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Spatenstich für zweite Stammstrecke Wie sich Münchens Milliardenprojekt auf Bayern auswirkt

Eigentlich sollte die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn schon 2010 fertig sein – die aktuelle Prognose lautet: 2026. Und die veranschlagten Kosten haben sich in der Zwischenzeit mehr als verfünffacht. Welche Folgen hat das Milliardenprojekt für den Schienenverkehr in Bayern?

Von: Lorenz Storch

Stand: 05.04.2017

 Eine S-Bahn steht am 31.03.2015 auf freier Strecke bei München-Lochhausen  | Bild: picture-alliance/dpa

Was heute mit einem Spatenstich hinter dem Münchner Rathaus beginnt, wird die größte Bahnbaustelle in Bayern für das nächste Jahrzehnt. Bis zu 3,8 Milliarden Euro sind dafür veranschlagt. Viel Geld, das gibt auch Ministerpräsident Horst Seehofer zu:

"Aber dafür ist das Projekt auch so wichtig. Im Einzugsbereich wohnt ein Drittel der bayerischen Bevölkerung. Das rechtfertigt auch diese Großinvestition für die Region München."

Ministerpräsident Horst Seehofer

Die Kritik aus den Regionen

Dass der zweite Tunnel für München viele Jahre lang nicht voran kam, lag auch daran, dass es aus anderen Regionen Bayerns Widerstand gab. Bedenken, wie sie nicht nur der Passauer SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard Roos formuliert hat.

"Bayern ist groß, und Geld ist endlich. Und wenn der Freistaat Bayern knapp 1,5 Milliarden vorfinanziert, dann gehen die an anderer Stelle ab."

Bernhard Roos, SPD-Landtagsabgeordneter

Das politische Versprechen der Staatsregierung

Seehofer und sein Verkehrsminister Joachim Herrmann dagegen haben wiederholt das Gegenteil versprochen: Niemand müsse befürchten, dass in der Zukunft irgendetwas unterbleibe, nur wegen der zweiten Stammstrecke. Kein wichtiges Schienenprojekt im bayerischen Nahverkehr werde unter dem Münchner Großprojekt leiden.

Die Landtags-Grünen wollen das nicht glauben. Ihr Verkehrssprecher Markus Ganserer führt zum Beleg die Antwort des Verkehrsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage an:

"Dass die Staatsregierung selbst zugeben muss, dass bereits ab 2018 zahlreiche andere Projekte im Freistaat in unmittelbarer Mittelkonkurrenz mit dem zweiten S-Bahn-Tunnel sind. Das betrifft auch Projekte wie die Stadt-Umland-Bahn Nürnberg-Erlangen und Straßenbahnprojekte in Würzburg."

Markus Ganserer, Grünen-Landtagsabgeordneter

Bayern muss Geld auftreiben

Dass keine anderen Schienenprojekte leiden sollen, ist ein politisches Versprechen der Staatsregierung, das in den kommenden Jahren jedoch erst noch mit zusätzlichen Haushaltsmitteln unterlegt werden muss. Wenn der Freistaat – wie geplant – einen Teil der sogenannten Regionalisierungsmittel des Bundes in Bauprojekte umleitet, kann er als Konsequenz weniger Verkehr auf den bayerischen Schienen finanzieren. Denn auch Bayern kann jeden Euro nur einmal ausgeben.

Und selbst in und um München gibt es weitere Schienenprojekte mit hohem Finanzbedarf: der Ausbau der S-Bahn Außenäste etwa oder der S-Bahn-Nordring, der den boomenden Münchner Norden erschließen soll. In den nächsten Monaten will Verkehrsminister Herrmann dafür ein Konzept vorlegen.

"Da wird jetzt für den Nordring noch keine Jahreszahl stehen. Da ist wichtig, dass man sich überhaupt bewusst ist, auch das wollen wir anpacken. Wir wissen, in einer ferneren Entwicklung werden wir das auch brauchen, so wie der Ballungsraum München weiter wächst."

Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann 

Der Stau beim Ausbau der Münchner S-Bahn wird sich nach vielen Jahren Stillstand erst langsam auflösen.


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hrsc, Samstag, 08.April, 11:22 Uhr

6. Das Münchner S-Bahn Bergwerk und die erweiterte Labyrinthforschung. Unterwandert

Viele konnten erst relativ spät in derartig hochkomplexe Dimensionen, Details und UnTiefen des milliardenschweren Logistik-Puzzles einer unterirdischen Verkehrspolitik zusteigen. Geniessen wir weiterhin das Leben in vollen Zügen. Max Maulwurf bald in Höchstform der Schildvortriebstechnik. Auch im offenen Tagebau wird er bestimmt Bestleistungen der akrobatischen Ingenieurskunst präsentieren können. Ladezeit der Webseite der deutschen Bahn: sagenhafte 76%, Yslow 83% (!) :::: Spam zurückbleiben, bitte. ::::: Bis es an die wohlriechenden ("Erz")reserven der Staaten geht, könnte noch etwas Zeit verstreichen. Gierig bleibt schwierig. Glück auf .oO Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Lori, Mittwoch, 05.April, 22:23 Uhr

5. Ein Drittel der Bayern verbraucht neunzig Prozent der Mittel

Dass München unter tatkräftiger Unterstützung der CSU und unter systematischer Vernachlässigung der anderen bayerischen Regionen über Jahrzehnte zum mit gigantischem Abstand bevölkerungsreichsten Ballungsraum in Bayern werden konnte, überrascht nicht und ist inzwischen allgemein bekannt. Dass jetzt schon wieder zu Gunsten der Oberbayernhauptstadt die Finanzmittel auf Jahre so gebunden werden, dass für den bevölkerungsstärksten Rest Bayerns nichts mehr übrig bleibt, ist ein Skandal und ein weiterer Beleg dafür, dass die CSU eine großstädtische Münchner Klientelpartei ist und nichts mit einer bayerischen Volkspartei gemein hat! Ich als Niederbayer bedauere den heutigen Spatenstich in München jedenfalls zutiefst und empfinde ihn als Schlag ins Gesicht!

Wolfgang Schönfelder, Mittwoch, 05.April, 07:35 Uhr

4. Warum nicht erst Nord- und Südringausbau?

Anschlißend Stop des Zuwachs von Arbeitsplätzen und Bewohnern im Raum München würde den Tunnel vielleicht überflüssig machnen.

  • Antwort von Manfred, Mittwoch, 05.April, 09:07 Uhr

    "Stop des Zuwachs" ?
    Wäre ja in gewisser Hinsicht sinnvoll, aber wir leben nun mal nicht in einer Planwirtschaft. Die DDR ist Geschichte.

  • Antwort von Leonia, Mittwoch, 05.April, 10:38 Uhr

    Klingt nach dem "Nach-mir-die-Sintflut"-Prinzip.

N.F., Mittwoch, 05.April, 07:19 Uhr

3.

...... bis 2026.Eine schnelligkeit sieht anders aus.

Niederbayer, Mittwoch, 05.April, 07:14 Uhr

2.

Wenn schon Jahre lang daran doktert werd ,werds 2026 auch nicht fertig.
wer das glaubt ,glaubt ans Christkind auch.Das ist so bei uns.

  • Antwort von Lori, Donnerstag, 06.April, 07:53 Uhr

    Ist doch egal. Für die überwiegende Mehrzahl der Bayern bedeutet dieser Tunnel nichts anderes, als dass sie zukünftig noch mehr Geld nach München werden schicken müssen. Einen Vorteil für Bayern insgesamt sehe ich nicht - schon gar nicht für Niederbayern