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Stundenhotel-Prozess Coburg Lebenslange Haft wegen Mordes

Im Dezember 2013 wird ein Coburger Bordellbetreiber brutal ermordet. Fast drei Jahre später werden die Täter zu lebenslanger Haft verurteilt – im zweiten Anlauf.

Stand: 07.09.2016

Justizia | Bild: pa/dpa

Zwei Männer aus dem Rockermilieu müssen für den Mord an einem Coburger Bordellbetreiber lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte sie am Vormittag (07.09.16) als Auftragsmörder. Als Auftraggeber standen eine Frau und ihr Ehemann vor Gericht. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die vier gemeinsam geplant hatten, den Bordellbetreiber zu überfallen und schwer zu verletzen. Die Vorsitzende Richterin sprach von einem "furchtbaren Verbrechen".

Raub mit Todesfolge

Dennoch: Es sei nicht geplant gewesen, das Opfer bei der Tat zu töten, urteilte das Gericht. Deshalb sei die Frau als Mittäterin bei Raub mit Todesfolge schuldig, nicht aber als Mittäterin bei Mord. Dafür verurteilten sie die Richter zu zwölf Jahren Gefängnis. Die 44-Jährige lebte von ihrem Ehemann getrennt und führte eine Beziehung mit dem Opfer. Den beiden Mördern hatte sie den Hausschlüssel gegeben und mit einem Anruf sichergestellt, dass das Opfer zu Hause war. Ihr Ehemann erhielt wegen Anstiftung unter Einbeziehung zweier früherer Urteile eine Strafe von zwölf Jahren und einem Monat.

Erstes Urteil 2015

Damit erhielten die vier Angeklagten deutlich höhere Haftstrafen als noch im ersten Prozess. Im Februar 2015 war das Quartett zwar auch zu langen Gefängnisstrafen verurteilt worden, allerdings nicht wegen Mordes sondern wegen Totschlags. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Tochter des Opfers, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, legten daraufhin erfolgreich Revision gegen die Urteile beim Bundesgerichtshof ein. Über 100 Zeugen und zahlreiche Sachverständige waren während des gesamten Prozesses geladen.

Ein aufwendiger Prozess

Der Bundesgerichtshof verwies den Fall zur erneuten Verhandlung und Entscheidung zurück an eine andere Schwurgerichtskammer am Landgericht Coburg, die damit einen der aufwendigsten Prozesse in der Geschichte des Gerichts wieder aufrollen musste. Mitte Dezember 2013 hatten die zwei Hauptangeklagten den Bordellbesitzer im Auftrag brutal ermordet.

Hintergrund: Mord im Coburger Rotlichtmilieu

Das Opfer, ein Ex-Musiker am Landestheater Coburg, betrieb als Rentner ein Stundenhotel und eine Gaststätte. Seine Freundin, eine heute 44-jährige Brasilianerin, hatte der Mann im Rotlichtmilieu kennengelernt. Sie war damals mit einem anderen Mann verheiratet, er leitete für das spätere Opfer die Gaststätte. Als diese kaum noch Geld abwarf, kam es zum Streit über die künftige Führung des Lokals. Die Freundin des Opfers und ihr Noch-Ehemann hätten beschlossen, den Rentner zu töten, so die Staatsanwaltschaft. Das Ziel: das Erbe des Mannes. Gleichzeitig wollten sie die Geschäftsführung des Stundenhotels übernehmen. Das Opfer vermietete dort Zimmer an Prostituierte.

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