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Ausstellung eröffnet Wiederentdeckung der Schmuckkünstlerin Helga Zahn

Helga Zahn galt als eine der wichtigsten Avantgarde-Künstlerinnen der Moderne. Ihre Wurzeln hatte sie im oberfränkischen Schwarzenbach an der Saale. Zu Ehren ihres 80. Geburtstags werden dort nun einige ihrer Werke ausgestellt.

Von: Annerose Zuber

Stand: 23.09.2016

Die Ausstellung zeigt rund 100 Schmuckstücke, Entwurfszeichnungen und Grafiken von Helga Zahn. Die Münchner Ausstellungskuratorin Petra Hölscher verspricht den Besuchern eine "kleine Sensation" – damit starte die "weltweite Wiederentdeckung" der bereits 1985 verstorbenen Helga Zahn, so Hölscher.

"Autoren-Schmuck" in Schwarzenbach

Große schwarze Steine in Silber gefasst oder rechteckige Plättchen zu modulartigen Anhängern gelegt – der Schmuck von Helga Zahn ist klassisch und zeitlos. Doch in den 60er-Jahren waren ihre Arbeiten "avantgarde". Sie war die erste Vertreterin des sogenannten "Autoren-Schmucks", erklärt Petra Hölscher.

"Eine Helga Zahn ist Autodidaktin, das heißt, sie nimmt sich Silberblech, was nicht so teuer ist, skizziert mit Hilfe von Schablonen das Schmuckstück und das schneidet sie dann mit einer simplen Schere aus."

Petra Hölscher, Kuratorin

Mit Pattex und Schere

Auf kurze Silberstreifen klebt sie dann noch kleine unbearbeitete Kieselsteine, die sie in Londoner Parks gesammelt hat – und zwar ganz einfach mit Pattex. Eine schier unvorstellbare Methode für Goldschmiede, doch die junge Frau begeistert mit ihren Werken ihren Freundeskreis im London der Swinging Sixties.

"Helga Zahn ist sehr früh nach London gegangen. Was eigentlich, zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, für ein junges Mädchen von 18, 19 Jahren ein gigantischer Schritt war. Dort lernte sie Peter Gee kennen, den wir heute als Pop-Art-Künstler kennen."

Petra Hölscher, Kuratorin

Kurse in London und Paris

Helga Zahn 1962 in London

Diese Zufallsbekanntschaft stellte eine wichtige Weiche. Der Designer und Grafiker Peter Gee bestärkt sie in ihrer Vorstellung von Schmuck und öffnet ihr Türen. Daraufhin belegt die junge Haushaltshilfe aus Deutschland Kunst-und Designkurse in London und Paris. Sie entwickelt ihren eigenen Stil. 1965 sorgt sie in einer ersten Galerie-Ausstellung in London für größere Aufmerksamkeit.

"Mit diesem Selbstbewusstsein, so früh in einer Galerie vertreten zu sein, nimmt sie heimlich – die Familie wusste davon nichts – an der Internationalen Handwerksmesse in München 1996 teil und gewinnt auf Anhieb den Bayerischen Staatspreis."

Petra Hölscher, Kuratorin

"Twiggy" gefielen die Ohrringe

Der Bayerische Staatspreis sei damals einer der begehrtesten Preise im Bereich Kunsthandwerk und Schmuck. In der Folge wuchs die Nachfrage nach ihren Werken nicht nur in Deutschland, sondern auch in England und New York. Als Dozentin inspiriert sie andere Künstler und Modeschöpfer, die eigens Kleider entwickelten, damit Helga Zahns Schmuck zur Geltung kommt. Selbst das Supermodel "Twiggy" trug ihre Ohrringe.

Wiederentdeckung der Helga Zahn

Nach ihrem frühen Tod 1985 geriet die äußerst vielseitige Künstlerin dann aber in Vergessenheit. Nun hat Manfred Petri, der Stiftungsvorstand der Dr. Hans-Vießmann-Stiftung, zum 80. Geburtstag der Künstlerin den Anstoß für die Ausstellung gegeben. Damit kann Helga Zahn wieder entdeckt werden.

Kunstgalerie Schwarzenbach a.d. Saale

Die Ausstellung "Helga Zahn. Schmuck. Unikat und Serie." ist ab dem 23. September 2016 in der Kunstgalerie Altes Rathaus am Marktplatz 5 in Schwarzenbach an der Saale zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr.


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Kommentare

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Renate E., Mittwoch, 21.September, 17:14 Uhr

1. Ob da der Verkauf flutscht?

Wer sowas mag...

  • Antwort von websaurier, Donnerstag, 22.September, 10:36 Uhr


    Das ist eine Ausstellung !
    Man (frau) sollte halt schon mehr als nur die Überschrift lesen...