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Streit in Bayreuth "Code Pink" spricht von "Verleumdung"

Der Streit um den Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für "Code Pink" geht in die nächste Runde. Die nominierte US-Bürgerrechtsbewegung wehrt sich gegen die von ihr empfundene "Verleumdung" - und äußert weitere Vorwürfe.

Von: Inga Pflug und Rainer Aul

Stand: 27.02.2016

Code Pink-Aktivistin in Stiefeln  | Bild: picture-alliance/dpa

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, hatte entsetzt auf die Entscheidung der Stadt Bayreuth reagiert, den Toleranzpreis nun doch an "Code Pink" zu vergeben. Die Organisation ihrerseits setzt sich nun in einer Mitteilung gegen die ihrer Ansicht nach "verleumderischen Anschuldigungen" des Botschafters zur Wehr.

"Code Pink" spricht von Lügen

"Code Pink" sei eine international anerkannte Friedensorganisation und habe Israel niemals das Existenzrecht abgesprochen, heißt es in der Mitteilung. Dafür habe die Bürgerrechtsbewegung dem Bayreuther Stadtrat auch Beweise vorgelegt. Dennoch wiederhole der israelische Botschafter die Anschuldigungen. "Code Pink"-Aktivistin Ann Wright wird in dem Schreiben mit den Worten zitiert, es sei traurig und sogar ein wenig erschreckend, dass die Medien und sogar einige Mitglieder des Deutschen Parlaments solche Lügen wiederholten. Das mache sie nicht wahr.

Organisation weist Etikett "anti-israelisch" zurück

Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe

In der Mitteilung der US-Bürgerrechtsbewegung werden weitere Vorwürfe erhoben. Demnach habe Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (Bayreuther Gemeinschaft) Anfang Februar einen Brief von dem israelischen Journalisten Benjamin Weinthal erhalten, in dem dieser seine Bedenken anlässlich der Preisvergabe an "Code Pink" geäußert habe. Begründet habe er das mit den anti-israelischen Vorwürfen gegen die Organisation. Obwohl Weinthal der Oberbürgermeisterin zugesichert habe, seine Vorwürfe zunächst auf Englisch zu übersetzen und damit "Code Pink" eine Reaktion zu ermöglichen, wurde zwei Tage später ein entsprechender Artikel in der Jerusalem Post veröffentlicht, ist in dem Schreiben weiter zu lesen.

"Code Pink" war in der Zeitung eine israelfeindliche Haltung vorgeworfen worden. Die Aktivisten der Organisation sollen außerdem mit Holocaust-Leugnern an einer Konferenz im Iran teilgenommen haben. Wegen der Vorwürfe hatte Bayreuths OB Merk-Erbe die Preisverleihung verhindern wollen und eine entsprechende Presseinformation verbreiten lassen. Zuletzt hatten sich auch Bundestagsabgeordnete der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe eingeschaltet und gefordert, die Auszeichnung keinesfalls zu übergeben. Der Bayreuther Stadtrat hatte am Mittwoch (24.02.16) dennoch beschlossen, den mit 10.000 Euro dotierten Toleranz-Preis – wie ursprünglich geplant – in diesem Frühjahr "Code Pink" zu verleihen.

"Code Pink"-Sprecherin Elsa Rassbach betonte im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk, dass ihre Organisation die Diskussion in dieser Sache nicht noch weiter anheizen möchte und der Bayreuther OB keine Vorwürfe machen möchte. Das Stadtoberhaupt sei wegen der von zahlreichen Seiten erfolgten Einflussnahme wohl unter hohem Druck gestanden, so Rossbach. Der aus der Pressemitteilung entstandene Eindruck, "Code Pink" werfe Merk-Erbe Verfehlungen in dieser Sache vor, trat die Sprecherin entgegen. Vielmehr wolle man das Verhältnis zu dem Stadtoberhaupt nicht belasten.

Vorträge in Deutschland angekündigt

Dennoch halte "Code Pink" an der Formulierung "verleumderischer Vorwurf" an die Adresse des Botschafters und der Jerusalem Post fest, sagte Rassbach. Eine Teilnahme an der genannten Konferenz zum Atomprogramm und den Sanktionen im Iran sei zwar erfolgt, ein Treffen mit Leugnern der Schoah wird in der von "Code Pink" veröffentlichten Mitteilung jedoch zurückgewiesen. Auch eine Nähe zu einer solchen Geisteshaltung weist die Organisation von sich.

Weiter heißt es in der Mitteilung, es seien sieben Mitglieder bestimmt worden, die den Toleranzpreis in Bayreuth entgegen nehmen werden. Diese planten außerdem zwischen 7. und 19. April eine Vortragsreise durch Deutschland.

Stichwort: "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis"

Der von der Stadt Bayreuth gestiftete "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt" wird seit 2008 im jährlichen Rhythmus auf Vorschlag der Universität verliehen. Ausgezeichnet werden Akteurinnen und Akteure eines offenen interkulturellen Dialogs, international engagierte Kulturschaffende, die sich für die Verbindung unterschiedlicher Kunst- und Kulturformen einsetzen, Personen oder Gruppen, die sich auf internationaler Ebene für Humanität und Toleranz engagieren sowie visionäre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus an Zukunftsfragen arbeiten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Frühere Preisträger sind unter anderem der Dirigent Daniel Barenboim, die senegalesische Frauenrechtlerin Madjiguène Cissé, der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer und der Begründer der Leipziger Friedensgebete, Christian Führer.

