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Sandkerwa und Prekariat CSU entschuldigt sich

Nach seiner Aussage, die Sandkerwa sei ein Besäufnis für "niedere Schichten", hat sich CSU-Stadtrat Helmut Müller nun entschuldigt. Er habe lediglich auf "unerfreuliche Nebeneffekte wie Kampftrinken" hinweisen wollen.

Von: Heiner Gremer

Stand: 19.05.2017

Männer trinken Maß voll Bier | Bild: Bayerischer Rundfunk

Die Sandkerwa sei eine "Belustigung für das Prekariat. Niedere Schichten kommen zusammen um sich zu besaufen" - so wurde der Fraktionsvorsitzende der Bamberger CSU am Donnerstag (18.05.17) in der Bamberger Lokalzeitung "Fränkischer Tag" zitiert. Nachdem die Aussage für einen Aufschrei und viel Kritik gesorgt hatte, kam nun die offizielle Entschuldigung und Erklärung per Pressemitteilung.

Entschuldigung und Rechtfertigung

Darin bedauert Müller seine "überspitzt[e]" Wortwahl, erklärt aber gleichzeitig, er habe mit seinen "bewusst pointierten Äußerungen zu den Auswüchsen der Sandkerwa" auf "unerfreuliche Nebeneffekte wie Kampftrinken, Pöbeleien, Wild-UrinierenBegleiterscheinungen" hinweisen wollen. Wörtlich teilte er mit:

"Diese negativen Begleiterscheinungen kritisieren viele Bambergerinnen und Bamberger zur Recht. Meine Wortwahl war offensichtlich zu überspitzt. Wenn sich Besucher der Sandkerwa dadurch angegriffen fühlen, dann bedauere ich dies."

Helmut Müller, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bamberger Stadtrat

Redeverbot für Müller?

Noch am Donnerstagnachmittag (18.05.17) wollte sich Müller im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk nicht detailliert zu seiner Aussage äußern. Bambergs CSU-Bürgermeister Christian Lange, der auch CSU-Kreisvorsitzender ist, habe ihm Redeverbot erteilt, so Müller. Lange wiederum widersprach einem Redeverbot und wollte sich nicht weiter zu "internen Dingen" äußern. Dafür stärkte er der Sandkerwa den Rücken.

"Ich stelle für die CSU klar fest: Wir wollen die Sandkirchweih mit ihren beliebten Traditionen, weil die Sandkerwa zu Bamberg gehört."

Christian Lange (CSU), Bürgermeister Bamberg und CSU-Kreisvorsitzender

CSU will an Lösungen mitarbeiten

Zudem wolle die CSU an Lösungen mitarbeiten, die die Durchführung des Fests auch heuer ermöglichen. Zum Zitat seines Parteifreunds Müller sagte Lange, der sei wahrscheinlich falsch verstanden worden. Vermutlich habe Müller auf Missstände wie zerbrochene Flaschen und grölende Betrunkene auf dem Heimweg von der Sandkerwa anspielen wollen.

Zudem beinhalte die derzeitige Krise um die Sandkerwa auch die Chance für positive Veränderungen. Nach BR-Informationen hatte Müller nach der Veröffentlichung seines Zitats zahlreiche Anrufe von Parteifreunden erhalten, die nicht sonderlich glücklich über sein Statement waren und dies auch entsprechend zu Ausdruck brachten.


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Kommentare

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Monika Fuchs, Donnerstag, 18.Mai, 17:38 Uhr

5. Sandkerwa

Es wäre schade, wenn die Sandkerwa nicht stattfinden würde. Früher besuchte ich auch während dieser Zeit meine Eltern in Bamberg, heute besuche ich Bamberg noch immer gerne, manchmal eben auch zur Sandkerwa. Der Weg von Augsburg nach Bamberg ist ja nicht so weit.

Irmi, Donnerstag, 18.Mai, 17:24 Uhr

4.

Warum regt man sich denn so auf? Vielleicht weil das Zitat der Wahrheit doch schon recht nahe kommt! Wohl zu nah!

Wolf, Donnerstag, 18.Mai, 15:46 Uhr

3. Brot&Spiele

Ein Besäufniss für das Präkariat....sehr gut, liebe csu,so gewinnt man wieder die Herrschaft über die Stammtiche und Bierzelte,weiter so!
Und übrigens,die Wiesn is NIX anderes.

  • Antwort von Beate Jahreiß, Sonntag, 21.Mai, 14:27 Uhr

    ... ABER München halt!

Wolfgang Huber, Donnerstag, 18.Mai, 15:32 Uhr

2. Die Wahrheit wird nicht gern gehört

Solche Massenbesäufnisse kennt jede Region, in Bayern zumal. Kaum ist die Wiesn rum, gibt's schon bald wieder das Starkbier, den Maibock, irgendeine Kirmes,..das nächste Wiesnbier...
gewisse Volkes Schichten brauchens anscheinend besonders intensiv, um sich die christlich-asoziale Realität schönzusaufen.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 18.Mai, 16:19 Uhr

    Soooo viel kann ich nicht trinken.

Klaus Adelt MdL, Donnerstag, 18.Mai, 15:12 Uhr

1. Sandkerwa - Belustigung für das Prekariat

Diese Aussage ist keine "Entgleisung" sondern eine Beleidigung für alle Volks-, Wiesen-, und Schützenfestbesucher. Fest sind ein Ort der Geselligkeit und der Lebensfreude, ein Stück Tradition. Deshalb muss die Sandkerwa nicht nur heuer, sondern auch in Zukunft stattfinden. Dazu stehe ich als Politiker und Privatmann - ich bin doch nicht schizophren!

  • Antwort von Stephan Tamino von Pangsy, Samstag, 20.Mai, 13:14 Uhr

    Es ist ungewöhnlich das ein CSU Politiker sein ureigenes Klientel derart beschimpft. Eigentlich sind solch drastische Äusserungen gewöhnlich gegen den politischen Gegener oder Füchtlinge gerichtet.
    Die Sandkirchweih ist zudem keine Kirchweih im herkömmlichen Sinn, sondern eine rein kommerzielle Veranstaltung die es erst seit 66 Jahren gibt und mit Tradition nichts gemein hat. Was Sie mit Tradition und Geselligkeit bei Volks, Wiesen und Schützenfesten beschreiben wollen ist nichts weiter als realitätsferne volkstümelnde Romantik. Diese Festivitäten sind zu grässlichen Massenbesäufnissen verkommen bei diesen gröhlende und urinierende Horden Gewalt. gegen Menschen und Sachen verüben und der landesübliche durch Brauchtum getarnte Sexismus und Rassismus offen zur Schau gestellt wird.