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Steigerwald-Streit Bund Naturschutz kündigt Revision an

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die Aufhebung des Waldschutzgebiets im Steigerwald für rechtens erklärt. Die Naturschützer wollen sich damit nicht zufrieden geben und kündigen eine Revision an.

Von: Heiner Gremer

Stand: 29.07.2016

Naturschützer in München | Bild: BR/Michael Zametzer

Vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München sind der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit ihrer Klage gegen die Aufhebung des Naturschutzgebiets "Hoher Buchener Wald" im Steigerwald gescheitert. Da eine Revision beim Bundesverwaltungsgerichtshof zulässig ist, wollen die Naturschützer dieses Rechtsmittel auch ausschöpfen, teilt der BN in einer Presseerklärung mit. Bis dahin wollen BN und LBV nun noch intensiver für einen Nationalpark Steigerwald kämpfen.

"Wir werden uns für einen Nationalpark Steigerwald in einer bayernweiten Kampagne bis zur Landtagswahl und vor Ort im Steigerwald einsetzen. Bayern soll seinen ersten Laubwaldnationalpark in Franken im Steigerwald bekommen."

Hubert Weiger, Landesvorsitzender Bund Naturschutz Bayern

BN fordert Verzicht auf Abholzungen

Gleichzeitig fordert der Bund Naturschutz von den Bayerischen Staatsforsten und dem Forstministerium, auf Abholzungen in den abgewickelten Schutzgebiet bis zum Abschluss des Revisionsverfahrens zu verzichten. Der BN fürchtet, dass die von ihm kartierten, mehr als 6.000 Starkbäume dort nun von den Bayerischen Staatsforsten gefällt und zu Geld gemacht werden.

Trittsteine sollen Wald schützen

Auf diese Befürchtung gehen die Bayerischen Staatsforsten in einer Pressemitteilung nicht ein. Vielmehr teilen sie mit, dass sich niemand um den Naturschutz im Steigerwald sorgen müsse. In dem umstrittenen Waldstück im Ebracher Forst werde man sogenannte Trittsteine – kleine Biotope – einrichten, in denen sich die Natur ohne Eingriff von außen natürlich entwickeln könne.

"Niemand braucht Sorge haben, dass der Naturschutz im Steigerwald jetzt zu kurz kommen würde."

Ulrich Mergner, Forstbetriebsleiter Staatsforsten Ebrach

Bei diesen sogenannten Trittsteinen handelt es sich allerdings nur um sehr kleine, nicht zusammenhängende Flächen, die nicht dafür geeignet sind als Grundlage für einen Nationalpark zu dienen.

CSU änderte Naturschutzrecht

Das 775 Hektar große Gebiet im Steigerwald ist seit Jahren ein Zankapfel. Nachdem das Landratsamt Bamberg die Wälder 2014 zum Schutzgebiet ausweisen ließ, änderte der Landtag extra das bayerische Naturschutzgesetz, um den Wald weiterhin wirtschaftlich nutzen zu können. Entscheidungen über Naturschutzgebiete von mehr als zehn Hektar Größe sollen künftig die Bezirksregierungen fallen. Diese sind – im Gegensatz zu den Landratsämtern – gegenüber der Staatsregierung weisungsgebunden. Die Regierung von Oberfranken stoppte daraufhin im vergangenen Jahr das Schutzgebiet "Hoher Buchener Wald".

Hintergrund des Gerichtsverfahrens

Um den Steigerwald tobt seit Jahren ein erbitterter Streit: Umweltschützer wollen ihn wegen seiner uralten Buchenbestände zum Nationalpark machen, die Holzwirtschaft ist strikt dagegen und bekommt dabei Unterstützung von der Staatsregierung. Kein Nationalpark, dafür aber UNESCO-Weltnaturerbe soll der Steigerwald werden, wenn es nach dem Willen von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) geht. Das kritisieren Naturschutzverbände als Mogelpackung. Denn Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung als UNESCO-Weltnaturerbe sei ein zusammenhängendes Schutzgebiet, zu dem auch das Gebiet "Hoher Buchener Wald" gehören müsse.

Streit um Steigerwald

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Huttne Georg, Sonntag, 31.Juli, 22:17 Uhr

1. Kein Nationalpark Steigerwald

Es ist an der Zeit , daß dem BND und anderen Naturschutzverbänden endlich ihre Grenzen aufgezeigt werden.

  • Antwort von Waldgott Gottwald, Montag, 01.August, 16:11 Uhr

    Sie liegen falsch.

    Das Gegenteil ist der Fall. Die Staatsregierung bedient sich demagogischer Lokalpolitiker, um Teile der Bevölkerung vor Ort gegen einen NP aufzubringen und behauptet dann, man wolle keinen NP, weil die Einheimischen dagegen seien. Der Verein Nationalpark Nordsteigerwald ist der beste Gegenbeweis. Große Mengen Buchenholz werden an österreichische Großsägewerke geliefert, man kann das nachvollziehen, wenn man sich die Polter am Wegrand genau ansieht, dort findet man immer den Namen eines solchen. Offenbar haben Großsägewerken und die Bayerischen Staatsforsten einen massiven Holzabbau in bayerischen Buchenwäldern vor. Die Staatsregierung verscherbelt das fränkische Naturerbe. Es ist zum Heulen, dass viele das gar nicht kapieren. Sie denken stattdessen, der Bund Naturschutz wolle ihnen ihr Eigentum und ihren Gestaltungsspielraum bei der Naturnutzung nehmen. Das ist völlig absurd. All jene werden ihren Steigerwald in ein paar Jahren nicht mehr wiedererkennen.