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Wegen Nationalpark-Streit Touristen entdecken den Steigerwald wieder

Lange waren die Besucherzahlen im Steigerwald eher mau. Doch seit der Streit um einen möglichen Nationalpark Steigerwald entbrannt ist, kommen die Touristen. Der Steigerwald macht bundesweit Schlagzeilen.

Von: Karin Goeckel

Stand: 01.10.2016

Baum im Steigerwald | Bild: BR

Staunend stehen die Wanderer vor einer riesigen Esche im Steigerwald, den Kopf im Nacken. Weit über 200 Jahre alt ist sie. Ihre Krone thront in über 40 Metern Höhe. Ihr Stamm ist so breit, dass es drei Erwachsene braucht, um ihn zu umfassen.

Reiseleiter Günther Oltsch holt sein Maßband aus dem Rucksack, hängt einen Haken in die rissige Rinde und schlingt es um den Stamm. Fast dreieinhalb Meter Umfang hat die Esche, das entspricht einem Durchmesser von 1,10 Metern. Einige der Buchen, die ein Stück weiter oben im Naturwaldreservat Kleinengelein im Steigerwald stehen, sind sogar noch etwas dicker.

Touristen aus allen Teilen Deutschlands

Schon zum sechsten Mal haben die BUND-Reisen, der Reiseveranstalter des Bund Naturschutz, einen Wanderurlaub im Steigerwald organisiert. Die 13 Teilnehmer kommen aus Bayern, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands.

"Ich bin echt aus Lübeck hierhergereist, fünf Stunden, mit dem Zug. Eben genau weil ich keine Ahnung hatte, ich wusste noch nicht einmal, wo der Steigerwald ist. Deswegen habe ich mir das ausgesucht, um mal was kennenzulernen, was mir völlig unbekannt ist."

Steigerwald-Gast aus Lübeck

Die Experten, das ist neben Reiseleiter Günther Oltsch auch Erich Rösner, der Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Gerolzhofen. Den Steigerwald kennt er bestens, ist ehrenamtlich als Wanderführer aktiv. Das Interesse am Steigerwald wächst, sagt Rösner.

"Ja, es nimmt deutlich zu. Ich mache ja regelmäßig Führungen, eigentlich seit Beginn der Diskussionen. Es sind auch Einheimische, und das war ja auch unsere Hauptzielgruppe, weil man uns ja immer vorgeworfen hat, die Idee von dem Nationalpark käme von oben und wir würden das den Einheimischen aufoktroieren, aber wir sind ja selbst Einheimische und möchten auch die Einheimischen informieren, was man hier so an Naturschönheiten hat, aber auch über den aktuellen Stand der Diskussion."

Erich Rösner, Vorsitzender der Bund Naturschutzgruppe Gerolzhofen

Soll es einen Nationalpark Steigerwald geben oder nicht? Die meisten in der Wandergruppe, alle ausgewiesene Naturliebhaber, verstehen den Widerstand dagegen nicht. Kopfschüttelnd laufen sie an Schildern vorbei, auf denen "Nationalpark Steigerwald – nein danke" und ähnliches steht.

Gute Reklame

Gegner und Befürworter streiten sich seit Jahren heftig und sorgen allein dadurch dafür, dass die Zahl der Touristen spürbar steigt. Darüber freut sich Rosmarie Gries, die Chefin im Hotel Klosterbräu in Ebrach. “Die Reklame ist sehr gut, die läuft. Das muss ich sagen, also, so viel Geld könnte ich wahrscheinlich nicht investieren, um allein die Werbung zu machen, denn das ist schon außergewöhnlich“, so Gries. Und auch Dieter Schneider, der Ebracher Bürgermeister, hat festgestellt, dass immer mehr Besucher in den Steigerwald kommen. "Wir kriegen unheimlich viele Anfragen, die hierher kommen wollen nach Ebrach und hier unberührte Natur sehen wollen", freut sich Schneider.

"Die dicken Buchen sind ein Renner, die wollen die Leute sehen. Die sind durch die Medien auf den Steigerwald gekommen, durch die Diskussion um den Nationalpark Steigerwald sind wir deutschlandweit bekanntgeworden. Wir waren in allen überregionalen Tageszeitungen."

Dieter Schneider (SPD), Bürgermeister von Ebrach

Ob nun Nationalpark oder weiterhin Naturpark - ein Besuch im Steigerwald lohnt sich. Davon hat sich auch die Wandergruppe fünf Tage lang überzeugt.


