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Chefarzt-Prozess in Bamberg Verteidiger fordern Bewährungsstrafe

Die Verteidiger im Chefarzt-Prozess vor dem Landgericht Bamberg haben ihre Plädoyers verlesen. Sie fordern eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten. Die Staatsanwaltschaft wollte ihn dagegen für 15 Jahre hinter Gitter bringen.

Stand: 05.10.2016

Der Angeklagte beim Prozessauftakt | Bild: picture-alliance/dpa

Der ehemalige Chefarzt am Bamberger Klinikum soll nach dem Willen seiner Verteidiger eine Bewährungsstrafe bekommen. Laut Anklage soll er mehrere Frauen vergewaltigt haben. Selbst wenn es bei seinen Behandlungsmethoden einen Sexualbezug geben sollte, würde es sich um einen minderschweren Fall der Vergewaltigung handeln, argumentierte einer der Anwälte nach Angaben eines Gerichtssprechers. Jede höhere Strafe sei eine "unangemessene Rache" an dem Angeklagten, der bereits seit über zwei Jahren im Gefängnis sitze.

Urteil am 17. Oktober

Um die Persönlichkeitsrechte der Opfer zu schützen, wurden die Plädoyers der Verteidiger hinter verschlossenen Türen verlesen. Danach hatte der Angeklagte das letzte Wort. Er bestritt jede sexuelle Motivation seiner Handlungen. Am 17. Oktober will das Gericht das Urteil verkünden. Bei der Urteilsbegründung könnte die Öffentlichkeit wieder ausgeschlossen sein.

Staatsanwaltschaft will Höchststrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche plädiert. Dabei forderte sie die Höchststrafe von 15 Jahren Haft sowie ein Berufsverbot auf Lebenszeit für den Mediziner, vor allem wegen schwerer Vergewaltigung. Die Anklage habe sich im Laufe des Prozesses verschärft, so ein Gerichtssprecher. Anfangs war noch von einfacher Vergewaltigung die Rede.

Gericht lehnt neue Beweisanträge ab

Vor den Plädoyers der Staatsanwaltschaft hatten sowohl die Verteidigung als auch der Angeklagte selbst zahlreiche neue Beweisanträge eingebracht. So hätten alle Zeuginnen noch einmal aussagen sollen. Die Verteidigung argumentierte, die Frauen seien von der Berichterstattung der Medien beeinflusst worden. Außerdem forderten sie, weitere 24.000 Fotos in Augenschein zu nehmen, die der Angeklagte in seiner Zeit am Klinikum Bamberg angefertigt hatte. Das Gericht lehnte die meisten Anträge jedoch ab.

Ehemaliger Chefarzt vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-jährigen Angeklagten Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und schwere Körperverletzung in zwölf Fällen vor. Er soll Kinikangestellte und Patientinnen am Klinikum Bamberg willenlos gemacht und sich anschließend an ihnen vergangen haben. Von seinen Handlungen fertigte er zahlreiche Bilder an. Der Angeklagte bestreitet seit Prozessbeginn eine sexuelle Absicht. Er habe lediglich neue Behandlungsmethoden an den jungen Frauen erproben wollen. Der Prozess wird seit April 2015 verhandelt, seit August 2014 sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Der gesamte Chefarzt-Prozess im Überblick


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