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Erzbistum Bamberg Priester entlassen – Zoff auf Facebook

Der Bamberger Priester Stefan Hartmann ist aus dem Klerikerstand entlassen worden. Ein entsprechendes Dekret wurde ihm von Erzbischof Schick überreicht. Hartmann darf nun heiraten, aber kein Seelsorger im Dienst der Kirche mehr sein. Er reagiert verletzt.

Stand: 21.01.2016

Stefan Hartmann vor der St. Bartholomeuskirche in Oberhaid bei Bamberg | Bild: picture-alliance/dpa

Das Erzbistum Bamberg leiste die rechtlich vorgesehenen Nachzahlungen für Hartmanns Rentenversicherung, so dass seine Altersversorgung gesichert sei, heißt es in der Mitteilung, die die Erzdiözese via Facebook publizierte. Weiter heißt es, Hartmann könne keine seelsorgerischen Aufgaben im Erzbistum übernehmen.

"Anderslautende Zusagen konnte es nicht geben und hat es nicht gegeben."

Erzbistum Bamberg via Facebook

Das entsprechende päpstliche Dekret wurde Hartmann den Angaben zufolge am Dienstag (19.01.16) in Bamberg übergeben. Auch Weihbischof Herwig Gössl war demnach anwesend.

Deutliche Kritik von Hartmann

Diskussion auf Facebook

Kritik Hartmanns auf Facebook

Hartmann nannte die Mittelung des Erzbistums in einem Facebook-Kommentar verletzend und diskriminierend. Er kritisierte, dass er nun "weder Lektor, noch Ministrant, noch Kommunionhelfer in katholischen Gemeinden" im Erzbistum sein könne. Bereits im Vorfeld hatte Hartmann wiederholt betont, das Erzbistum habe ihm eine Weiterbeschäftigung im Laienstand in Aussicht gestellt oder diese zumindest "nicht ausgeschlossen".

Stefan Hartmann

"Das lateinische zweiseitige Dekret wurde mir unübersetzt (…) zur Unterzeichnung vorgelegt. (…) Außerdem war mir bei Unterzeichnung nicht bekannt, bzw. wurde mir verschwiegen, dass ich nicht einmal mehr die Rechte eines getauften Laien habe. (...) Somit bin ich als promovierter katholischer Theologe hierarchisch UNTER ein Kommunionkind gestellt! Wie sollen die vielen hundert Kommunionkinder, die ich seit 1996 im Erzbistum Bamberg zur Kommunion führen durfte, das verstehen? Das Ganze verletzt meine Würde und diskriminiert mich als Mensch, Christ und Theologe."

Stefan Hartmann in einem Kommentar auf Facebook

Das Erzbistum Bamberg führte in seiner Stellungnahme aus, Hartmann habe die im Dekret enthaltenen Auflagen schriftlich akzeptiert. "Er ist damit aus dem Klerikerstand entlassen."

Hintergrund: Tochter und Freundin

Theologe Hartmann hatte vor zwei Jahren in einer Fernsehsendung bekanntgegeben, er sei Vater einer bereits volljährigen Tochter. Es folgte ein langer, teils medial ausgetragener Streit zwischen Hartmann und dem Erzbistum, in dem unter anderem von einem "Maulkorb" für den damaligen Pfarrer die Rede war. Vor einem Jahr einigte man sich schließlich, mit der Zölibat-Frage nicht mehr das "mediale Rampenlicht" suchen. Im vergangenen Herbst gab Hartmann sein Amt als Pfarrer in Oberhaid bei Bamberg auf und beantragte in Rom die Befreiung vom Zölibatsversprechen. Er will nun seine Freundin heiraten.

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Ernst Werner Wolff, Pfr.i.R., Freitag, 22.Januar, 14:55 Uhr

17. Stefan Hartmann

Seit einigen Jahren ist mir Stefan Hartmann dadurch ungut aufgefallen, dass er ständig von hoher Warte andere Menschen und ihre Meinungen durch kluge Artikel in der Presse und in Internetforen abgekanzelt hatte. War es sein immerhin doch noch schlechtes Gewissen im Bezug auf sein Privatleben, dass ihn oft so hart und vernichtend urteilen hieß? Daraufhin von mir brieflich angesprochen, hat er mir klar zu machen versucht, dass ich auch zu denen wohl gehöre die... Ich erspare mir die Schilderung seiner Ausdrucksweise!
Darauf angesprochen müsste er zugebemn, dass ich wirklich versucht habe in mitbrüderlicher und verständnisvoller Weise versucht habe, auf ihn einzuwirken. Er ist fast darüber "explodiert".
Selbstverständlich ist jetzt die katholische Kirche und ihr Bischof der Schuldige und darüber hinaus Hartmanns Suspendierung für so manchen Zeitgenossen ein willkommener Anlass auf DIE KIRCHE einzuhacken, wie man auch bei der Lektüre der hier veröffentlichten Kommentare feststellen kann.

