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Peggy und der NSU Forensiker bezweifelt Ermittlungspanne

Ist der Fund der Böhnhardt-DNA in der Nähe von Peggys Leiche tatsächlich auf eine Ermittlungspanne zurückzuführen? Für den Forensiker Prof. Dirk Labudde ist das nicht auszuschließen, erstaunlich wäre es aber allemal.

Stand: 28.10.2016

Polizisten untersuchen den Fundort der vermissten Peggy K. | Bild: Bayerischer Rundfunk

In einem Interview mit Bayern 2 sagte der Wissenschaftler der Hochschule Mittweida in Sachsen, dass es nach der Verwendung von Instrumenten an einem Tatort eindeutige und klare Vorschriften gebe. Gerade, wenn es um großflächige Tatorte gehe und somit auch viele Möglichkeiten der Kontaminierung bestünden, seien die Vorschriften streng, so Labudde.

Chemische, thermisch oder biologische Reinigung

Die Vorschriften sehen dem Wissenschaftler zufolge eine chemische, thermische oder biologische Reinigung über Enzyme vor. So sollten keine DNA-Spuren mehr zu finden sein. Außerdem bezweifelt der Forensiker die Möglichkeit, dass Geräte über einen Zeitraum von fünf Jahren nicht ordnungsgemäß gereinigt werden. So groß ist die Zeitspanne zwischen den Untersuchungen des NSU-Wohnwagens und jenen des Fundorts der Leiche Peggys.

Theoretisch sei DNA aber bei korrekter Lagerung sehr lange haltbar. Auch reichen nur wenige Hautzellen für eine Verunreinigung aus, so Labudde. Dennoch müsste im Fall Peggy-Böhnhardt eine doppelte Kontaminierung vorliegen – zunächst vom NSU-Wohnwagen auf das Instrument und dann, fünf Jahre später, vom Instrument auf das gefundene Stoffstückchen am Fundort von Peggys Leiche.

Staatsanwaltschaft sieht Anhaltspunkte für Verunreinigung

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hält derzeit eine DNA-Verunreinigung für möglich. Zurückzuführen könnte sie auf eine Panne bei den Ermittlern der Thüringer Polizei sein. Im Rahmen der Qualitätssicherung seien alle Spuren vom Fundort Peggy und dem Obduktionsbericht von Uwe Böhnhardt abgeglichen worden. In beiden Fällen habe die Polizei Thüringen offenbar identisches Spurensicherungsgerät verwendet. Damit hätten sich "mögliche Anhaltspunkte" ergeben, dass eine Verunreinigung der DNA-Spur vorliege, so die oberfränkische Polizei.

Lückenlose Überprüfung angekündigt

Nun wird eine weitere Stelle beauftragt, alle Spuren nochmals zu untersuchen. Die Ermittler wollen den genauen Weg der Spuren, deren Sicherung und Bearbeitung in Thüringen und Bayern lückenlos überprüfen. Vor knapp zwei Wochen war bekannt geworden, dass die DNA-Spur von Uwe Böhnhardt am Fundort der Leiche von Peggy festgestellt worden war.


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Kommentare

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Angelika Oetken , Samstag, 29.Oktober, 20:36 Uhr

6. Die Aufmerksamkeit wird Wachsamkeit nach sich ziehen


Auf Zeit-online gibt es einen NSU-Blog. Dort wird sehr detailliert über alles informiert. Die DNA-Spuren sind nur ein Hinweis auf die Beteiligung von Menschen aus dem Umfeld des Trios Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe in verschiedene Formen der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. Es gibt noch viel mehr Verdachtsmomente. Insbesondere für die Behörden, die mit den Rechtsterroristen zu tun hatten und sich ihrer mutmaßlich bedient haben, wird es langsam schwierig, ihre Beteiligung zu verschleiern. Und das ist gut so. In der taz erschien am 11.10. diesen Jahres ein Artikel mit der Überschrift "Im Kern braun". Darin geht es um die politische Protektion von NS-Verbrechern in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Welche Folgen es hatte, dass dies nie wirklich aufgearbeitet wurde, bemerken wir daran, dass menschenfeindliche Einstellungen längst wieder salonfähig geworden sind. Wachsamkeit ist nötig.

Artus, Freitag, 28.Oktober, 21:30 Uhr

5. Zweifel sind angebracht

Ich bin da ganz nahe bei Herrn Prof. Labudde. Äußerst seltsam und ungewöhnlich ist alles was sich im Fall Peggy und NSU abspielt und abgespielt hat.
Verfassungsschutz und Polizei nicht nur aus Bayern und Thüringen habe sich da bestimmt kein gutes Zeugnis ausgestellt.
Was sich bei der Nichtaufklärung des Oktoberfestes abgespielt hat, bei dem eine ganze Hand, die nicht dem vermeintlichen Einzeltäter gehörte, abhanden gekommen ist, sollte im Zusammenhang von Rechtem Terrorismus vielleicht an dieser Stelle nochmal erwähnt werden.
Mich würde es nicht wundern wenn auch in diesem Fall der länderübergreifend, konkurrierende Verfassungsschutz seine Finger im Spiel hat.

Nic, Freitag, 28.Oktober, 17:55 Uhr

4. Sehr Merkwürdig.

Es stellen sich soviele Fragen, wie kann es sein, dass der große Meterstab überhaupt mit dem Beweisstück, einem kleinen Stofffetzen, in Berührung kam?
Den Meterstab legt man doch beim ausmessen nicht auf das Beweisstück drauf. Die Fundstelle wird normalerweise markiert und dann das Beweisstück, ohne es zu berühren, mit einer sterilen Pinsette oder ähnl. in eine Tüte gesteckt und verschlossen, läuft jeden Abend bei diversen "Medical Detectives"-Sendungen wie das geht. Und dann gabs da noch die "Panne" mit der ermordeten Polizistin Kiesewetter, die DNA von der angebl. Täterin (das Phantom) wurde jahrelang in ganz Deutschland an vielen anderen Tatorten gefunden, bis man bemerkt hat, die Wattestäbchen wurden schon bei der produktion von einer Angestellten mit ihrer DNA verseucht. Der Verfassungsschutz hat massiv seine Finger im Spiel gehabt, verdeckte und höchst kriminelle, rechtsradikale Ermittler geschmiert und Akten vernichtet usw., der Tatort in dem Wohnmobil wurde unbrauchbar gemacht

Wanda, Freitag, 28.Oktober, 17:52 Uhr

3. es gibt für alles Sachverständige...

- egal wie's ausgeht, eine Blamage: was sind DNA-Bestimmungen als Beweis noch wert, wenn wie in diesem Fall offenbar schlampig gearbeitet wurde und Zweifel aufkommen ?
Tatsache ist, es wurde von bestimmter Seite zu früh hurrah geschriehen und die Medien sind auch vorauseilend auf den Zug aufgesprungen...

Werner, Freitag, 28.Oktober, 17:35 Uhr

2. Der NSU-Fall ist in der Kriminalgeschichte so einmalig

dass einem schon Zweifel kommen dürfen.