46

Babyleichen von Wallenfels Mutter muss 14 Jahre ins Gefängnis

Im Fall der acht Babyleichen von Wallenfels ist die angeklagte Mutter zu 14 Jahren Haft wegen Totschlags in vier Fällen verurteilt worden. Den mitangeklagten Vater sprach das Landgericht Coburg frei.

Stand: 20.07.2016

"Wenn ein solcher Fall verhandelt wird wie dieser, dann gibt es plötzlich ganz viele, die wissen, was richtig ist: dass hier eine angebliche Horror-Mutter für immer eingesperrt gehört", so der Vorsitzende Richter Christoph Gillot in seiner Urteilsbegründung. Dann müsse aber auch juristisch entschieden werden, wie die Angeklagten ihr Verhalten zu verantworten haben, so der Richter weiter. In einem ersten Schritt müsse versucht werden, das Verhalten nachzuvollziehen. Das habe nichts damit zu tun, es zu rechtfertigen, sondern zu versuchen, es zu verstehen, so der Richter.

"Sie ist die Verdrängerin und nicht die die planvolle Entscheiderin. Sicherlich handelte sie egoistisch und selbstsüchtig, aber es gibt eben auch das Motiv, die Familie zu erhalten."

Christoph Gillot, Vorsitzender Richter

Das sei kein niederer Beweggrund – weshalb eine Verurteilung wegen Mordes nicht in Frage gekommen sei, so der Richter weiter. Die 45-Jährige akzeptierte das Urteil wegen Totschlags.

"Wir werden keine Revision einlegen, das ist mit meiner Mandantin abgesprochen."

Till Wagler, Verteidiger der angeklagten Mutter

Die Coburger Staatsanwaltschaft hingegen will eine Revision prüfen. Die Behörde werde innerhalb einer Woche entscheiden, ob sie das Rechtsmittel einlegt, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Mitangeklagter Vater freigesprochen

Der ebenfalls angeklagte Vater wurde vom Landgericht Coburg freigesprochen. Der 55-Jährige war wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Er hatte angegeben, nichts von den Schwangerschaften seiner Frau gewusst zu haben. Im Laufe der vergangenen Prozesstage hatte die angeklagte Mutter angegeben, dass sie ihren Mann über mehrere Schwangerschaften unter anderem in den Jahren 2003, 2006 und 2008 informiert habe. Für eine Verteilung des Mannes etwa wegen Beihilfe zum Totschlag hätte dieser damit rechnen müssen, dass seine Frau Kinder tötet. Dafür habe das Gericht aber keinen Nachweis, hieß es in der Urteilsbegründung.

Bürgermeister: Erwartungen vieler Wallenfelser nicht erfüllt

Direkt nach dem Urteil ist in Wallenfels keine Erleichterung zu spüren: Der Prozess hat den Ort wieder aufgewühlt. Viele Menschen wollen sich zu dem Fall nicht mehr äußern, andere suchen noch immer nach einer Erklärung für die furchtbaren Taten. Bürgermeister Jens Korn (CSU) bemängelte nach dem Urteil, dass der Prozess die Erwartungen vieler Bürger in Wallenfels nicht erfüllt habe. Denn: Was die Frau dazu getrieben hat, ihre Babys nach der Geburt zu töten, bleibe unklar, so der Bürgermeister. Trotzdem hoffen die Wallenfelser, dass nun wieder Ruhe im Ort einkehre. Geplant ist auch, eine Gedenkstätte oder eine letzte Ruhestätte für die Leichen der Babys zu errichten – vorausgesetzt sie werden freigegeben und die Familie stimmt dem Vorhaben zu.

Acht tote Babys in Wallenfels

Mitte November 2015 hatte eine Anwohnerin in Wallenfels (Lkr. Kronach) die sterblichen Überreste eines Säuglings entdeckt. Die alarmierte Polizei fand wenig später acht in Plastiktüten und Handtücher gewickelte Babyleichen. Umgehend nahm die Staatsanwaltschaft Coburg Ermittlungen auf. Die Mutter wurde kurz darauf festgenommen. Der Vater wurde der Beihilfe zum Mord beschuldigt.


46