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Sicherheitswacht Bayreuth Akzeptanz steigt an

Die Diskussionen um sich gründende Bürgerwehren rücken eine andere, ganz offizielle bürgerliche Institution in den Blickpunkt: die Sicherheitswacht. Sie arbeitet direkt mit der Polizei zusammen und ist seit über 20 Jahren aktiv. Auch in Bayreuth.

Stand: 26.01.2016

Horst Dünkel und Hans Oeding, Sicherheitswacht Bayreuth  | Bild: BR-Studio Franken / Heiner Gremer

Die Aufgabe der Ehrenamtlichen: Hinschauen, wenn es ernst wird und die Polizei per Funk zu Hilfe rufen. Generell sollen sei die allgemeine Sicherheitslage verbessern. Zu erkennen sind die Männer an ihren Jacken mit der Aufschrift "Sicherheitswacht" und einem Funkgerät.

Höhere Akzeptanz spürbar

In Bayreuth auf Streife: Horst Dünkel und Hans Oeding

In Bayreuth hat die Sicherheitswacht derzeit zwölf Mitarbeiter. Darunter auch Horst Dünkel und Hans Oeding, beide sind über 60 Jahre alt und seit zehn Jahren gehen sie gemeinsam auf Streife – drei Mal in einer Woche. Dafür bekommen sie acht Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde. Die Akzeptanz der Sicherheitswacht nehme seit den Vorfällen in Köln und anderswo zu, sagen die Beiden. Auch Polizei-Oberkommissar Harald Stadter, der die Sicherheitswachtmitarbeiter der Polizeiinspektion Bayreuth betreut, bestätigt dies.

Spezielle Ausbildung

Wer zur Sicherheitswacht will, wird schon bei der Bewerbung polizeilich überprüft und erhält eine 40-stündige Ausbildung durch die Polizei. Im Durchschnitt leisten die Sicherheitswächter monatlich zehn bis 15 Stunden Dienst und sind in erster Linie in öffentlichen Parks, großen Einkaufs- und Freizeitzentren und Tiefgaragen aktiv.

Sicherheitswacht

Was sind ihre Aufgaben?

Die Angehörigen der Sicherheitswacht sollen vor allem dem Vandalismus und der Straßenkriminalität entgegenwirken. Sie sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und verbessern schon durch ihre Präsenz die Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger.
Bei verdächtigen Vorkommnissen informiert die Sicherheitswacht über das Handsprechfunkgerät die nächste Polizeistreife. Selbst eingreifen wird sie nur im Ausnahmefall, zum Beispiel, wenn dies zur Hilfe von Bürgern dringend geboten ist. Die Angehörigen der Sicherheitswacht führen aus Gründen der Eigensicherung ein Reizstoffsprühgerät mit sich. Die bayerische Sicherheitswacht ist keine Hilfspolizei, aber dennoch für die Polizei eine wertvolle Hilfe

Welche Rechte haben die Angehörigen der Sicherheitswacht?

Ihr stehen zunächst die gleichen Rechte zu wie jedem anderen Bürger: das Festhalten eines auf frischer Tat angetroffenen Straftäters bis zum Eintreffen der Polizei sowie das Recht auf Notwehr und Nothilfe für andere Bürger. Darüber hinaus können Angehörige der Sicherheitswacht Personen anhalten, sie befragen und ihre Personalien feststellen, wenn dies zur Gefahrenabwehr oder zur Beweissicherung notwendig ist. Außerdem können sie bei Gefahr im Verzug einen Platzverweis erteilen, das heißt eine Person anweisen, sich zu entfernen.
Die Sicherheitswacht ist keine Hilfspolizei. Sie kann und soll die Arbeit der Polizei nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie ist auch keine "Bürgerwehr" (unkontrollierter Zusammenschlüssen von Bürgern, die glauben, selbst für Recht und Ordnung sorgen zu müssen). Die Sicherheitswacht ist die bessere und rechtstaatliche Alternative.

Wie erkenne ich die Sicherheitswacht?

Die Angehörigen der Sicherheitswacht tragen keine Uniform. Um von hilfesuchenden Bürgern gezielt angesprochen werden zu können, tragen sie an der Brust ein Kennschild "Sicherheitswacht" und eine hellgrüne Ärmelschlaufe bzw. einen blauen Blouson, jeweils mit der Aufschrift "Sicherheitswacht". Auf Verlangen müssen sie sich namentlich ausweisen, wenn der Zweck der Maßnahme dadurch nicht gefährdet wird.
Für die Sicherheitswacht können sich Frauen und Männer bewerben, die mindestens 18 und höchstens 60 Jahre alt sind:

- durch Zeugnis eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung nachweisen
- Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft bewiesen haben und einen guten Ruf besitzen
- bereit sind, für diese Aufgabe im Durchschnitt 15 Stunden monatlich zur Verfügung zu stehen
- am Einsatzort oder in der nächsten Umgebung wohnen

Das Verwendungshöchstalter beträgt grundsätzlich 65 Jahre. Eine Pauschale von 8 Euro in der Stunde soll den persönlichen Aufwand ausgleichen.

Sicherheitsgefühl schwer messbar

Ziel der Sicherheitswacht ist, die Sicherheitslage in einer Stadt zu verbessern. Ob durch ihre Streifzüge das Sicherheitsgefühl der Bürger wirklich gestärkt wird, ist nur schwer messbar – Hans Oeding und Horst Dünkel empfinden es dennoch so. Und deshalb wollen die beiden auch weitermachen, solange sie gebraucht werden.

Stichwort: Sicherheitswacht

Der Bayerische Landtag beschloss zum 01.01.1994 das Sicherheitswachterprobungsgesetz (SEG) und schuf damit die rechtliche Grundlage für das "Pilotprojekt Bayerische Sicherheitswacht". Der auf drei Jahre ausgelegte Modellversuch lief mit großem Erfolg in den Städten Nürnberg, Ingolstadt und Deggendorf. Am 31.12.1996 trat dann das neue Sicherheitswachtgesetz in Kraft. Der Bayerische Ministerrat hat in seiner Sitzung am 16.06.2010 die flächendeckende Ausweitung der Sicherheitswacht auf rund 1.000 Angehörige beschlossen. Darüber hinaus ist es nun auch Kommunen unter 20.000 Einwohnern möglich, eine staatliche Sicherheitswacht zu errichten, sofern geeignete Einsatzgebiete vorhanden sind, das zuständige Polizeipräsidium der Errichtung zustimmt und ein entsprechender Beschluss des Gemeinde- bzw. Stadtrates vorliegt. Die Angehörigen der Sicherheitswacht werden den Polizeidienststellen ihres Wohngebiets zugeteilt. Erfahrene Polizeibeamte entscheiden nach der aktuellen Sicherheitslage, wo und wann die Sicherheitswacht auf Streife geht.


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