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Kritik an Sammelabschiebung Bayreuther demonstrieren gegen Abschiebung eines Afghanen

Heute Morgen haben in Bayreuth etwa 50 Menschen gegen eine für heute Abend geplante Sammelabschiebung nach Afghanistan demonstriert. Unter den Menschen, die in Frankfurt den Flieger besteigen sollen, ist auch ein in Bayreuth gut integrierter 26 Jahre alter Afghane.

Von: Anja Bischof und Claudia Stern

Stand: 06.12.2017

Baryalai Salimi war am 28. November in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Bayreuth festgenommen worden. Seine Anwältin konnte allerdings seine Freilassung erwirken. Seither musste sich Samili täglich zweimal bei der Ausländerbehörde melden.

Flugzeug nach Afghanistan

Als er heute Vormittag (06.12.17) um 9.00 Uhr – begleitet von Demonstranten – wieder in der Behörde vorstellig wurde, wurde er von Beamten der Bundespolizei festgenommen. Obwohl seine Freunde und Unterstützer vor dem Gebäude ausharrten und ein Anwalt versuchte, die drohende Abschiebung in letzter Minute doch noch zu verhindern, wurde er gegen Mittag von der Polizei aus dem Gebäude geführt und weggebracht – vermutlich direkt zum Frankfurter Flughafen. Von dort aus soll er heute Abend nach Afghanistan fliegen.

Demo von "Bunt statt Braun"

Anna Westermann vom Unterstützerkreis "Bunt statt Braun" hat die Demonstration vor der Zentralen Ausländerbehörde Bayreuth organisiert. Dass Salimi nach Afghanistan abgeschoben werden soll, ist für sie nicht nachvollziehbar. Er gehöre nicht zum Personenkreis terroristischer Gefährder, Identitätsverschleierer oder Straftäter und habe sich nichts zuschulden kommen lassen, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk am Rande der Veranstaltung.

Gut integriert in Bayreuth

Der 26-jährige Mann lebt seit sechs Jahren in Oberfranken. Er hat in Bayreuth die Mittelschule abgeschlossen, Deutsch gelernt und gearbeitet, bis ihm von den Behörden die Arbeitserlaubnis entzogen wurde. Sein Geburtsland hat er bereits als Fünfjähriger verlassen. Er floh damals mit seinem Onkel vor den Taliban in den Iran. Ob seine Eltern noch am Leben sind, weiß er nicht. Salimis Vater war politisch aktiv. Der 26-Jährige befürchtet, dass sein Leben in Afghanistan bedroht ist.


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Rainer B., Montag, 11.Dezember, 10:21 Uhr

12. Afghanistan

Weder Afghanistan noch Syrien ist sicher. Niemand würde freiwillig in diesen Ländern Urlaub machen, da der Tod überall lauern kann.
Es geht hier um Menschen. Und wahre christliche Nächstenliebe sieht anders aus, indem man Menschen aus Kriegsgebieten wo Terroristen täglich Anschläge verüben Schutz gewähren muss.

Walter Becker, Sonntag, 10.Dezember, 18:26 Uhr

11. Baryalai Salimi

Abscheulich - und das ist noch ein viel zu milder Ausdruck. In Den Haag wären doch jetzt Kapazitäten frei zur Verfolgung derartiger Staatsverbrechen.

Felix, Freitag, 08.Dezember, 16:02 Uhr

10. Bayreuter demonstrien

Haben diese Menschen schon mal Einheimischen und Armen geholfen ich glaube nicht.
Es ist einfach und Übel sich auf Kosten der Allgemeinheit als Gutmensch darzustellen.
Schämt euch.
Kennt ihr die wahren Gründe warum er und sein Onkel abgehauen sind ich Glaube nicht.

  • Antwort von Waltraud Röhle, Montag, 11.Dezember, 09:29 Uhr

    Felix, im Umkehrschluss muss das wohl bedeuten, dass Sie sich als wahren "Gutmenschen" (was immer das sein soll), der auf seine Familie, Nachbarn, Landsleute insbesondere Hilfsbedürftige schaut und allen selbstlos unterstützend zur Seite steht., betrachten. Da ist natürlich kein Platz mehr für die Vorstellung, dass wir auch mitunter von dem o.g. Personenkreis ordentlich beschissen wurden.Und Felix, bin ich sicher, dass die Unterstützer noch trauriger wären, als sie wütend, wenn sie auf Sand gebaut hätten. Aber ich frage mich auch, in welcher persönlicher Bedrängnis Sie sich befinden mögen, dass Sie nicht letztlich einfach Barmherzigkeit walten lassen.

