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Bad Steben setzt auf Freistaat Spielbank bangt um Existenz

Der kleine oberfränkische Kurort Bad Steben ist stolz auf seine Spielbank. Kein geringerer als Star-Architekt Meinrad von Gerkan hat sie entworfen. Der wellenförmige Bau erinnert an das Auf und Ab des Glücksspiels - und das der Spielbank selbst. Der Oberste Rechnungshof fordert seit Jahren ihre Schließung. Dazu wird sich heute Nachmittag Finanzstaatssekretär Albert Füracker (CSU) im Landtag äußern.

Von: Annerose Zuber

Stand: 26.01.2016

Spielbank Bad Steben bei Nacht | Bild: pa/dpa/Markus Führer

Vor den Glückspielautomaten sitzen einige ältere Frauen und junge Männer. Konzentriert blicken sie auf die drehenden Scheiben, lassen sich auch nicht ablenken, als der Bad Stebener Spielbank-Direktor Udo Braunersreuther eine Besuchergruppe in den Saal führt: "In der Regel sind die Spielsäle geteilt, es gibt einen Automaten-Spielsaal und es gibt einen Spielsaal fürs große Spiel, fürs Roulettespiel und für das Kartenspiel. Bei uns hat man es aufgrund der Größe oder der Kleinheit des Hauses in einem Spielsaal gemacht, um hier einfach für etwas mehr Belebung zu sorgen, auch wenn weniger los ist."

Hier verliert "die Bank"

Dieser Saalumbau war neben Personalabbau vor einigen Jahren Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, um die Spielbank aus den roten Zahlen zu bringen. Während Feuchtwangen (Lkr. Ansbach) mit der idealen Lage direkt an der Autobahn und das traditionsreiche Haus in Bad Wiessee am Tegernsee (Lkr. Miesbach) dank Scheichs und anderer zahlungskräftiger Kunden Gewinne einfahren, ist Bad Steben wie auch die Spielbank Bad Kötzting im Bayerischen Wald für den Freistaat ein Drauf-Zahl-Geschäft. 2014 lag das Minus in Bad Steben bei 2,1 Millionen Euro. 2008 waren es sogar fast drei Millionen Euro. Der Spielbank-Direktor sieht jetzt also Licht am Horizont: 

"Also den Umsatz der letzten drei Jahre haben wir im Vergleich zu den Jahren 2010, 2011 und 2012 um rund zehn Prozent steigern können."

Udo Braunersreuther, Direktor Spielbank Bad Steben

Mehr Besucher in der Spielbank - die Existenz ist trotzdem gefährdet

Dazu kommt: Während bayernweit die Besucherzahlen rückläufig seien, habe sich Bad Steben 2015 gegen diesen Trend entwickelt und die Besucherzahlen seien das erste Mal seit 2010 wieder über 30.000, sagt Udo Braunersreuther: "Das ist wirklich eine Zahl, die uns auch zuversichtlich stimmt. Es ist natürlich noch Luft nach oben, aber es ist ein gutes Ergebnis und die Richtung stimmt."

Die extreme Schieflage gerade der kleinen staatlichen Spielbanken wurden vom Gesetzgeber mitverursacht - zum Beispiel durch Gesetze, die die private Konkurrenz förderten:

"Eines der großen Probleme ist nach wie vor die Flut an Spielhallen, die hier wie Pilze jahrelang aus dem Boden geschossen sind, Internetangebot ist ein Thema, und auch ein großes Thema für uns ist das Rauchverbot, weil es noch zumindest auch Alternativen gibt, in Tschechien zum Beispiel."

Udo Braunersreuther, Direktor Spielbank Bad Steben

Allein das Rauchverbot habe 30 Prozent Umsatzeinbußen verursacht, sagt Braunersreuther.

Hoffnungsschimmer

BR-Landtagskorrespondent Rudi Erhard

Garmisch-Partenkirchen, Bad Kissingen, Lindau, Bad Reichenhall und Bad Wiessee hatten als Spielbanken jahrzehntelang einen klingenden Namen. Zwischen 1999 und 2001 kamen als ländliche Entwicklungshilfe Bad Füssing, Bad Kötzting, Feuchtwangen und Bad Steben dazu. Nicht einmal zehn Jahre später brachen vor allem bei den neuen staatlichen Spielbanken die Umsätze weg.

Bad Steben und Bad Kötzting machten seit ihrer Eröffnung eigentlich nur Verluste. Die Konkurrenz aus Tschechien oder dem Internet und das Rauchverbot sorgten trotz umfangreichem Personalabbau für eine Halbierung des Bruttospielertrags aller neun bayerischen Spielbanken. Seit 2011 summierten sich staatliche Finanzspritzen auf 25 Millionen Euro. Privatisierungen oder Schließungen sind aber weiterhin kein Thema, kündigte Finanzstaatssekretär Albert Füracker vor der Sitzung des Haushaltsausschusses an. Denn letztes Jahr gab es endlich wieder ein Umsatzplus bei den bayerischen Spielbanken. (Autor: Rudolf Erhard)

Spielbank-Chefs werben mit Kulturangeboten

Zum Ausgleich versuchen Braunersreuther und die anderen Spielbank-Chefs mit Kulturangeboten zu punkten. Bad Steben hat etwa die Garderobe zur stilvollen Kleinkunstbühne umfunktioniert - da kann man unter anderem Django Asül hautnah erleben. Und mit einer weiteren Veranstaltungsreihe sorge die fränkische Spielbank gar für Furore unter den neun Spielbanken:

"Wir hatten angefangen, als einzige Spielbank in Bayern, hier Live-Musik in den Spielsaal zu bringen. Das Spiel soll aber auch laufen. Das war gar nicht so einfach. Ich erinnere mich gut an unsere erste Aufführung, da hat sich noch nicht einmal jemand getraut zu klatschen. Inzwischen läuft das ganz gut, und es ist eine ganz lockere Atmosphäre, zumindest einmal im Monat."

Udo Braunersreuther, Direktor Spielbank Bad Steben

Und dann präsentiert sich auch immer noch ein Unternehmen aus der Region in der Spielbank - das reicht vom örtlichen Blumengeschäft bis zum Global Player Faber-Castell. So bringt man neue Besucher an den Roulettetisch. Und auch mit Führungen bringt sich die Spielbank ins Gespräch - sei es nun beim Lions Club aus Kronach oder bei einem Betriebsausflug eines IT-Büros aus dem Landkreis Hof.


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