19

Fehlender Nahverkehr auf dem Land Mitfahr-Bänke: Warten und mitgenommen werden

Abends und am Wochenende mangelt es auf dem Land häufig an Busverbindungen. Je weiter weg von der Stadt, desto schwieriger die Anbindung. Abhilfe wollen sogenannte "Mitfahr-Bänke" schaffen. Von Tanja Rohr

Von: Tanja Rohr

Stand: 25.08.2017

Mitfahrbank in Oberfranken: Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr | Bild: BR-Studio Franken / Tanja Rohr

Besonders betroffen sind häufig Senioren: Sie kommen aus ihrem Dorf ohne Busverbindung weder zum Einkaufen noch in die Apotheke oder zum Arzt. Ihnen sollen die "Mitfahr-Bänke" zu mehr Mobilität verhelfen. Das Prinzip: Einfach darauf hinsetzen und kurz warten, bis jemand anhält und einen mitnimmt. Und das funktioniert in vielen Gemeinden Frankens überraschend gut. Allerdings darf es der Wartende nicht eilig haben.

Himmelblau wartet sie auf Nutzer

Mittlerweile gibt es solche Mitfahrbänke beispielsweise im oberfränkischen Bräuningshof, in Bubenreuth und Buckenhof bei Erlangen, in Sparneck im Landkreis Hof, im unterfränkischen Wiesentheid bei Kitzingen und in Ramsthal im Landkreis Bad Kissingen.

So steht in Sparneck im Landkreis Hof eine himmelblau gestrichene Bank, direkt neben einer Bushaltestelle. Über ihr prangt das rieisge Schild "Mitfahrbank". Die Gemeinde stellte die Bank auf Initiative des Studenten Korbinian Göths auf.

"Ich muss zugeben, das war nicht meine Idee, sondern ich habe es in der Zeitung gelesen und gedacht, das wäre auch was Schönes für den Ort."

Korbinian Göths

Sparneck hat 1.730 Einwohner. Wie in vielen anderen ähnlichen Orten in Franken haben auch in Sparneck viele Bewohner ein Problem: Ohne Auto kommen sie schlecht weg. Der Bus-Fahrplan hat riesige Lücken, abends und am Wochenende tut sich gar nichts. Eine engere Taktung rechnet sich aber nach Aussage von Bürgermeister Reinhardt Schmalz nicht. Nun soll die Mitfahrbank eine Ergänzung zum Bus bieten. Gemeinderäte und Bürgermeister entschieden sich für eine einjährige Testphase.

Ein Lächeln als Bezahlung

Allerdings lebt die Idee nur, wenn auch Autofahrer mitmachen. So wie zum Beispiel Heinz Dietel. Der Rentner hat schon viele mitgenommen, denn er will die Idee unterstützen. Er fährt oft ins zehn Kilometer entfernte Münchberg. Und da er die Menschen in der Gegend meistens zumindest vom Sehen kennt, fällt es ihm leichter, jemanden bei sich einsteigen zu lassen.

"Ich finde eben, das schweißt die Gemeinschaft besser zusammen, man kennt Leute, die man früher nicht gekannt hat und es gibt immer eine schöne Unterhaltung auf der Fahrt."

Heinz Dietel

Der Service ist kostenlos, "ein Lächeln und das ist alles", so Dietel. Allerdings ist die Nutzung auf eigene Gefahr. Bei einem Unfall greift die Auto-Haftpflicht des Unfallverursachers.


19

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Optic, Montag, 28.August, 06:51 Uhr

3. Die digitalisierte Mitnahmebank

Ein Erlebnis sonderbarer Art erlebte ich vor fast 2 Jahren. Eine ältere Frau saß auf einer Mitnahmebank. Ich kannte sie nicht. Dachte aber sie wolle mitgenommen werden. Also hielt ich stieg aus, öffnete die Tür und forderte sie auf einzusteigen. Etwas zögerlich erhob sie sich und stieg ein. Die Kommunikation war schwierig. Russisch. Ich rief eine gute Freundin an, die kann gut russisch sprechen. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die Frau gar nicht mitgenommen werden wollte. Sie wollte nur etwas ausruhen.
Deshalb finde ich Mitnahmebänke gut, wenn sie anzeigen (per App, oder Leuchtsignal etc) ob Leute mitgenommen werden wollen und wohin.

Helmut, Samstag, 26.August, 13:45 Uhr

2.

Bei uns gibt es dies schon über 1 Jahr. Es funktioniert sehr gut. Wir sind aber auch eine kleine Gemeinde, wo sich fast jeder kennt und jeden gerne mitnimmt. Bei größeren Ortschaften stelle ich es mir schwieriger vor.

Wolfgang, Freitag, 25.August, 18:30 Uhr

1. Die Idee ist gut und ausbabar, mit moderner Elektronik.

1. in den Zielstätten auch Wartebänke an geeigneter Stelle, dort ein NFC-Trsanponder zur Aktivierung des Fahrtwunsches mit einer "App". Mitteilung an dazu bereite Fahrer per "App", nur mit smartphones registrierter Bürger.
2. Die Gemeinde bietet den KFZ-Haltern ihres Ortes Aufkleber mit NFC-Transponder an, beim Besteigen des Fahrzeuges durch "Oma" oder der 17-jährigen wird per Datenfunk gleich übermittelt auf das e-mail-Konto bei wem eingestiegen wird.
Das ganze um wechselweise die Bedenken und Ängste zu nehmen mit einem Unbekannten zu fahren.
Das Restrisiko geklaugter PKW oder unterschlagendes smartphone dürfte vernachlässigbar sein.