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Gestörte Nachtruhe Keine Kirchenglocken mehr in Pegnitz – vorerst

In der evangelischen Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus in Pegnitz (Lkr. Bayreuth) schlagen im Moment nachts keine Kirchenglocken mehr. Der Grund: Ein Bürger hatte sich über die Lautstärke und Häufigkeit des Glockenschlags beschwert. Nun ist vorerst Ruhe.

Von: Christiane Scherm

Stand: 12.09.2017

Der Pegnitzer fühle sich in seiner Nachtruhe gestört, zitiert Dekan Gerhard Schoenauer aus der Beschwerde-Email, die er bekommen hat. Nach einem persönlichen Gespräch mit dem Mann und in Absprache mit dem Kirchenvorstand hat Schoenauer ohne öffentliche Ankündigung einen Testlauf gestartet. Aktuell sind die Kirchenglocken zwischen 22.15 Uhr und 5.45 Uhr auf Probe ausgeschaltet.

"Ich wollte sehen, wie die Pegnitzer reagieren. Zuerst haben es viele gar nicht bemerkt. Dann aber schon und einige vermissen den Glockenschlag sehr. Andere sagen: Es ist gut so, Nachtruhe ist ein hohes Gut. Jetzt muss der Kirchenvorstand entscheiden, wie es weitergeht."

Dekan Gerhard Schoenauer

Unterschriftensammlung für die Kirchenglocke

Die Pegnitzer Kirchenglocken haben ein besonderes Schlagwerk: Sie schlagen doppelt – also in zwei Richtungen, dass es die ganze Stadt hört, so Dekan Schoenauer. Um Mitternacht gibt es vier Schläge in beide Richtungen – und dann noch zwölf weitere.

Glocken-Befürworter haben inzwischen rund 80 Unterschriften für das Schlagen in der Nacht gesammelt. Der zweite Bürgermeister von Pegnitz Wolfgang Nierhoff (Pegnitzer Gemeinschaft) hat den Eindruck, dass sich mehr Pegnitzer das Glockenschlagen zurückwünschen. Sie orientieren sich daran und wissen anhand des Schlagens, wie spät es ist.

"Die, die es nicht haben wollen, scheinen eine kleinere Gruppe zu sein. Deshalb sollte man sich dem demokratischen Grundprinzip folgend daran orientieren, was die Mehrheit will."

Wolfgang Nierhoff (Pegnitzer Gemeinschaft), 2. Bürgermeister Stadt Pegnitz

Eine endgültige Entscheidung will der Pegnitzer Kirchenvorstand in seiner Sitzung am 19. September treffen. Dekan Schoenauer wäre ein Kompromiss am Liebsten. Eine Möglichkeit wäre, die Glocken nur noch zur vollen Stunde zu schlagen und nicht mehr jede Viertelstunde, so Schoenauer. Denkbar wäre auch, die Glocken in der Nacht leiser schlagen zu lassen – technisch wäre das möglich. Allerdings könnte die Kirche sich den dafür notwendigen Umbau nicht leisten, so Schoenauer.


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Jo Hanna, Sonntag, 17.September, 17:56 Uhr

12. profane nächtliche Glockenschläge sind auch Schläge

Verwunderlich was die Kirche hier für eine Macht ausüben will. Geht nicht die gesetzliche Nachtruhe vor, aus Rücksicht auf die Mitmenschen? Und Rücksicht und Toleranz wird doch täglich von den Kirchen gepredigt. Warum so ein Gezänk,? Wobei das letzte Wort hier wohl die Kirchengemeinde spricht und nicht das Gesetz. Sehr verwunderlich.
Wir haben bereits klare Gesetze: refrago.de/Kann_man_sich_gegen_Glockenlaeuten_wehren.frage119.html

Günther Petrides, Mittwoch, 13.September, 12:42 Uhr

11. Kirchenglocken in Pegnitz

Das Läuten oder Schlagen von Kirchenglocken gehört seit Jahrhunderten zu einem (phonetischen) Ortsbild. Ich wohnte jahrelang gegenüber einer katholischen Kirche und genoss es, die Uhrzeit zu hören, auch nachts. Letzteres nur, wenn ich dies auch wollte. Aus Erfahrung heraus weiß ich, dass man das Läuten oder Schlagen völlig überhört, es nicht zur Kenntnis nimmt und nur dann wahrnimmt, wenn man gezielt darauf achtet. Gestört hat es mich nie.

Old Surehand, Mittwoch, 13.September, 12:06 Uhr

10. kein kirchlicher Zweck

Die Uhrzeit vom Glockenturm hat keinen kirchlichen (liturgischen) Zweck. Und die viertelstündlichen Schläge lassen auch gar keinen Rückschluss auf die Uhrzeit zu, machen also auch insoweit keinen Sinn. Deshalb muss es ernstgenommen werden, wenn das jemand als Ruhestörung empfindet.
Ich kann jedenfalls gut verstehen, dass das als störend empfunden wird.

Etwas anderes ist das sakrale Läuten der Glocken , da gilt kein Immisionsschutzrecht. Was "erlaubt" ist, steht in der Läuteordnung, also z.B. Angelusgebet usw.
Das möchte ich auch nicht missen...

3Franke, Mittwoch, 13.September, 10:01 Uhr

9. Kirchenglocken

Das muss ein Reigschmeckter sein, der sich da stört. Man gewöhnt sich an Glockengeläut und ich habe es dann immer genossen, mit geschlossenen Augen zu hören, was die Uhr schlägt. Wenn es ihn stört, soll er woanders hin ziehn. Warum sollen alle sich den Willen einzelner beugen? Ist das Demokratie?

Nadine, Mittwoch, 13.September, 02:11 Uhr

8. nachts schläft man

da braucht man kein Glockengeläut. Für die Uhrzeit gibt es Uhren. Die Nachtruhe sollte die Kirche in der Tat einhalten. Eigentlich sogar von 22 bis 6 Uhr in der Früh und nicht erst ne Viertelstunde später.