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Nürnberg-Erfurt-Berlin Hat die Bahn genug moderne Güterzugloks?

Auf der ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt könnte es zu Problemen kommen: Einige Güterzugloks sind nicht auf dem neuesten technischen Stand und können so die neue Strecke gar nicht nutzen.

Von: Heiner Gremer

Stand: 09.03.2017

Güterzug | Bild: pa/dpa/Oliver Berg

Ohne das sogenannte ETCS (European Train Control System) kann die Strecke nicht befahren werden, mutmaßt das Coburger Tageblatt in einem aktuellen Bericht. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks  erklärte der Pressesprecher der Bahn AG in Bayern, Anton Knapp, DB Cargo verfüge über ETCS fähige Lokomotiven.

"Die Lokomotiven sind bereits auf der Schweizer Gotthard-Strecke im Einsatz. Diese könnten dann auch auf der VDE 8 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr.8) Strecke Nürnberg-Erfurt-Berlin eingesetzt werden."

Anton Knapp, Pressesprecher der Bahn AG in Bayern

European Train Control System

Bei ETCS handelt es sich um ein computergesteuertes System, das die Position jeder Lok auf der Strecke erfassen kann. ETCS ist ein Zugbeeinflussungssystem und grundlegender Bestandteil des zukünftigen einheitlichen europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystems ERTMS. Es dient der Sicherheit und soll sichtbar machen, wann ein Streckenabschnitt frei befahrbar ist. Güterzug und ICE dürfen sich beispielsweise in Tunneln nicht begegnen. Allein auf der Strecke Ebensfeld-Erfurt gibt es allerdings 22 Tunnel mit insgesamt 41 Kilometern Länge – die neue Technik also dringend notwendig.

Über die Anzahl der zur Verfügung stehenden ETCS Güterloks bei DB Cargo konnte der Bahnsprecher allerdings keine Angaben machen. Zudem können auch andere Anbieter die Strecke nur befahren, wenn ihre Lokomotiven mit dem System ausgerüstet sind.

Die Tunnel zwischen Ebensfeld und Erfurt


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Nürnberger, Donnerstag, 09.März, 11:50 Uhr

2. Viel Wind um nichts

"mutmaßt das Coburger Tageblatt" - es sind also Vermutungen eines Zeitungsredakteurs, keine wirklichen Fakten. Die Bahnunternehmen haben sowohl neue, als auch ältere Lokomotiven. Da notwendig kommen eben künftig die neuen Maschinen mit der entsprechenden Technik zum Einsatz auf der Neubaustrecke und die älteren Modelle auf der Bestandsstrecke. Das Güteraufkommen wird sicher nicht so in die Höhe schnellen, dass die Triebfahrzeuge nicht mehr reichen. Und nicht zu vergessen: Die Fahrzeit ist kürzer, folglich kann eine Lok die Rückfahrt wieder früher antreten, das spart auch Kapazität.

Auf anderen Neubaustrecken gibt es tunnelbedingt auch die Trennung Güter- und Personenverkehr. ICEs fahren tagsüber von Würzburg nach Hannover, der Güterverkehr in den Nachtstunden.

Dass von Nürnberg nach Ingolstadt keine Güterzüge fahren, liegt nicht an den Trassenpreisen, sondern an der hohen Steigung am Kindinger Berg. Gleiches gilt auch für die steigungsreiche Neubaustrecke Frankfurt - Köln

Mies van der Rohe, Donnerstag, 09.März, 11:17 Uhr

1. Trassenpreise

Güterverkehr wird auf dieser Strecke, ebenso wie auf der Schnellfahrstrecke Ingolstadt Nord-Nürnberg eh nicht stattfinden, da einfach die Trassenpreise für Güterzüge zu hoch sind. Güterverkehr kann die möglichen hohen Geschwindigkeiten einer solchen Strecke gar nicht ausnutzen.
Der wird weiter über den Frankenwald fahren...Also auch kein Lokmangel!

  • Antwort von BR 151, Ellok f. d. schweren Güterzugdienst, Donnerstag, 09.März, 13:04 Uhr

    ICE-Strecken werden im Nachtsprung von Güterzügen genutzt, denn dann fahren (fast) keine ICEs. Hier bekommt dann der Güterverkehr auch Vorrang vor dem Personenverkehr, d. h. ICEs usw. müssen warten und den Güterzug überholen lassen.

  • Antwort von 103er, Donnerstag, 09.März, 20:46 Uhr

    die neueren Neubaustrecken haben meines Erachtens andere Steigungen erhalten als beispielsweise Würzburg - Hannover oder Mannheim - Stuttgart. Der Begegnungsverkehr im Tunnel und auch auf offener Strecke ist offensichtlich ein ursprünglich unterschätztes Risiko. Für Eisenbahnfans ist es natürlich schön, wenn wenigstens die Güterzüge auf den Altstrecken bleiben :)

  • Antwort von Messner, Wilfried, Samstag, 11.März, 22:20 Uhr

    Genauso wird es kommen. Da 2-gl Tunnelrühren vorhanden sind, wird das EBA analog der NBS Nürnberg - Ingolstadt ein generelles Begegnungsverbot von Reisezügen mit bis zu 300 km/h und Güterzügen aussprechen.