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Morddrohungen gegen Bamberger Erzbischof Mehrere Verdächtige ermittelt

Mit einem inhaltlich verzerrten Facebook-Post hat die AfD im vergangenen Herbst eine Welle der Wut gegen den Bamberger Erzbischof Schick entfacht. Morddrohungen und Hasskommentare waren die Folge. Inzwischen hat die Polizei einige Tatverdächtige ermittelt.

Von: Heiner Gremer

Stand: 10.04.2017

Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg | Bild: picture-alliance/dpa

Gegen die Tatverdächtigen werde wegen Beleidigung, Bedrohung sowie der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten ermittelt, sagte Polizeisprecher Jürgen Stadter dem Bayerischen Rundfunk. Je nach Delikt drohen ihnen Geldstrafen bis hin zu Freiheitsstrafen.

Kein Kavaliersdelikt

Wie viele der zunächst anonymen Kommentar-Schreiber auf der Facebook-Seite der Alternative für Deutschland (AfD) ermittelt werden konnten, wollte Stadter wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen. Einige werde man wohl nie feststellen können, da deren Provider im Ausland seien. Die Angelegenheit sei allerdings kein Kavaliersdelikt, so der Polizeisprecher.

Einer der User-Kommentare lautete beispielsweise:

"Alle Pfaffen müssen liquidiert werden!"

User-Kommentar

Ein anderer User schrieb:

"Diesen Clown sollte man nach Afghanistan schicken, wo er hoffentlich erschossen wird!"

User-Kommentar

Shitstorm nach Schick-Aussage zu muslimischem Bundespräsidenten

Eintrag auf der Facebook-Seite der AfD

Anlass für den Shitstorm war ein Facebook-Posting der AfD Ende Oktober vergangenen Jahres. Es zeigte ein Bild des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick und zitierte ihn mit der verkürzten Aussage: "Kirche: Muslimischer Bundespräsident denkbar".

Tatsächlich hatte der Erzbischof während einer Podiumsdiskussion in Nürnberg gesagt, er halte einen muslimischen Bundespräsidenten grundsätzlich für möglich, sofern er von den Parteien als Kandidat nominiert und von der Bundesversammlung gewählt würde. Wenn dies geschehen sollte, werde die Kirche diese demokratische Entscheidung akzeptieren, so Schick. Alles andere würde dem Grundgesetz widersprechen.

AfD löschte Tötungsaufrufe

Innerhalb kürzester Zeit hagelte es unter dem Posting auf der AfD-Facebook-Seite mehr als 1.000 beleidigende Kommentare. Inhaltlich reichten sie von geschmacklosen Beleidigungen bis hin zu Todesdrohungen gegen den Bamberger Erzbischof. Das Erzbistum erstattete Anzeige, die AfD hat die Tötungsaufrufe daraufhin offenbar aus den Kommentaren gelöscht.

Ermittlungen dauern an

Schick hatte unmittelbar nach den Angriffen auf seine Person im Internet die Unterstützung des Diözesanrats sowie der gesamten Bamberger Stadtspitze erfahren, die sich öffentlich mit der Haltung des Erzbischofs solidarisierten. Aktuell äußert sich das Erzbistum wegen des laufenden Verfahrens nicht weiter zu dem Fall. Wie lange die Ermittlungen noch andauern werden, ist laut Polizei offen.

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