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Babyleichen von Wallenfels "Sie hatte einen Kinderwunsch"

Im Prozess um die Babyleichen von Wallenfels sind nun Sachverständige gehört worden. Nach Aussage eines Psychiaters wollte die Mutter der toten Babys noch weitere Kinder haben. Derweil gerät der Vater weiter unter Verdacht.

Stand: 14.07.2016

"Sie hatte einen Kinderwunsch". Zu diesem Schluss kommt der Münchner Psychiater Cornelis Stadtland, der mehrmals mit der angeklagten Mutter gesprochen hat. Laut seiner Aussage wollte die Mutter der acht toten Babys noch weitere Kinder – ihr Mann aber nicht.

Weitere Kinder gewünscht

Das Paar hatte bereits gemeinsam drei Kinder bekommen – diese leben heute noch. Danach habe die Frau aber nicht verhütet und sei wieder schwanger geworden. "Ich wollte es ja eigentlich", sagte sie dem Gutachter zufolge. Als der heute 55-jährige Vater von den Schwangerschaften erfuhr, sei er entweder laut geworden oder habe nicht reagiert, so der Sachverständige.

Keine psychischen Krankheiten

Nach Angaben des Psychiaters leidet die Mutter nicht an psychischen Krankheiten. Sie sei auch nicht alkoholabhängig. Sie habe aber schwierige Beziehungen gehabt.

"Das kann dazu führen, dass ein Mensch gestörter wirkt, als er ist."

Cornelis Stadtland, Psychiater

Stadtland sagte auch, er habe bei der Angeklagten "keine wirklichen Schuldgefühle wahrgenommen". Verharmlosen würde sie die Tode aber auch nicht. Frauen, die ihre Kinder töten, seien ihm zufolge eher introvertiert und passiv. Diese Merkmale sieht er auch in der Persönlichkeit der 45-Jährigen.

Mutter wollte sich nicht trennen

Die zweite Sachverständige, die Psychologin Karoline Pöhlmann, sagte, dass sich die Angeklagte nicht von den Babys haben trennen wollen. Deswegen hätte sie deren Leichen im Wohnhaus versteckt. Die Mutter beschrieb sie als durchschnittlich intelligent und selbstbewusst. Zugleich sei sie jdoch nicht bereit, sich mit Problemen oder mit sich selbst kritisch auseinanderzusetzen.

Vater im Visier

Derweil gerät der ebenfalls angeklagte Vater immer weiter unter Verdacht. Bisher war der 55-Jährige wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Er hatte angegeben, nichts von den Schwangerschaften seiner Frau gewusst zu haben. Im Laufe der vergangenen Prozesstage hatte die angeklagte Mutter aber angegeben, dass sie ihren Mann über mehrere Schwangerschaften unter anderem in den Jahren 2003, 2006 und 2008 informiert habe.

Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung?

Sollten sich diese Aussagen bestätigen, könnten nun im Falle des 55-Jährigen nach Auffassung des Gerichts auch Anstiftung zum Mord oder Totschlag sowie Mord oder Totschlag durch Unterlassen sowie fahrlässige Tötung durch Unterlassen im Raum stehen. Bei der Ehefrau sei neben Mord auch Totschlag denkbar, so der Vorsitzende Richter auf Nachfrage des Verteidigers in seiner Ausführung zu Beginn des dritten Prozesstages.

Polizistin sagt aus

Die Verteidiger der beiden Angeklagten verzichteten auf eine direkte Erwiderung und wollen ihre Argumentation dazu in ihren morgigen Plädoyers einbringen. Der heutige Prozesstag ging mit der Befragung einer Polizeibeamten weiter. Sie gab an, bei der Vernehmung der Mutter habe die Angeklagte einen sehr stabilen Eindruck auf sie gemacht.

Acht tote Babys in Wallenfels

Mitte November 2015 entdeckt eine Anwohnerin in Wallenfels (Lkr. Kronach) die sterblichen Überreste eines Säuglings. Die alarmierte Polizei findet wenig später acht in Plastiktüten und Handtücher gewickelte Babyleichen. Umgehend nimmt die Staatsanwaltschaft Coburg Ermittlungen auf. Verdächtigt wird die Mutter, von der zunächst jede Spur fehlt. Trotzdem wird sie kurz darauf festgenommen. Die Ermittler werfen ihr vor, zwischen 2003 und 2013 insgesamt acht Kinder in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und mindestens vier davon vorsätzlich getötet zu haben. Anfang April 2016 erhebt die Staatsanwaltschaft Coburg Anklage wegen Mordes gegen die Mutter und wegen Beihilfe gegen den Vater.


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