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Problem-Otter in Oberfranken Existenz der Teichwirte durch Fischotter bedroht

Erst waren es die Biber, die Probleme gemacht haben – nun sind es die Fischotter: Die Tiere breiten sich in Oberfranken immer mehr aus. Das freut die Tierschützer, die Teichwirte hingegen bangen um ihre Existenz. Das Hauptproblem: Der Otter tötet mehr Fische, als er fressen kann.

Von: Claudia Stern

Stand: 07.11.2017

Der Fischotter ist auf dem Vormarsch in Oberfranken und breitet sich über die Randbereiche Fichtelgebirge und Frankenwald hinaus aus. Die Tierschützer freut das – für die Teichwirtschaft in Oberfranken bedeutet das massive Probleme.

Existenz der Teichwirte bedroht

Die oberfränkischen Teichwirte haben Angst um ihre Existenz.

Das Hauptproblem: Als Marderart hat der Fischotter die Eigenheit, mehr Fische zu töten als er fressen kann. So können bis zu 20 Forellen oder Laichfische Opfer eines einzigen Ottereinfalls werden. Gleichzeitig stellen die Fischzucht-Betriebe in Oberfranken für den Fischotter reich gedeckte Tische dar, die eben dieses Verhalten fördern.

Für die in der Region vorherrschende traditionelle Teichwirtschaft im Neben- und Zuerwerb können solche Ottereinfälle schnell existenzgefährdend werden. Immer mehr Teichwirte spielen sogar mit dem Gedanken, die Fischaufzucht aufzugeben. "Wir sehen die Gefahr, dass diese über Jahrhunderte gewachsene Struktur nachhaltig zerstört wird", warnt Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) bei einer Infoveranstaltung in der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß (Lkr. Bayreuth).

Teichwirte melden mehr Schäden

Beim Bezirk Oberfranken sind in den vergangenen Monaten vermehrt Schadensmeldungen eingegangen. Deshalb wollten die Verantwortlichen bei dieser Veranstaltung Einblicke in die bayernweite und regionale Fischotter-Problematik geben. Ziel war es, die Betroffenen, die Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit zu informieren.

Fischotter-Management eingerichtet

Um die Schäden auf Seiten der Fischerei möglichst gering zu halten, hat der Freistaat Bayern einen Fischotter-Managementplan aufgestellt, der drei wichtige Säulen umfasst. Zum einen gibt es in allen betroffenen Regionen Otter-Berater, die den Teichwirten als Ansprechpartner dienen. Als zweite Säule soll geprüft werden, inwiefern Abwehrmaßnahmen, wie beispielsweise Zäune, für den einzelnen Teichwirt in Frage kommen. Außerdem sollen Teichwirte Entschädigungszahlungen erhalten, sollte ein Schadensfall eintreten.

Fischarten vom Aussterben bedroht

Fischotter fressen die Teiche leer, befürchten die oberfränkischen Teichwirte.

Eine finanzielle Entschädigung für Teichwirte allein löse allerdings nicht das Problem, so der Tenor der Veranstaltung. Denn auch für die Biodiversität in den nicht bewirtschafteten Gewässern in Oberfranken stelle der Fischotter ein Problem dar – sollte er sich weiter stark ausbreiten.

Vor allem bei kleinen Bächen bestehe die Gefahr, dass der Räuber sie im Winter komplett leerfischt, so die Experten. Das wiederum würde langfristig zum Aussterben bedrohter Fisch-, Krebs- und Muschelarten in den oberfränkischen Flüssen führen. Es gilt also, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Im Notfall: Bestand dezimieren

Sollten die bestehenden Maßnahmen nicht ausreichen, die heimische Teichwirtschaft und Fischerei sowie die Biodiversität in den oberfränkischen Gewässern zu schützen und zu erhalten, müsse ein Kompromiss her. So soll aus Sicht des Bezirks der Schutz der Fischotter-Bestände weiterhin gewährleistet sein. Gleichzeitig müsse es, wie bei Kormoran und Biber, auch beim Fischotter in Sonderfällen möglich sein, den Bestand zu dezimieren.


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Kommentare

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Hannes, Mittwoch, 08.November, 16:17 Uhr

9. Fischotter und Fischerei

Sicher ist der Otter ein naturschutzfachlich wertvolles und zudem putziges Tier. Aber ist es sinnvoll, allen Wildtieren unkontrolliert freien Lauf zu lassen?
Die Teichwirtschaft produziert regional und nachhaltig Fisch als hochwertiges Lebensmittel. Der WWF hat vor Kurzem erneut den Karpfen als einen der wenigen Fische eingestuft, die man weltweit noch ohne ökologische Bedenken essen kann.

Will man in Bayern anstelle regional und nachaltig produzierter Speisefische lieber Pangasius-Wels aus Asien konsumieren, weil man die bayerischen Teichwirte neben dem Kormoran nun auch noch "vor den Otter gehen" lässt? In der Aquakultur in Fernost geht man mit Tieren wie dem Otter alles andere als zimperlich um. Sieht so Nachhaltigkeit aus?

Die Teichwirte wollen den Otter nicht ausrotten. Aber ein Wildtiermanagement muss in unserer Kulturlandschaft ebenso wie bei Wolf, Luchs und Co möglich sein.

Antje Göttert, Mittwoch, 08.November, 11:17 Uhr

8.

Wer dezimiert den Bestand an Teichwirten?

joe, Dienstag, 07.November, 18:46 Uhr

7.

vielleicht sollte man den bestand an teichwirten dezimieren ? den menschen sind eindeutig weniger von aussterben bedroht als fischotter ! ich kenne selbst teichwirte und würde den wenigsten auch nur das geringste im bezug auf problemen durch umweltschutz glauben ! solangsam schämt man sich in bayern zu leben !

  • Antwort von Schorsch, Dienstag, 07.November, 19:52 Uhr

    Die Otter töten nie mehr Fische als sie fressen können, so was zu schreiben ist Unfug. Sie sind nämlich schlau und fressen nur die Köpfe, weil die am nahrhaftesten sind und damit die meisten Kalorien zu bekommen sind. Nur wenn nicht genug Beutetiere da sind, fressen Fischotter auch das minderwertigere Fleisch.

Tom Schulze-Helmke, Dienstag, 07.November, 18:15 Uhr

6. Unglaublich naturverachtend

Allles was unseren Profitinteressen stört muß weg? Kein Platz für wilde Tiere in Deutschland? Leider gibt es keinen Quadratmeter zwischen Alpen und Nordsee den nicht irgendein Landnutzer ausschließlich für sich beansprucht oder bestenfalls mit einem Jäger gegen Jagdpacht teilt. Und dann werden schnell Geschichten erfunden und "Experten" angekarrt die beweisen, dass Natur ohne menschliche Regulierung nicht fuktioniert. Übrigens die deutsche Forelle wird von den von Anglern ausgesetzten größeren amerikanischen Regenbogenforellen bedroht. Landnutzer die den Respekt vor der Natur verloren haben sollten nicht bestimmen dürfen welche Tiere ein Recht auf Leben haben. Für ein Zusammenleben mit Wolf, Luchs, Fischotter, Biber, Seeadler und alle anderen Tiere die wir früher ausgerottet haben. Facebookgruppe "Schützt die Wölfe"

Fritz Fischer, Dienstag, 07.November, 17:35 Uhr

5. Existenz der Teichwirte

Das ruft nach Entschädigung. Vor den Wahlen sollten schon ein paar Millionen drin sein. Auch Teichwirte sind Wähler und im nächsten Jahr zählt jede Stimme.