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Reha-Kliniken Neubau in Bayreuth, Aus für Bischofsgrün

Die Entscheidung ist da: Die Reha-Klinik in Bischofsgrün wird geschlossen, in Bayreuth wird neu gebaut. Die Deutsche Rentenversicherung Nordbayern (DRV) spricht von einer Zusammenlegung der beiden Reha-Kliniken – in einem Neubau.

Von: Kathrin Benker und Claudia Stern

Stand: 23.03.2016

Höhenklinik Bischofsgrün | Bild: BR-Studio Franken / Markus Feulner

Die neue Klinik soll an einem anderen Standort nahe der Lohengrintherme in Bayreuth entstehen und 300 stationäre und 60 ambulante Plätze haben. Und sie soll besser und wirtschaftlicher werden, als es die bestehenden Kliniken derzeit sind.

Zusammenlegung, nicht Schließung

Auch die Klinik Herzoghöhe wird es so künftig nicht mehr geben.

Trotz des Bekenntnisses zum Standort Bayreuth spricht die DRV als Trägerin der beiden Kliniken explizit nicht von einer Schließung der Höhenklinik Bischofsgrün, sondern von einer Zusammenlegung der beiden Standorte zu einem gemeinsamen Reha-Zentrum.

Die neue Klinik soll Ende 2024 fertiggestellt sein. Dort sollen dann die Standorte Herzoghöhe Bayreuth und Höhenklinik Bischofsgrün zusammengeführt werden. Dies geschehe ausschließlich, um den nun gemeinsamen Standort zukunftssicher zu machen. In den Neubau investiert die DRV rund 60 Millionen Euro. Für den Standort Bayreuth hätten vor allem die gute Zusammenarbeit mit dem Klinikum und die bessere Verkehrsanbindung gesprochen. Beides sei in Bischofsgrün nicht gegeben.

Keine leichte Entscheidung

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte der Vorstandsvorsitzender der DRV, Stephan Doll, bei der Pressekonferenz am Nachmittag. Allerdings wäre es nach seinen Worten nicht zu verantworten gewesen, beide Kliniken zu erhalten. Im Juni vergangenen Jahres hatte die DRV angekündigt, eine der beiden Kliniken schließen zu müssen. Hintergrund war eine Rüge des Bundesrechnungshofs, wonach die DRV sparen müsse. Die Klinikleitungen wurden bereits über die Entscheidung informiert.

Strukturpolitische Aspekte, wie beispielsweise Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinden und Regionen, dürften nach dem Gesetz in eine derartige Entscheidung eines Rentenversicherungsträgers nicht mit einfließen. Sie dürften auch nicht Entscheidungsgrundlage sein, so Doll.

Kliniken werden vorerst weiterbetrieben

Bis zur Inbetriebnahme des neuen Reha-Zentrum werden die Klinik Herzoghöhe Bayreuth und die Höhenklinik Bischofsgrün weiterbetrieben. Ein kontinuierliches Zusammenwachsen soll während der Übergangsphase sichergestellt werden. Außerdem sei sich die DRV der Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Kliniken bewusst. Ihre Interessen sollen "umfassend Berücksichtigung finden", heißt es in einer Presseerklärung.

Suche nach Nachnutzung für bestehende Gebäude

Für die weitere Nutzung der bisherigen Klinikareale in Bayreuth und Bischofsgrün will die Deutsche Rentenversicherung Nordbayern zusammen mit den Kommunen nach Lösungen suchen. Man werde diese aktiv bei der Suche und Realisierung unterstützen.

Bischofsgrüner Kampf blieb ohne Erfolg

Monatelange hatten die Kommunalpolitiker an den beiden Standorten gegen das drohende Aus gekämpft. Mit mehr als 5.000 Unterschriften von Unterstützern des Standortes Bischofsgrün setzte der Bischofsgrüner Bürgermeister Stephan Unglaub (SPD) Mitte Februar ein deutliches Zeichen der Solidarität für den Standort im Landkreis Bayreuth.

Nach der Entscheidung ist Unglaub enttäuscht. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Gemeinde und die gesamte Region seien schlimm, sagte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Er hofft nun, dass die Auslastung der Höhenklinik bis zur Fertigstellung der neuen Klinik in Bayreuth weiter hoch bleiben wird. Außerdem sei eine Nachnutzung des Klinikareals von immenser Bedeutung für den Ort.

Enttäuschung auch beim Landrat

Auch bei Landrat Hermann Hübner (CSU) ist die Enttäuschung über die Entscheidung der DRV Nordbayern groß. Die Schließung des Standorts Bischofsgrün sei "ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Region", sagte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Die Konzentration der beiden bisherigen Reha-Kliniken auf einen Standort in der Stadt Bayreuth sei strukturpolitisch nicht hinnehmbar, so Hübner weiter. Der Kreistag Bayreuth hatte sich in einer Resolution einstimmig für den Standort Bischofsgrün ausgesprochen.

"Ich bin erschüttert, dass alle Kriterien, die für einen Erhalt gesprochen haben, unbeachtet blieben und über unser aller Köpfe hinweg eine Entscheidung getroffen wurde, die ich in keiner Weise nachvollziehen kann."