Sendungsinfo

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Matthias Gerhardt, Dienstag, 01.März, 11:59 Uhr

4. Das Existenzrecht Israels

Nun bin ich aber beruhigt: "Code Pink" ist eine international anerkannte Friedensorganisation und habe Israel niemals das Existenzrecht abgesprochen.
Ich spreche Code Pink im Gegenzug ebenfalls nicht das Existenzrecht ab. Soviel Toleranz muss schon sein!

Helmut Herold, Samstag, 27.Februar, 15:13 Uhr

3. Irgendwann reicht es!

Israel geht brutalst gegen hoffnungslos unterlegene Palästinenser vor. Zerstört diesen Menschen die Existenzgrundlage. Baut widerrechtlich Siedlungen auf fremdem Gebiet. Verursacht Leid und Elend. Erdreistet sich aber permanent, alles zu kritisieren was ihnen nicht gefällt. Das nervt ganz gewaltig.

Günther Richard Wagner, Lauf/Pegnitz, ai-Lauf/Hers, Samstag, 27.Februar, 12:05 Uhr

2. Preisverleihung an code pink

2009 durfte Benjamin Weinberg, der Redakteur der Jerusalem Post, in den Nürnberger Nachrichten einen Artikel veröffentlichen, in welchem er die kurz zuvor mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Menschenrechtsanwältin Felicia Langer wegen Antisemitismus unqualifiziert angriff. Weinberg hätte nun fast mit seinem Artikel und dem gleichen Tenor in der Jerusalem Post und seinem Schreiben an die Bayreuther OB verhindert, dass code pink den Toleranzpreis erhielt.

Udo Pablitschko, Samstag, 27.Februar, 08:45 Uhr

1. CODE PINK, die besseren Menschen ?

Also ich will mal so sagen:

Jede Gruppierung oder Einrichtung die gegen kriegerische Auseinandersetzungen kämpft ist mir tausendmal lieber als eine Nation, die -ANSTATT ZU VERHANDELN- infolge ihrer mehr als 100-fach militärischen Überlegenheit, SCHULDIGE WIE UNSCHULDIGE rücksichtslos niederbombt !

Ich habe, vor über 40 Jahren Israel besucht und dort viele liebenswerte Menschen kennengelernt. Damals war ein "Herr" Netanyahu noch nicht an der Macht und es hat in den Jahren nach "Herrn" Arafat auch gute Ansätze für eine Friedenslösung gegeben.

Mit den jetzigen (verantwortlichen?) Machthabern wird das wohl nix ! CODE PINK hat den Preis verdient! Ohne wenn und aber und ohne Rücksicht auf "biblisches Protestgeschrei" von den Männern mit den schwarzen Hüten!!!

  • Antwort von Zehnder Robert, Samstag, 27.Februar, 11:04 Uhr

    Ich bin auch der Meinung das dieser Preis an Code Pink geht. Es wird sich immer wer finden den nichts passt an manchen Sachen.

  • Antwort von hirsch, Samstag, 27.Februar, 18:45 Uhr

    Würde mich brennend interessieren, welche Bundestags-Leute gegen diese mutige Auszeichnung interveniert haben ?

  • Antwort von Tim S., Montag, 29.Februar, 20:12 Uhr

    > Würde mich brennend interessieren, welche Bundestags-Leute gegen diese mutige Auszeichnung interveniert haben ?

    Das waren die vier Vertreter der im Bundestag vertretenen Parteien in der "deutsch-israelischen Parlamentariergruppe".

  • Antwort von Tom Monty, Montag, 07.März, 10:47 Uhr

    Code Pink sagt: Stoppt den Krieg; das ist gut aber zweischneidig und obwohl Amerika die Soldaten von Irak nach Hause gebracht hat haben ISIS Terrorsten mit Irans Hilfe den Krieg erweitert und Tausende Christen u. andere plus Kinder getötet. CP. Zeigt durch die Teilnahme an der Konferenz in Teheran kürzlich wie akiv Sie mit den Mullahs sind. Genauso wie einer ihrer Gründer Cynthia Mc Kinney, aktiv war in der sogenannten Gaza Schiff Blockade deren Ziel war es Hamas zu ermöglichen Waffen über das Meer zu liefern um Israel anzugreifen! Heute ist es Hamas, ISIS und Iran wegen ihres islamischen Hassglaubens nicht möglich Frieden mit Israel zu schließen od. anderen siehe Code Pinks Video (kein Link erlaubt)"vom Fluß bis zum Meer" CP ist NICHT tollerant sondern total intolerant mit ihrer Nazisichtweise. Sie verdienen Keinen Preis für Toleranz. Die Bay. Stadträte (Fr.Chr. Müller-Feuerstein, die Grünen u. andere) schaden den Ansehen der Stadt. Bitte Stoppt diesen Unsinn!