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Bayerischer Nahversorgungstag in Hallstadt Neuer Dorfladen als Ersatz für "Tante Emma"

Beim bayerischen Nahversorgungstag in Hallstadt (Lkr. Bamberg) hat sich alles um die Versorgung der Landbevölkerung gedreht. Das Problem: Typische "Tante Emma"-Läden sind fast überall verschwunden und Supermarktketten siedeln sich nicht in Dörfern an.

Von: Heiner Gremer

Stand: 19.10.2017

Auf dem Land müssen Menschen oft zehn Kilometer oder mehr zurücklegen, um zum nächsten Lebensmittelgeschäft zu kommen. Deshalb werden Dorfläden, die von Bürgern geführt werden, für die Nahversorgung immer wichtiger. Bayernweit gibt es davon rund 100 Stück, der Großteil in Franken.

Innovative Konzepte für Dorfläden

Beim Nahversorgungstag Bayern wurden innovative Konzepte vorgestellt. Die Fachtagung hat sich vor allem an Vertreter aus Handel, Politik, Verwaltung und Wirtschaft gerichtet. In Vorträgen und Best-Practice-Beispielen wurden zum Beispiel der "Frischemarkt" in der Marktscheune Hallstadt oder der Dorfladen "hoch 2" in Aidhausen (Lkr. Haßberge) vorgestellt. Im unterfränkischen Aidhausen sind der Dorfladen und eine Mehrgenerationenwerkstatt im selben Gebäude untergebracht.

Christian Hörmann, Büroleiter der Beratungsgesellschaft cima in München berichtet im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk, dass solche Beispiele gut funktionieren würden. Wenn auch ein Arzt oder eine Apotheke im gleichen Gebäude seien, würden sie sich gegenseitig Kunden bringen.

Neuer Dorfladen im Landkreis Coburg

Sie stehen hinter dem Projekt: Wolfgang Vogt (links) und Dieter Scherbel (rechts), erster und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafter.

Ein ganz neuer Dorfladen entsteht gerade im südlichen Landkreis Coburg: Im "Itzgrund Markt" wird es neben dem normalen Lebensmittelsortiment auch einen Metzger, einen Bäcker und ein kleines Café geben. Dieses Rundum-Angebot soll den Dorfladen zum Treffpunkt für die rund 2.200 Einwohner der Gemeinde Itzgrund werden.

Eigentlich hätte der "Itzgrund Markt" längst öffnen sollen. Doch die Initiatoren hatten große Probleme, einen Großhändler als Lieferanten zu finden.

"Die haben uns ausgebremst, deshalb mussten wir die Eröffnung mehrfach verschieben. Jetzt haben wir aber einen regionalen Lieferanten gefunden und werden im November mit Metzger, Bäcker und Café starten, im Dezember dann mit dem gesamten Vollsortiment und rund 3.000 Artikeln öffnen."

Dieter Scherbel, stellvertretender Vorsitzende der Gesellschafter

Das sei kein Einzelfall, bestätigt Christian Hörmann von cima. Große Lieferanten seien Edeka, die Rewe Gruppe oder auch regionale Großhändler. Die Händler fordern von den Dorfläden die Abnahme von bestimmten Mindestmengen. Vor allem in der Anfangszeit sei es aber schwer abzuschätzen, wie viel Ware so ein Laden benötigt. Hier gelte: Je besser der Businessplan und die betriebswirtschaftliche Vorbereitung sei, desto besser lasse sich einschätzen, welche Verträge man eingehen könne und welche nicht.


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Peter Fischer, Donnerstag, 19.Oktober, 16:00 Uhr

1. Hallstadt ist ja auch wirklich auf einen Dorfladen angewiesen!

Haben sich die Verantwortlichen mal umgeschaut, was Hallstadt an Super-, Bau und sonstigen Märkten hat? Da hätte man sicher einen günstigeren Tagungsort finden können, der die Problematik (die unzweifelhaft existiert) repräsentiert. MIt Hallstadt hat man einen Standort gefunden der sicherlich für das Ende etlicher Nahversorgungsmöglichkeiten mitverantwortlich ist.