorsätzlich getötet zu haben. Anfang April 2016 erhebt die Staatsanwaltschaft Coburg Anklage wegen Mordes gegen die Mutter und wegen Beihilfe gegen den Vater.


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