681

Bahnkatastrophe bei Bad Aibling Zahl der Toten steigt auf zehn

Horrorunglück am Faschingsdienstag: Beim Zusammenstoß zweier Regionalzüge bei Bad Aibling im oberbayerischen Landkreis Rosenheim sind zehn Menschen ums Leben gekommen. 18 Passagiere wurden schwer verletzt, 63 leicht. Die Unfallursache ist unklar.

Von: Oliver Bendixen, Dagmar Bohrer-Glas, Julia Binder

Stand: 09.02.2016

Laut Polizei ist ein weiteres Opfer des Unglücks am Nachmittag im Krankenhaus gestorben. Unter den Toten sind nach Angaben der Polizei die beiden Lokführer und die beiden Zugbegleiter. Die beiden Züge mit insgesamt 150 Menschen an Bord waren gegen 6.45 Uhr auf Höhe des Klärwerks von Bad Aibling frontal aufeinander geprallt und teilweise entgleist.

Über 600 Einsatzkräfte waren stundenlang im Einsatz, um die Opfer zu bergen und die Verletzten zu versorgen. Da die Unglücksstelle schwer zu erreichen war, wurden die Menschen teilweise mit Seilwinden aus der Luft geborgen und anschließend weitertransportiert. Auch Bergwacht und Wasserwacht waren dabei im Einsatz, ebenso Helfer aus Österreich.

Die Ereignisse im Liveblog

Liveblog

Schwierige Suche nach der Ursache

Die Ermittlungen zur Unglücksursache hat die Staatsanwaltschaft Traunstein übernommen. Derzeit werde alles getan, um den Unfallhergang aufzuklären, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann auf einer Pressekonferenz in Bad Aibling. "Auch wenn es die hundertprozentige Sicherheit nie geben kann, müssen wir alles dafür tun, um menschliches wie technisches Versagen so weit wie möglich auszuschließen."

Strecke erst vor kurzem überprüft

Notfallnummern für Angehörige

Die Bayerische Oberlandbahn, die den Meridian betreibt, hat eine Notfallnummer eingerichtet: Unter 0395 / 43 08 43 90 können sich Angehörige informieren.
Auch die Bundespolizei Oberbayern hat eine Telefon-Hotline: 08031 / 20 00.

Die eingleisige Strecke sei sicherheitstechnisch auf dem modernsten Stand, versicherte Herrmann. Eigentlich hätten die Züge in Kolbermoor aneinander vorbeifahren müssen. Klaus-Dieter Josel, bei der Bahn für Bayern zuständig, erklärte, dass die Strecke erst vergangene Woche technisch überprüft worden sei. Bergung und Reparturen werden mehrere Tage dauern.

Dobrindt: Züge vermutlich ungebremst ineinander

Von Journalisten umlagert: Bundesvekehrsminister Dobrindt und Bayerns Innenminister Herrmann

Wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auf der PK erklärte, fahren die Züge an dieser Stelle mit rund 100 Stundenkilometern. Offenbar seien die Züge nahezu ungebremst ineinander geprallt. Zwei der drei Blackboxen, die wichtige Daten aufzeichnen, konnten bereits geborgen werden, so Dobrindt.

Bilder vom Unglücksort

Die Eindrücke von der Unglücksstelle hätten ihn "mehr als betroffen" gemacht, sagte Bad Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller. Er vermutet, dass sich die Lokführer in der Kurve in dem Waldstück nicht sehen und somit nicht rechtzeitig reagieren konnten.

Busse statt Bahn

Die Zugstrecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen ist auf unbestimmte Zeit gesperrt. Statt des Meridian pendeln Busse.

Hier stießen die Meridian-Züge zusammen

Chronologie - Schwere Zugunglücke in Deutschland

August 2014

In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012

Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

April 2012

Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einemBaukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

Januar 2012

Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

September 2011

Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011

Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

Oktober 2009

Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008

Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

Juni 2003

Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

Februar 2000

In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998

Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Februar 1990

Im Bahnhof Rüsselsheim überfährt eine ausfahrende S-Bahn ein Haltesignal und stößt mit einem einfahrenden Zug zusammen. 17 Tote, 145 Verletzte.

Juni 1975

Bei Warngau auf der Strecke München-Lenggries stoßen zwei Eilzüge infolge eines Missverständnisses der Fahrdienstleiter zusammen. 41 Tote, 122 Verletzte.

Juli 1971

In Rheinweiler bei Freiburg entgleist der D 370 "Schweiz-Express" mit überhöhter Geschwindigkeit in einer Kurve und rammt ein Wohnhaus, in dem unter anderem ein sechsjähriger Junge stirbt. Als Ursache gilt ein Schwächeanfall des Lokführers, der ebenfalls getötet wird. Insgesamt 25 Tote, über 120 Verletzte.

Mai 1971

Auf der Strecke Wuppertal-Radevormwald stößt ein Schienenbus mit vielen Schülern mit einem Güterzug zusammen. 46 Tote, davon 41 Schüler, und 25 Verletzte.

Februar 1971

Am Bahnhof Aitrang im Allgäu springt der Trans-Europ-Express 56 "Bavaria" in einer Kurve aus den Gleisen. Ein Schienenbus prallt gegen den umgestürzten Steuerwagen. 28 Tote, 42 Verletzte.

Juli 1967

An einem Bahnübergang in Langenweddingen bei Magdeburg fährt ein Tanklastzug mit 15.000 Litern Benzin wegen einer nur halb geschlossenen Schranke, die sich in einem Telefonkabel verfangen hat, auf den Bahndamm und kollidiert mit einem Zug und explodiert. 94 Menschen sterben. Es gilt als das schwerste Bahn-Unglück in der DDR.

Oktober 1961

Im Hamburger S-Bahnhof Berliner Tor fährt eine S-Bahn gegen einen Bauzug, den der Fahrdienstleiter übersehen hatte. 28 Tote, 55 Verletzte.


681