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Landgericht Bamberg Vergewaltigung: Urteil für Chefarzt erwartet

Im Vergewaltigungsprozess gegen einen früheren Chefarzt am Bamberger Klinikum könnte heute noch das Urteil fallen. Er soll eine Mitarbeiterin zum Oralverkehr gedrängt haben. Der Fall ist der erste, der nach dem neuen Sexualstrafrecht verhandelt wird.

Von: Heiner Gremer

Stand: 07.12.2017

Ehemaliger Chefarzt aus Bamberg mit zwei Verteidigern vor Gericht | Bild: BR

Es ist davon auszugehen, dass die Schlussanträge der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der Verteidigung ebenso wie das letzte Wort des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das sagte der Pressesprecher des Landgerichts Bamberg, Nino Goldbeck, dem Bayerischen Rundfunk.

Urteil noch heute erwartet

Das Verfahren läuft seit dem 8. November – und die Öffentlichkeit war bereits mehrfach ausgeschlossen worden. Je nachdem wie umfangreich die Plädoyers ausfallen, könnte noch heute (07.12.17) das Urteil verkündet werden, so Goldbeck.

Neues Sexualstrafrecht

Der 46-jährige frühere Chefarzt ist einer der ersten, die nach dem neuen Sexualstrafrecht angeklagt worden war. Weil noch nicht klar ist, wie das neue Recht auszulegen ist, sorgt der Prozess bundesweit für Aufsehen.

"Nein heißt Nein"

Im Sexualstrafrecht war im vergangenen Jahr das Prinzip "Nein heißt Nein" festgeschrieben worden. Demnach macht sich nicht nur strafbar, wer Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwingt. Es reicht vielmehr aus, wenn sich der Täter über den "erkennbaren Willen" des Opfers hinwegsetzt.

Zum Oralverkehr gedrängt

Laut Staatsanwaltschaft soll der Mediziner im Dezember 2016 eine ihm unterstellte Mitarbeiterin gegen ihren erkennbaren ablehnenden Willen zum Oralverkehr gedrängt haben. Mehrere Krankenhausmitarbeiterinnen hatten sich damals bei der Klinikleitung gemeldet und eingeräumt, mit dem Arzt einvernehmlich Sexualkontakte gehabt zu haben. Angezeigt hatte den Mann allerdings niemand, auch nicht das mutmaßliche Opfer.

Selbstmordversuch des Arztes

Die Sozialstiftung Bamberg, der Träger der Klinik, hatte den leitenden Mediziner daraufhin freigestellt und ihm ein Hausverbot erteilt. Grund für die Entscheidung sei allein ein arbeitsrechtliches Fehlverhalten, so die Klinikleitung damals. Nachdem der Fall öffentlich wurde, hatte der Mediziner versucht, sich das Leben zu nehmen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft war er direkt aus der Intensivstation festgenommen worden.


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