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Kommentare

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Waldfreund, Dienstag, 08.November, 15:42 Uhr

6. Die Wahrheit ist recht banal

Der Steigerwald ist eine Jahrhunderte alte Kulturlandschaft. Sie wurde vom Menschen geschaffen und maßgeblich geprägt. Die Wälder blicken auf eine lange forstliche Nutzungsgeschichte zurück. Das Ergebnis ist wunderschön und ökologisch hochwertig. Wie ignorant muss man sein, um zu bestreiten, dass die Förster diese Wälder geschaffen haben und sie verantwortungsvoll pflegen und bewirtschaften? Die alten Buchen im Steigerwald sind nicht bedroht, im Gegenteil, sie werden immer mehr. Das ist kein Widerspruch zur forstlichen Nutzung, sondern das erklärte Ziel.

Waldverlust, Montag, 03.Oktober, 15:58 Uhr

5. Der Staat beraubt uns

Bäume können alt werden. Das wird aber der Geschichte angehören. Sie werden nicht mehr alt.
Nicht im Staatswald. Dort werden sie alle abgehackt, gestapelt und abtransportiert.
Danach sind sie - weg.

DAS ist die bittere Realität der bayerischen Wälder in den Händen der bayerischen Regierung mit dem Unternehmen "Bayerische Staatsforsten".

Christian Grzimek, Montag, 03.Oktober, 11:26 Uhr

4. Nationalpark Steigerwald

Es wird Zeit das altbackene Politiker mit der Zeit gehen. NAtionalpark nein Danke war gestern. Folgen wir endlich den fortschrittlich denkenden afrikanischen Ländern, die mit Ihren Natinalparks Millionen verdienen. Unsere Politiker folgen den falschen Lobiisten. Die Zukunft kann nicht nur in der Nutzung und dem Raubbau der Natur liegen. Naturschutz ist Menschenschutz

Waldgott Gottwald, Samstag, 01.Oktober, 18:58 Uhr

3. Ob nun Nationalpark oder weiterhin Naturpark -

eine kleine Bemerkung: Nationalpark oder Naturpark macht keinen Sinn.

Käme der Nationalpark, dann bestünde der Naturpark Steigerwald weiterhin. Das ist die Region, die 128.000 ha groß ist (ungefähr zwischen Gerolzhofen (West) - Bad Windsheim (Süd) - Burgebrach (Ost) - Knetzgau (Nord).

Der Nationalpark ist auf der Fläche des Forstbetriebs Ebrach (insgesamt 17.000 ha) vorgesehen, 11.250 ha naturnaher Buchenmischwald, reich an Altbäumen und zahlreichen Naturwaldreservaten, dennoch wird hier eingeschlagen, um Bau- und Brennholz zu verkaufen - in großen Mengen!

Bei der Inventur von geeigneten Nationalparksuchräumen des Bundesamtes für Naturschutz wurde dieses Areal, allgemein Steigerwald genannt, auf Platz 5 eingestuft.

Die Frage Naturpark ODER Nationalpark stellt sich so nicht.

Noch kurz zum ehemaligen Schutzgebiet Hoher Buchener Wald (775 ha, nördlich Ebrach): Es ist bereits in diesem Herbst damit zu rechnen, dass der Forstbetrieb Ebrach mit dem Holzeinschlag beginnt.

Florian Tully, Samstag, 01.Oktober, 12:48 Uhr

2. Nationalpark Steigerwald

Wir Bürger der Steigerwald-Region sind durchaus für den 3. Nationalpark Bayerns - hier bei uns. Wir haben (noch) eine ganz besonders schöne Naturlandschaft.

  • Antwort von Zerstörung bayernweit durch die BaySF, Sonntag, 02.Oktober, 15:52 Uhr

    Bei uns hatten wir auch einen sehr schönen Wald. Jetzt nicht mehr.
    Seit Jahren werden Rückegassen gezogen und wird abgeholzt.
    Gesteigert wurde das ganze noch innerhalb der letzten Monate und nochmal innerhalb der letzten Wochen.
    Tabus gibt es dabei nicht. Rückegassen soweit das Auge reicht. Kein Wald mehr.

    Naturparkgebiet im Bayerischen Wald!!!

    Aber was bedeutet schon Naturpark und Staatswald, das dem Wohle der Bürger dienen soll, wenn man alles ausbeuten kann und dafür viel Geld einstreichen kann, nicht wahr.