  • Antwort von Renate Aigner, Montag, 11.Dezember, 10:19 Uhr

    Sehr geehrte Frau Röhle,
    Sie argumentieren nur mit vermutungen ("glaube ich nicht"), damit machen Sie es sich sehr einfach. Wie kommen Sie denn zu der Überzeugung, dass diejenigen, die in Bayreuth gegen die Abschiebung nach Afghanistan protestiert haben, "nichts" tun. Viele von ihnen kennen Flüchtlinge persönlich, manche haben Geldspenden und auch Zeit investiert, zum Beispiel für ehrenamtliche Betreuung oder Hilfe beim Deutschlernen.
    Haben Sie selbst eigentlich schon Einheimischen und Armen geholfen? In Erlangen sammelt zum Beispiel die Hugenottenkirche
    (zu der ich nicht gehöre)regelmäßig Spenden für Flüchtlinge, hat aber auch schon seit längerem einen "Sonderfonds gegen Armut und Obdachlosigkeit" eingerichtet, der z.B. hilft, wenn Leute ihre Miete oder ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. Wie viele andere Leute in Erlangen spende ich gerne für beide Zwecke.

  • Antwort von Renate Aigner, Montag, 11.Dezember, 10:22 Uhr

    Ich habe gerade an Frau Röhle geschrieben, der Kommentar, auf den ich geantwortet habe, stammt aber wohl nicht von ihr, Entschuldigung!

Birgit Reit, Freitag, 08.Dezember, 10:28 Uhr

9. Abschiebung von Herrn Baryalai Salimi: direkter Wortbruch der Regierung

Aus meiner Sicht ist diese Abschiebung eine Verletzung der Aussage, die die Regierung gemacht hat, nämlich dass sie nur Straftäter, Gefährder und Identitätsverschleierer nach Afghanistan abschiebt: Ein glatter Widerspruch, der für mich bedeutet, dass man der bayerischen Staatsregierung nicht vertrauen kann.
Diese Abschiebung nährt den Verdacht, dass vielmehr oft auch Personen ausgewählt werden, auf die die Polizei leicht Zugriff hat --- und das sind leider Personen, die einen Wohnsitz und Arbeit haben und verlässlich sind, und gerade NICHT Straftäter etc.
Afghanistan ist nicht sicher. Niemand dürfte dorthin abgeschoben werden, aber vor allem nicht gut integrierte Menschen wie Herr Salimi. Es ist eine Schande!
Alle Personen in den Ämtern und bei der Polizei, die an dieser Aktion mitgewirkt haben, sollten sich fragen, wie sie in den Spiegel sehen können.

Anna Maria, Freitag, 08.Dezember, 06:34 Uhr

8. Abschiebung in Bayreuth

Nach Afghanistag abzuschieben ist unmenschlich! Fast kein Tag vergeht, an dem nicht ein Anschlag dort Menschen, vor allem Zivilisten tötet!
Aber jemanden abschieben, der sich gut integriert hat, der den Staat nicht belastet, sondern seine Ausbildung macht und den Fachkräftemangel schmälert, ist ein Schaden für unsere Gesellschaft!
Wer erinnert sich: Der Ministerpräsident Seehofer hatte 2015 mehrfach angekündigt: wer sich integriert, die deutsche Sprache lernt, kann bleiben. Welche Lüge! Statt dessen werden den gut Integrierten Arbeits- /Ausbildlungsgenehmigungen weggenommen/ sie abgeschoben!
Besonders perfide: Wer seine Papiere beschafft und seine Identität nachweist, schafft genau damit die Voraussetzung um abgeschoben zu werden!
Mit einer christlichen Politik hat das nichts mehr zu tun, mit einer sozialen Haltung auch nicht. Wie Pater J. letzten Sommer vorschlug: diese Partei sollte ihr C und ihr S streichen, vielleicht schaffen sie ja trotz aller Machtkämpfe noch die Union!