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Lessing, Tolstoi und Stephen King auf der Bühne Neue Spielzeit in der Studiobühne Bayreuth

Mit insgesamt sechs Neuinszenierungen und einem Tag der offenen Tür mit Theater-Flohmarkt startet die Bayreuther Studiobühne in die Spielsaison 2017/2018. Auf dem Spielplan stehen unter anderem Lessing, Tolstoi und Stephen King.

Von: Christiane Scherm

Stand: 05.10.2017

Regisseure und Mitarbeiter der Studiobühne Bayreuth in der Werkstatt des Theaters. | Bild: BR-Studio Franken/Christiane Scherm

Unter dem Motto "Platz für Neues" können Interessierte am 22. Oktober unter anderem Kostüme, Requisiten, Scheinwerfer und Plakate des Theaters erwerben. Besucher dürfen den Schauspielern außerdem bei öffentlichen Proben und Theateraufführungen über die Schulter schauen. Das wurde am Mittwoch (04.10.17) bei einer Pressekonferenz in Bayreuth bekannt.

"Der Boxer" von Felix Mitterer

Das erste Stück "Der Boxer" von Felix Mitterer in der Inszenierung von Birgit Franz feiert am 27. Oktober seine Premiere. Das Stück spielt in der Zeit des Nationalsozialismus. Es geht um einen Boxer, der aus einer Sinti-Familie stammt und im Konzentrationslager ums Überleben kämpfen muss.

Hauptdarsteller Lukas Stühle boxt auch privat – die Boxszenen seien also kein Problem für ihn, sagte Regisseurin Birgit Franz dem Bayerischen Rundfunk.

Kinderstück "Ein Dings namens Pawlak"

Am 12. November feiert das Kinderstück "Ein Dings namens Pawlak" seine Uraufführung in Bayreuth. Regisseur Werner Hildenbrand bezeichnete das Stück als "Weihnachtsgeschichte voller Wunder".

Es geht um die kleine Lilly, die vor dem Weihnachtsstress in ihrer Familie flüchtet – und um Karim, der als Muslim kein Weihnachten feiert. Die beiden spielen im Schnee, als plötzlich eine Rollerfahrerin namens Pawlak heranbraust. Sie hilft, die Streitereien in Lillys Familie zu schlichten. Am Ende des Stücks können die Zuschauer rätseln: Ist Pawlak ein "Dings" mit Flügeln?

Klassiker "Minna von Barnhelm"

Der Klassiker "Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing in der Regie von Marcus Leclaire wird am 2. Dezember zum ersten Mal aufgeführt. Leclaire vermutet, dass viele Schulklassen aus Bayreuth das Stück besuchen werden.

"Ich wollte etwas Heiteres auf die Bühne bringen. Die Sprache von Lessing ist sehr schwierig, deshalb muss es richtig vorgetragen werden."

Marcus Leclaire, Regisseur

Stephen King auf der Bühne

Zwei Tage vor dem Heiligen Abend (am 22. Dezember) feiert der Thriller "Misery" Premiere – ein Stück nach einem Roman von Stephen King. Es geht um einen Schriftsteller, der die Hauptfigur seiner Romanserie "Misery" sterben lässt, um endlich tiefgründige Literatur zu schreiben. Nach einem Autounfall wacht er allerdings bei einer Frau auf, die sich als großer Fan entpuppt. Sie sperrt ihn in einem abgelegenen Bauernhof ein und zwingt ihn, ein neues Buch der Reihe zu schreiben.

"Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, den Thriller von Stephen King in der Weihnachtszeit zu spielen. Er passt gut in die dunkle Jahreszeit – und kann auch einen Kontrast zu Weihnachten bilden."

Anja Dechant-Sundby, Regisseurin

Das Stück wurde bereits am Broadway in New York gespielt – dort hatte Bruce Willis die Hauptrolle. Auf dem Spielplan im neuen Jahr stehen außerdem noch "Anna Karenina" nach dem Roman von Leo Tolstoi und "Die Hamlet-Maschine" von Heiner Müller.

Stadthalle als Spielort denkbar

Die Verantwortlichen sprechen bei der Pressekonferenz von "100 Prozent Auslastung" auf der halbprofessionellen Bühne. "Die Räume hier in der Röntgenstraße sind natürlich relativ klein – und teilweise müssen wir Kinderstücke zwei Mal am Tag spielen, weil wir so viele Anfragen haben", so Regisseurin Birgit Franz.

Deshalb machen sich die Verantwortlichen bereits Gedanken, mit einzelnen Stücken auf das Kleine Haus der bis 2019 frisch sanierten Bayreuther Stadthalle auszuweichen.

"Es wäre gut, wenn ein bestimmtes Stück extra für das Kleine Haus geschrieben wird und dort aufgeführt wird. Die anderen Stücke können dann in der Studiobühne bleiben."

Werner Hildenbrand, Intendant der Studiobühne Bayreuth

Stichwort: Studiobühne Bayreuth

Die Studiobühne bringt pro Jahr etwa zwölf Neuproduktionen mit rund 200 Aufführungen auf die Bühne. Im Schnitt besuchen 20.000 bis 25.000 Zuschauer die Theateraufführungen. Auf der Bühne steht nur ein kleiner Teil von professionellen Schauspielern. Der Großteil sind Amateure, die "nebenbei" noch einen Beruf haben.


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