Hermann Hübner, Landrat Bayreuth

Positives Signal für Bayreuth

Freude herrscht hingegen in der Stadt Bayreuth über die Entscheidung der DRV. Die Klinik Herzoghöhe sei ein unverzichtbarer Baustein, um die medizinische Versorgungsqualität mit Blick auf Rehabilitationsmaßnahmen zu sichern, teilte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG) in einer Stellungnahme mit. Im Verbund mit den übrigen Kliniken und den Schwerpunktthemen Orthopädie, Onkologie sowie ergänzender Ambulanz trage sie wesentlich zu einem erstklassigen Versorgungsgefüge der Gesundheitsregion Bayreuth bei. Die Erhaltung der Klinik habe daher für die Stadt stets oberste Priorität gehabt.

"Wir freuen uns über die Entscheidung der Deutschen Rentenversicherung, die Klinik Herzoghöhe in Bayreuth zu erhalten. Diese Weichenstellung ist für Bayreuth als nordbayerisches Gesundheitszentrum mit höchster medizinischer Versorgungsstufe von elementarer Bedeutung und auch für die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist sie ein wichtiges Signal."

Brigitte Merk-Erbe, Oberbürgermeisterin Stadt Bayreuth

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Norbert Schettler, Dienstag, 19.Juli, 22:12 Uhr

9. Schließung der Höhenklinik Bischofsgrün

Schade das wieder eine Einrichtung, für die Meschen errichtet ist, wegen finanziellen, wirtschaftlixchen und profitorientierten Aspekten weggewischt wird, fehlt hier die Lobby für uns Menschen. Hier stehen 2000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, die Steuereinnahmen fallen dann weg, wo ist da die Logig :-()

Ingo Spörl, Dienstag, 19.April, 21:13 Uhr

8. Höenklinik der bessere Standort

Das die Höenklinik geschlossen werden soll hab ich mit entsetzen vernommen und kann die Endscheidung NICHT nachvollziehe. Der Standort Bischofsgrün ist definitiev der idealste, alleine schon wegen des hervorragenden Kklimas. Die umgebung der bezug zur Natur das Klima die reine Luft sind einzigartig im vergleich zu ALLEN anderen Rehakliniken. Ein kommpletter neubau in Bayreuth ist auch aus finanzieller sicht lächerlich . Eine rehaklinik in einer Stadt kanndas nicht bieten was in Bischofsgrün zu bieten hat.-Erholung pur reine natur saubere luft und das Panorama des fichtelgebirges und die grandosen möglichkeiten der Reha.

Günther Juba, Freitag, 15.April, 10:02 Uhr

7. Höhenklinik

Ich war selbst im Jahre 2004 Patient in der Höhenklinik und denke noch gerne an diese drei Wochen zurück: ein sympathischer Chefarzt, der das "Klima" des Hauses prägte, eine sehr menschliche, persönliche Betreuung durch das Personal, eine Umgebung, die zu täglichen Spaziergängen verlockte, eine phantasievolle und gesundheitsbewusste Küche. Das war mehr, als die üblichen Rehabilitationsmaßnahmen, denn hier wurde man als Mensch (nicht nur als "Fall") behandelt. Auch wenn das neue Haus in Bayreuth moderner ausgestattet sein sollte, wird es diese sehr menschliche Behandlung ganz sicher nicht ersetzen können.

M.Zöltsch, Donnerstag, 07.April, 21:30 Uhr

6. Schließung der Höhenklinik Bischofsgrün

ABSOLUT SKANDALÖS was sich diese DRV Nordbayern Entscheider ungestraft leisten dürfen !!
Bereits nach Umsetzung der Gesundheitsreform 1982 in Form des Kostendämpfungs-Ergänzungsgesetzes begann der gnadenlose Zerfall und Absturz vieler deutscher Kurorte;
als warnendes Beispiel für das, was die Stadt Bischofsgrün und ihre Bürger mit hoher Wahrscheinlichkeit zukünftig nach einer Schließung der Höhenklinik zu erwarten haben, kann man bereits seit Mitte/Ende der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts in Bad Berneck sehen.
Aus einer bunten, während der Kursaisonen sehr lebhaften Kurstadt ist eine triste, wie ausgestorben wirkende Ortschaft mit vielen Leerständen geworden.
Damit können die Entscheider der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern SEHR STOLZ in Pension gehen !

Reinhold Hessedenz, Dienstag, 05.April, 22:24 Uhr

5. Stadt Bayreuth gegen Landkreis Bayreuth - Wie kann das Zukunft haben?

So wie im Falle der Entscheidung über die Schließung der Höhenklinik in Bischofsgrün sicher nicht.

Wie kann eine DRV als Grundlage für die jetzt getroffene Entscheidung eine Unternehmensberatung mit Ansässigkeit in Bayreuth beauftragen und dieses als unabhängig annehmen, wenn es darum geht, sich für Bayreuth als zukünftige Ansässigkeitsstadt oder für die Erhaltung der Höhenklinik in Bischofsgrün zu entscheiden?

Die Auftragsvergabe einschl. der Ausschreibung zur Erstellung dieses Gutachtens als auch das Gutachten selbst muss vorgelegt werden. Genau das muss der Landkreis nun als erstes durchsetzen. Dann wird man sehen, wie die 60 Millionen-€ als Investitionskosten für dieses Vorhaben gerechnet sind, z.B. einschl. der Intergrationskosten der Zusammenlegung und einschl. der Wiederverwertungskosten der aktuell in gutem Zustand befindlichen Immobilien.

Jeder Controller weiß doch ganz genau: Man kann ein Projekt so oder anders rechnen, vor allem auch so wie es erwartet wird.