  • Antwort von Dr. Stefan Hartmann, Samstag, 23.Januar, 17:37 Uhr

    Wann soll dieser Briefwechsel gewesen sein und um was ging es darin? MfG, SH

Regina Grotefend-Müller, Freitag, 22.Januar, 13:02 Uhr

16. Willkür

@Igor @ Warze,Heiner
Sie liegen vollkommen falsch mit Ihren Äußerungen: Bischöfe haben eine Fürsorgepflicht gegenüber den Priestern, das betrifft sehr wohl auch, sich mit darum zu kümmern, wie es nach der Dispens weitergeht. Aus anderen Bistümern sind andere Modalitäten durchaus bekannt. Es kommt darauf an, wie man miteinander umgeht. EB Schick hat in Bamberg offenbar einen sehr autoritären, wenig pastoral-menschlichen Stil. Das Bistum könnte sehr wohl einen Pfarrer, der nicht nur sehr beliebt, sondern auch theologisch sehr qualifiziert ist, als "Laie" mit deutlicher Kompetenz in anderen Bereichen der Seelsorger einsetzen. Ich halte die Reaktion des EB für absolut arrogant und verfehlt. Sie zeugt in keinster Weise von Klugheit und Weitsicht, sondern ist demütigend, beleidigend gegenüber ihrem langjährigen "Diener" Stefan Hartmann und auch gegenüber seiner Lebenspartnerin. Wenn Kirche so handelt, verspielt sie die wenigen Chancen, die ihr überhaupt noch geblieben sind.

  • Antwort von Igor, Freitag, 22.Januar, 14:47 Uhr

    Wieso soll ein Bischof irgendwelche Pflichten haben? Wer sagt das?

    Stefan Hartmann kann auch als Laie nirgendwo eingesetzt werden, da er die katholische Lehre in wichtigen Punkten ablehnt. So einer richtet mehr Schaden als er nützt.

  • Antwort von Regina Grotefend-Müller, Freitag, 22.Januar, 17:26 Uhr

    @Igor
    Wie weit reicht bei Ihnen eigentlich Ihr Wissen und das menschlich anständige Mitgefühl und vor allem : woher nehmen Sie das Recht, derartig über andere zu urteilen ? "Wer bin ich, darüber zu urteilen", sagte schon Papst Franziskus und hat in anderen Zusammenhängen bischöfliche Hoffarten kritisiert und eindeutiges Missfallen an gerade bischöflichem Fehlverhalten in jüngster Zeit geäußert. Maßen Sie sich hier also nicht an, über jesuanischer Barmherzigkeit zu stehen, oder wollen Sie behaupten, Jesus selbst habe sich von Menschen abgewandt, die sich in Notlagen befanden oder denen großes Unrecht widerfahren ist, ja, auch und gerade von Pharisäern und Schriftgelehrten! Was Sie hier äußern ist beschämend , unwürdig und beleidigend.

  • Antwort von Dr. Stefan Hartmann, Samstag, 23.Januar, 17:46 Uhr

    Vielen Dank, Regina Grotefend-Müller! Mit diversen Hass-mails, wie denen des Herrn Igor, muss ich derzeit leben. Die katholische Glaubenslehre lehne ich genauso wenig ab wie es Papst Franziskus tut. Im übrigen gäbe es auch Stellen außerhalb der Seelsorge und Verkündigung im Archivwesen, in der Verwaltung oder Medienarbeit, die nicht im Widerspruch zum päpstlichen Dekret stünden.

Igor, Freitag, 22.Januar, 11:55 Uhr

15. Gut so

Solche Priesterdarsteller braucht die Kirche nun wirklich nicht. Hat er nicht gewusst, was die Konsequenzen sind, wenn er den Zölibat bricht (den er FREIWILLIG gelobt hat)? Wie hat er sich das vorgestellt? Dass er unverheiratet mit seiner Freundin zusammenleben und weiter Priester bleiben darf?

Und lateinische Entlassungsdekret konnte der Doktor der Theologie nicht verstehen? Lächerlich...

tom, Freitag, 22.Januar, 06:30 Uhr

14.

Ja ja, die barmherzige Kirche mal wieder!

Maria, Donnerstag, 21.Januar, 20:31 Uhr

13. Stefan Hartmann bleibt Priester !

Die Weihe kann dem Priester Stefan Hartmann niemand mehr wegnehmen. Wenn er aus den kirchlichen Räumen verjagt wird, bleibt ihm immer noch der weite Raum EXTRA MUROS. Dort ist der Bedarf an priesterlichen Menschen größer als innerhalb der Kirchenmauern. Stefan Hartmanns Exodus ist beeindruckend, transparent und wird von sehr vielen Katholiken respektiert, auch wenn er weg führt von den "Fleischtöpfen Ägyptens".