0

Plädoyers am Landgericht Bamberg Chefarzt-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert nur Bewährung

Im Prozess gegen einen früheren Chefarzt aus Bamberg hat die Staatsanwaltschaft heute eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten wegen sexueller Nötigung gefordert. Sie rückte damit vom Vorwurf der Vergewaltigung ab.

Stand: 07.12.2017

Ehemaliger Chefarzt aus Bamberg mit zwei Verteidigern vor Gericht | Bild: BR

Die Nebenklage forderte dasselbe Strafmaß, die Verteidigung des Mediziners hingegen Freispruch. Das Landgericht Bamberg will sein Urteil noch heute Nachmittag (07.12.17) verkünden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen vor, im Dezember 2016 eine ihm unterstellte Mitarbeiterin am Arbeitsplatz zum Oralverkehr gezwungen zu haben. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Nur eine Bewährungsstrafe gefordert

Das Gericht war zunächst von einer Vergewaltigung ausgegangen. In den Plädoyers ist die Staatsanwaltschaft aber davon abgekommen und fordert nur noch eine Bewährungsstrafe wegen sexueller Nötigung. Mehrere Krankenhausmitarbeiterinnen hatten sich damals bei der Klinikleitung gemeldet und eingeräumt, mit dem Arzt einvernehmlich Sexualkontakte gehabt zu haben. Angezeigt hatte den Mann allerdings niemand, auch nicht das mutmaßliche Opfer.

Selbstmordversuch des Arztes

Die Sozialstiftung Bamberg, der Träger der Klinik, hatte den leitenden Mediziner daraufhin freigestellt und ihm ein Hausverbot erteilt. Grund für die Entscheidung sei allein ein arbeitsrechtliches Fehlverhalten, so die Klinikleitung damals. Nachdem der Fall öffentlich wurde, hatte der Mediziner versucht, sich das Leben zu nehmen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft war er direkt aus der Intensivstation festgenommen worden.

Erster Fall nach neuem Sexualstrafrecht

Der 46-jährige frühere Chefarzt ist einer der ersten, der nach dem neuen Sexualstrafrecht angeklagt worden war. Weil noch nicht klar ist, wie das neue Recht auszulegen ist, sorgt der Prozess bundesweit für Aufsehen. Im Sexualstrafrecht war im vergangenen Jahr das Prinzip "Nein heißt Nein" festgeschrieben worden. Demnach macht sich nicht nur strafbar, wer Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwingt. Es reicht vielmehr aus, wenn sich der Täter über den "erkennbaren Willen" des Opfers hinwegsetzt.


0

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: